Darum gehts
- Slalom-Ass plant trotz verpasster Olympia-Medaille 2026 längst den nächsten Winter
- Ab August neues Training mit Christian Brill, Fokus auf Explosivität
- 57 Weltcup-Podeste, 14 Olympia- und WM-Medaillen
Seit 13 Jahren gehört Wendy Holdener (33) zu den besten Slalomfahrerinnen der Welt. Eine echte Krise, Serien von Ausfällen oder Phasen, in denen nichts mehr funktionierte? Fehlanzeige. Die Schwyzerin sammelte 57 Weltcup-Podestplätze sowie neun WM- und fünf Olympia-Medaillen. Nur eines fehlt ihr: mehr Siege. «Aber es ist kein Wunschkonzert», sagt sie.
Ans Aufhören denkt Holdener nicht. «Ich freue mich auf den nächsten Winter.» Gleichzeitig deutet sie an, dass Cortina (It) wohl ihre letzten Olympischen Spiele waren. 2030 dürfte sie nicht mehr dabei sein. «Ich muss Olympia nicht mehr erleben. Diese Motivation habe ich nicht.» Auch die fehlende Slalom-Goldmedaille treibt sie nicht an. «Selbst wenn ich es in vier Jahren nochmals versuchen würde, heisst das nicht, dass ich Olympiasiegerin werde.»
Im Februar verpasste Holdener in Cortina als Vierte eine Medaille und weinte bittere Tränen. Gold war ihr grosses Ziel, darauf hatte sie sich schon im Sommer, Herbst und im Winter fokussiert. «Das war too much. Ich hätte es lockerer nehmen müssen.» War das ein Fehler? «Nein. Ich hatte ja noch nie Slalom-Gold gewonnen und wollte es mit diesem Ansatz versuchen. Nachtrauern bringt aber nichts.»
Am «Gstell» tut nichts weh
Klar ist: Einen Abschied auf Raten gibt es mit Holdener nicht. Sie gibt weiter Vollgas und strebt nach Perfektion. Nach dem Abgang von Trainer Jörg Roten arbeitet sie nun mit Christian Brill. Ein Risiko ist das nicht. Die beiden kennen sich seit Jahren. Brill war bereits ihr Konditionstrainer und zeitweise auch Skitrainer. «Jetzt macht er beides. Das schätze ich sehr.»
Eine Änderung steht bereits fest: Holdener steigt erst am 18. August in Zermatt auf die Ski – drei Wochen später als bisher. «Das gibt mir Luft. So kann ich zwei zusätzliche Exzentrik-Blöcke absolvieren.» Der Fokus liegt auf der besseren Ansteuerung der Muskulatur, um dem altersbedingten Verlust an Explosivität entgegenzuwirken.
«Ich bin mit 33 schneller als mit 25», sagt sie. «Oder zumindest würden wir uns herausfordern», ergänzt sie schmunzelnd. Muskelkater zu Beginn des Sommertrainings? Hat sie immer noch, das ist normal. Entscheidender: «Am Gstell, wie wir immer sagen, tut nichts weh.»
Holdener will wieder Super-G fahren
Im Frühling gönnte sich Holdener mit Freund Rémy Ferien in Palau in Mikronesien. Dort widmete sie sich einer ihrer grossen Leidenschaften: dem Tauchen. «Diese längeren Ferien taten mir gut.» Der Blick richtet sich nun auf den Winter.
Dabei stellt sich die Frage, ob sie künftig auf den Riesenslalom verzichtet. Der Fokus auf den Slalom wäre naheliegend. Im vergangenen Winter wurde sie im Riesenslalom nie besser als 15. «Das war eine Überlegung», sagt sie. «Aber der Riesenslalom tut mir gut.»
Deshalb will sie wieder mehr Super-G fahren – im Training und im Wettkampf. «Das Tempogefühl hilft mir im Riesenslalom.» Geplant sind Starts am 18. und 19. Dezember in St. Moritz GR.
Olympia 2026 als Lehre für Heim-WM 2027
Im Februar wartet mit der Heim-WM in Crans-Montana VS der Saisonhöhepunkt. «Endlich wieder ein Slalom in der Schweiz. Ich freue mich auf den Kessel im Ziel und die Stimmung. Diese Atmosphäre möchte ich aufsaugen.»
Gleichzeitig will sie sich nicht unter Druck setzen. Die Olympischen Spiele in Cortina seien ihr eine Lehre gewesen. «Ich will mir mehr Luft geben und den Druck abschütteln. Ich habe 2017 schon eine Heim-WM in St. Moritz erlebt. Mein Rucksack an Erfahrungen ist gut gefüllt.»
Und Olympia 2030 in Frankreich? Ganz ausschliessen will Holdener es plötzlich doch nicht. «Solange ich Freude am Skifahren habe, gesund bin und mit den Leuten mithalten kann», sagt sie und zögert. Dann schmunzelt sie: «Wer weiss, vielleicht fahre ich ja doch bis 2030.»