Darum gehts
Die Drohkulisse war gewaltig. Die ganz grossen Eckpfeiler der Ski-alpin-Welt mit all den mythischen Destinationen wie Wengen, Adelboden, Kitzbühel, Bormio usw. nicht mehr im Weltcup, sondern in einer neuen, von der FIS unabhängigen Rennserie. Dieses Szenario hatten die grossen Ski-Verbände, namentlich die Schweizer und Österreicher, für den Fall der Wiederwahl von Johan Eliasch skizziert. Die ultimative Forderung: Er muss weg – oder wir sind weg aus dem Weltverband.
Nun ist Eliasch am FIS-Kongress mit der Winzigkeit einer einzigen Stimme unterlegen. In Wengen und auf der Streiff wird weiterhin Weltcup gefahren. Die Ski-Welt bleibt heil, zumindest was den Kalender angeht.
Swiss-Ski und Co in der Pflicht
Doch jetzt wird der neu geordnete Weltverband unter dem neuen FIS-Präsidenten Alexander Ospelt an den markigen Worten der Eliasch-Gegner im Vorfeld der Wahlen gemessen. Die Vorwürfe an den britisch-schwedischen Milliardär waren happig: Er habe die FIS ins Finanzdesaster geführt. Zudem: mangelnde Transparenz, schwache Kommunikation und leere Versprechen von höheren Preisgeldern.
Gerade auch die Gilde der Alpinstars wie Marco Odermatt, Mikaela Shiffrin oder Loïc Meillard, die Eliasch öffentlich kritisiert haben, erwartet nun zu Recht ein neuer Wind. Eben auch bei den Siegprämien. Sollte sich hier weiterhin nicht viel tun, ist die Ernüchterung dann rasch da.
Bei den Finanzen sind jetzt die grossen Verbände wie Swiss-Ski besonders in der Pflicht. Sie haben in der FIS nun mehr Macht. Die kleinen Verbände, von denen viele Eliasch unterstützten, werden genau hinschauen, ob sich die grossen Player nicht nur vornehmlich um sich selber kümmern, sondern eben die kleinen mit ins Boot holen. Und das funktioniert eben nach bestem Fifa-Vorbild über das monetäre Giesskannensystem.
Ob das Ospelt alles möglich macht? Wenn, dann wohl eher Urs Lehmann. Der frühere Swiss-Ski-Boss ist der heimliche Gewinner im ganzen Grosskampf ums Präsidium. Lehmann machte als FIS-CEO einige Monate lang gemeinsame Sache mit Eliasch, ehe es eine Woche vor der Wahl zum Bruch kam. Jetzt dürfte Lehmann bald auf den CEO-Posten zurückkehren. Und dann zum starken Mann im Weltverband werden, was bisher mit Eliasch als Konterpart nicht möglich war. Und, wer weiss, dann schon in vier Jahren Ospelt als FIS-Präsident wieder ablösen.
Eliasch womöglich weiter stark involviert
Dass mit Ospelt die Ski-Welt revolutioniert wird, ist nicht zu erwarten. Das hatte der Liechtensteiner allerdings auch nicht angekündigt. Seine Ideen, einen Saisonstart im alpinen Skisport in Südamerika, jährliche Weltmeisterschaften und einen langfristig planbaren Rennkalender, sind zwar spannend, aber nicht wirklich neu. Und werden womöglich die zur Eliasch-Abwahl vereinten grossen Verbände auch bald wieder etwas auseinanderdividieren.
Auch spannend wird die Frage: Welche Rolle nimmt Eliasch nun eigentlich in Zukunft ein? Als Boss des grossen Skiherstellers Head ist er weiterhin ein starker Player im Skizirkus. Der dreifache Olympiasieger Franjo von Allmen ist bei weitem nicht der einzige Star auf Head-Latten. Er dürfte im Hintergrund weiterhin ein Wörtchen mitreden.