Darum gehts
- Malorie Blanc begeistert beim Charity Golf Day im Wallis, 50'000 Franken gesammelt
- 30'000 Franken für Sporttalente, 20'000 für Opfer in Crans-Montana
- Blanc plant Riesenslalom-Debüt, 500 Punkte als Ziel in Speeddisziplinen
Der Abschlag steht an. Loch eins, 494 Meter, Par 5. Kurz nach 10 Uhr morgens schwingt Malorie Blanc (22) den Driver. Nicht mit roher Kraft, sondern mit sauberer Technik. Der Ball schiesst durch die Luft und landet mitten auf dem Fairway. «Ich spiele erst seit drei Jahren. Mein Freund Léo hat mich zum Golf gebracht. Wenn ich den Ball am Abschlag voll treffe, macht das enorm Spass.»
So wie eben? «Genau. Aber vielleicht habe ich mein Glück ja schon aufgebraucht», sagt sie und lacht.
Wir treffen Blanc am Sport Talents Charity Golf Day im Wallis. Beim Benefizanlass kommen Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft zusammen. Das Ziel: Geld sammeln. Diesmal gehen 30'000 Franken an Sporttalente. «Dazu kommen 20'000 Franken für die Stiftung Beloved, die die Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana unterstützt», sagt Yves Allegro. Der ehemalige Tennisprofi organisiert den Anlass. Blanc: «Es bedeutet mir viel, hier dabei zu sein. Solche Veranstaltungen sind wichtig. So können wir anderen Menschen helfen.»
«Happy Gilmore»? Nur ein leises Fluchen
Mit Crans-Montana verbindet Blanc viel. Sie wohnt im fünf Kilometer entfernten Ayent. Hier fuhr sie schon als Kind Ski. Hier riss sie sich kurz nach dem Junioren-WM-Titel das Kreuzband. Und hier gewann sie vor fünf Monaten ihr erstes Weltcuprennen. «Es fühlt sich noch heute so an, als hätte jemand anderes gewonnen. Die Emotionen waren fast zu gross, um sie zu begreifen.»
Am Golftag bildet Blanc ein Team mit drei sympathischen Seniorinnen. Gespielt wird Scramble. Nach jedem Schlag zählt der beste Ball. Von dort spielen alle weiter. «Das nimmt etwas Druck weg», sagt Blanc. Tatsächlich misslingt ihr der zweite Schlag komplett. Ein leises Fluchen, mehr nicht. Hatte sie noch nie einen «Happy Gilmore»-Moment? Als die Hollywoodkomödie mit Adam Sandler 1996 in die Kinos kam, war Blanc noch nicht geboren.
«Aber ich kenne den Film natürlich. Er ist grossartig. Es ist herrlich, wie Sandler jedes Mal ausrastet, wenn er einen Ball verschlägt.» Und sie selbst? «Noch nicht. Aber vielleicht kommt das noch. Immerhin liegen noch mehr als 17 Löcher vor uns», sagt sie und lacht.
Kurz darauf hebt Blanc den Ball gekonnt aufs Green. «Super!» und «Bravo!», rufen ihre Teamkolleginnen. «Golf verbindet Technik, Mentalität und Geselligkeit. Genau diese Mischung begeistert mich.»
500 Punkte und der nächste Angriff
Der Winter scheint in Crans-Montana weit weg, obwohl auf den Gipfeln noch Schnee liegt. Das Konditionstraining läuft längst. Blanc weiss: Jetzt entsteht die Grundlage für die nächste Saison. Wird sie neben den Speedrennen bald auch Riesenslaloms bestreiten? Im Training hat sie ihr Talent dafür mehrfach gezeigt. «Eins nach dem anderen. Ich werde den Riesenslalom sicher intensivieren. Das hilft mir auch in Abfahrt und Super-G. Aber Rennen zu fahren, ist noch einmal etwas anderes.»
Der Plan könnte so aussehen: Zuerst 500 Punkte in den Speeddisziplinen sammeln. Danach im Riesenslalom mit einer Startnummer knapp hinter den Top 30 antreten. Vielleicht schon übernächsten Winter? «Klingt gut», sagt Blanc.
Heim-WM 2027 bringt Druck und Vorfreude
Grössere Störungen gab es in den vergangenen Monaten keine. Nur der Abgang der Speedtrainer Stefan Abplanalp und Jvano Nesa beschäftigte sie. «Das war emotional. Aber der Skisport ist schnelllebig. Und Veränderungen bieten immer auch Chancen.»
Bereits im Februar findet die Ski-WM in Crans-Montana statt. Ein grösseres Heimspiel ist kaum möglich. Nach ihrem Sieg im Super-G wird der Erwartungsdruck enorm sein. «Das gehört dazu. Ich bin vor allem stolz, auf dieser Piste fahren zu dürfen. Ich liebe sie. Und ich freue mich nicht nur auf die Rennen, sondern auch auf die Atmosphäre und die Menschen.»
Übrigens: Auch auf dem Green beweist Blanc viel Gefühl, wenn auch nicht ganz so viel wie auf Ski. Einen «Happy Gilmore»-Moment gibt es bis zum Schluss nicht. «Ich bin ruhig geblieben», sagt Blanc und lacht.