«Er rief mich letzte Woche an»
Bernhard Russi gedenkt Freund und Rivale Roland Collombin (†75)

Roland Collombin ist tot. Sein einstiger Rivale Bernhard Russi erinnert sich an den Freund und Wegbegleiter.
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Bernhard Russi würdigt seinen Freund und Ski-Legende Roland Collombin (†75).
Foto: Sven Thomann
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Bernhard RussiBlick-Kolumnist

Es ist schwer auf diese Weise Abschied zu sagen. Die Gedanken und Erinnerungen an einen ganz speziellen Freund und Menschen zu ordnen und zu teilen.

Roland hat mich letzte Woche noch angerufen. Ganz ruhig und gelassen! „Ich kann nicht mehr, ich gehe!“

Dann haben wir etwa eine halbe Stunde über das Leben philosophiert. Wir haben uns daran erinnert, wie krass, herausfordernd und auch gefährlich gewisse Momente waren, wie schön, lustig und unvergesslich andere.

Wir waren uns einig, dass im Leben, um glücklich und zufrieden zu sein, das Erlebte zählt und nicht das, was man nicht erlebt hat. Das, was uns das Leben geschenkt hat und nicht das, was noch kommen könnte.

Roland hat gelebt, erlebt und nichts ausgelassen.

Er hat immer in Grenzbereichen geflirtet, liess sich nicht gerne in Strukturen oder Regeln einbinden.

Auf den schwersten Abfahrts-Pisten der Skiwelt hat er neue Maas Stäbe gesetzt. Mit seiner aggressiven, risikoreichen Fahrweise aber auch mit seiner „nonchalanten“ Einstellung zu Training, Vorbereitung und Gehorsam hat er seine Gegner, auch mich, und seine Trainer fast zur Verzweiflung gebracht.

Roland wurde immer anders empfunden, schubladisiert, in ein Image eingebunden, in dem er sich zwar wohl fühlte, das ihm gefiel aber eigentlich gar nicht hin gehörte.

Oft war er bei weitem nicht so mutig wie es seine Fahrweise vermuten liess. Er hatte panische Angst vor Sprüngen. Er war nicht so undiszipliniert in den Trainings wie wir alle glaubten, sondern holte alles Verpasste zu Hause, alleine und ohne Öffentlichkeit nach.

Der wilde, harte, verrückte Roland Collombin war bei weitem nicht so weit weg von der Ideallinie, wie es die Öffentlichkeit gerne sah.

Im Gegenteil er war ein sehr emotionaler, herzensguter Mensch. Seine Familie, seine Freunde und seine Heimat bedeuteten ihm mehr als Medaillen und Siege.

Es ist traurig, dass er nicht mehr da ist. Wir hätten noch so viel zu teilen. Mein letzter Anruf, am Freitagmittag, konnte er nicht mehr entgegen nehmen. Die Start Uhr zu seinem letzten Rennen tickte bereits die letzten Sekunden runter.

Adieu mon ami!

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