Der 10. Juli 2026 geht als trauriger Tag in die Schweizer Sportgeschichte ein: Ski-Legende Roland Collombin hat 75-jährig den Kampf gegen den Krebs verloren.
Abfahrtsspezialist Collombin fuhr sich in den 70er-Jahren in die Herzen der Schweizer Ski-Fans. Legendär sind vor allem die Olympischen Spiele 1972 in Sapporo, wo er hinter seinem Rivalen und späteren Freund Bernhard Russi (77) Silber gewann. «Collombin hatte immer den Verdacht, dass Rossignol-Kollege Russi den besseren Wachs hatte», erinnert sich alt Bundesrat Adolf Ogi (83). «Das war aber nicht so.» Ogi muss es wissen, schliesslich war er damals Direktor des Skiverbands.
Als solcher war Ogi auch verantwortlich dafür, dass Collombin nach der Medaillen-Party aus dem japanischen Gefängnis freikam. Dort landete der lebensfrohe Walliser wegen eines Streits im Ausgang. Collombin hat Ogi die Rettung nie vergessen. «Als ich am 9. Dezember 1987 in den Bundesrat gewählt wurde, fuhr Roland vor dem Bundeshaus vor», erzählt Ogi. «Dem Polizisten sagte er: ‹Herr Polizist, ich muss doch Dölf gratulieren. Er ist trotz mir Bundesrat geworden.›»
Karriere endete viel zu früh
Auch ohne Olympia-Gold ist Collombins Bilanz herausragend: Von 14 Weltcup-Abfahrten, zu denen er gestartet ist, hat er acht gewonnen. Seine Karriere wurde allerdings 1975 von einem Sturz im Training in Val-d'Isère viel zu früh beendet. Die Unglücksstelle wird seither Bosse à Collombin genannt. «Mit seiner Kraft und seiner Technik wäre er 1976 in Innsbruck um Olympia-Gold gefahren», ist sich Ogi sicher. Olympiasieger wurde am Patscherkofel dann aber doch Franz Klammer vor Bernhard Russi.
Die Männer-Freundschaft zwischen Collombin und Ogi hatte bis zuletzt Bestand. Am 17. Juni telefonierten die beiden noch einmal miteinander. «Dölf, ich muss dich informieren, dass ich von der Erde gehen werde», erzählt Ogi vom Gespräch. Dies wollte Collombin aber nicht machen, ohne um einen letzten Gefallen zu bitten: Ogi soll an der Beerdigung der Ski-Legende eine Rede halten. Ein Versprechen, das der begnadete Redner natürlich einlösen wird. Collombin lässt via Ogi eine letzte Botschaft ausrichten: «Bleibt glücklich, anstatt in Trostlosigkeit zu versinken.»