Selenskis Mafia-Move
Dieses Angebot kann Putin nicht ausschlagen

Zu Beginn des fünften Kriegssommers geht der ukrainische Präsident erneut in die Offensive. Wolodimir Selenski will den Krieg endlich beenden. Heute könnte unweit der Schweizer Grenze der Grundstein dafür gelegt werden.
Kommentieren
Am Dienstag könnte im französischen Évian unweit der Schweizer Grenze ein grosser Schritt auf das Kriegsende hin gemacht werden.
Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
RMS_Portrait_AUTOR_823.JPG
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Évian, die Heimat des weltbekannten Mineralwassers, wäre der perfekte Ort, um endlich zünftig Wasser auf die knarzenden Friedensmühlen im Ukraine-Krieg zu leiten. Heute noch treffen sich der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) und sein amerikanischer Amtskollege Donald Trump (80) am Rande des G7-Gipfels, um über das Kriegsende zu sprechen.

Trump ist nach seinem Geburtstagswochenende – inklusive UFC-Käfigkampf, die US-Variante eines Schwingfestes, auf dem Rasen vor dem Weissen Haus – gut gelaunt. Und: Der vermeintliche Durchbruch bei den Iran-Verhandlungen dürfte seinem Tatendrang weiteren Schub verleihen. Selenski weiss das – und hat Kriegstreiber Wladimir Putin (73) jetzt in Mafia-Manier ein Angebot unterbreitet, das dieser nicht ablehnen kann.

Konkret schlägt Selenski ein Dreier-Treffen mit dem Russen und Trump in den USA vor. «Für Putin wird es schwierig, das abzulehnen», sagt Selenski zu seinem Vorschlag. Umso mehr, als sich Trump in einem Telefonat am Montag positiv zur Idee geäussert hatte («vielleicht lässt sich was machen»).

1/8
Heute noch wollen Donald Trump (l.) und Wolodimir Selenski (r.) in Évian über Friedensverhandlungen sprechen. In der Mitte: Emmanuel Macron.
Foto: AFP

Wenn Trump Putin nach seinem heutigen Selenski-Meeting in Évian tatsächlich eine Einladung zum Friedensgipfel zukommen lässt, muss Putin spuren. Wenn der US-Präsident zum Gespräch lädt, gilt es anzutraben. Das ewige Versteckspiel des Kremls, der sich seit mehr als vier Jahren vor sämtlichen ernst gemeinten Friedensgesprächen drückt, nähme ein Ende.

Sogar Lukaschenko schlägt versöhnliche Töne an

Abgesehen von Putins deplatzierter Einladung an Selenski, doch einfach nach Moskau zu kommen, hat das offizielle Russland bislang immer nur Ausreden gesucht, weshalb Friedensgespräche jetzt grad nicht pässlich seien.

Viel aber deutet darauf hin, dass sich die russische Führung nicht mehr ewig zieren kann. Das liegt einerseits an Kiews ungebrochenem Kampfwillen. Die Ukraine präsentiert sich zu Beginn des fünften Kriegssommers in erstaunlich robuster Verfassung. Selenskis Truppen befreien mehr Gebiete von den russischen Besatzern, als diese neu einnehmen können. Moskau reagiert laut dem Institut für Kriegsstudien ISW mit KI-generierten Fake-Videos von falschen Flaggenparaden in vermeintlich eroberten Dörfern.

Die Verluste auf russischer Seite bleiben gigantisch hoch. Auch im Mai wurden erneut über 30'000 von Putins Männern getötet oder schwer verwundet. Zudem machen die Ukrainer bei der Entwicklung neuer Waffen gewaltig vorwärts. Das zeigt die Vorstellung der neuen FP-7- und FP-9-Raketen der ukrainischen Firma FirePoint diese Woche an der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory. Die FP-9 hat eine Reichweite von rund 855 Kilometer: Direkte Angriffe auf Moskau wären mit dem Monstergeschoss möglich.

Auch der diplomatische Wall gegen die russische Aggression hält Stand. Am Montag haben alle 27 EU-Mitglieder zugestimmt, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine offiziell zu starten. Und sogar der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko (71) schlägt versöhnliche Töne an. In einem Interview mit dem Sender Al-Arabiya hat er sich bei Selenski für die harschen Töne in der Vergangenheit entschuldigt.

Russland selbst agiert angesichts des ukrainischen Abwehrerfolgs zusehends verzweifelt. Davon zeugen die zunehmenden Angriffe auf Kulturgüter (zuletzt hat es das Kiewer Höhlenkloster getroffen) und die perfiden «double tap»-Attacken etwa in Charkiw: In der zweitgrössten Stadt der Ukraine nahmen die Russen Rettungskräfte ins Visier, die sich an der Stelle einer kurz zuvor eingeschlagenen Rakete ans Werk machten. Ein Kriegsverbrechen.

Russen-Soldaten sollen nie nach Europa reisen dürfen

Wie prekär es um die Lage in Russland selbst steht, zeigt der Benzin-Notstand, der inzwischen in 21 russischen Regionen ausgerufen worden ist. Russland, der einstmals grosse Öl- und Gas-Produzent, kommt wegen der anhaltenden ukrainischen Angriffe auf seine Ölförderanlagen in arge Not.

Dass auch die westlichen Sanktionen wirken, zeigt nicht zuletzt der Absturz eines strategischen Kampfbombers Anfang Woche bei einem Trainingsflug in Irkutsk. Ein Zeichen dafür, dass die russischen Streitkräfte ihre Maschinen wegen der geltenden Sanktionen nicht mehr richtig warten können.

Derweil arbeitet die EU bereits an einem neuen Sanktionspaket, dem insgesamt 21. Darin soll unter anderem festgehalten werden, dass russischen Soldaten, die sich am Ukraine-Krieg beteiligt haben, die Einreise in die EU lebenslang verwehrt bleiben soll.

Das aber ist Zukunftsmusik. Zuerst muss der Krieg ein Ende finden. In Évian könnte am Dienstag ein wichtiger Grundstein dafür gelegt werden.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen