Fan sorgt für heftige Verletzung von Radprofi
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Kopfvoran in die Heckscheibe:Fan sorgt für heftige Verletzung von Radprofi

Top-Nationen am Boden
Pogacar und Co. sorgen mit Rekord-Tour für Mega-Hype

Die 113. Ausgabe des wichtigsten Radrennens der Welt ist vorbei – und lieferte während drei Wochen zahlreiche Geschichten. Was bleibt von der diesjährigen Tour de France?
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Mit seinem fünften Triumph am grössten Rennen der Welt macht sich Tadej Pogacar mit vier weiteren Fahrern zum Tour-de-France-Rekordsieger.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Pogacar gewinnt fünften Tour-Gesamtsieg, wird Co-Rekordsieger mit 27 Jahren
  • Durchschnittsgeschwindigkeit von 43,2 km/h bricht den Rekord bei Tour
  • Über 500'000 Fans feiern in Alpe d'Huez, gefährliche Zwischenfälle entstehen
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Gian-Andri BaumgartnerRedaktor Sport

Pogacar stürmt zum Rekordsieg

Tadej Pogacar arbeitet auch in diesem Jahr kräftig am Legendenstatus: Mit seinem fünften Gesamtsieg an der Tour de France zieht er mit Jacques Anquetil (1934–1987), Eddy Merckx (81), Bernard Hinault (71) und Miguel Indurain (62) gleich. Damit kürt sich Pogacar im Alter von nur 27 Jahren zum Co-Rekordsieger am grössten Radrennen der Welt. Es ist das Resultat einer dominanten Leistung: 18 Tage lang trägt er das gelbe Leadertrikot und heimst auf dem Weg nach Paris gleich fünf Etappensiege ein. Als sein Team UAE-Emirates in der Schlussphase von einer Krankheitswelle erfasst wird und ihn nicht wie gewohnt unterstützen kann, pulverisiert Pogacar den Rekord von Marco Pantani (1970–2004) an der mythischen Alpe d'Huez. Nach dieser Fabelleistung ist sein Vorsprung gar komfortabel genug, um sich in den Dienst seines Teamkollegen Isaac Del Toro (22) zu stellen. Mit Erfolg: Der Mexikaner wird bester Jungprofi und fährt ebenfalls auf das Gesamt-Podest.

Die Tour der Tempo-Rekorde

Pogacars fünfter Gesamtsieg ist nicht der einzige Rekord dieser Tour: Noch nie war die Durchschnittsgeschwindigkeit des Gesamtsiegers am wichtigsten Rennen der Welt höher (43,3 km/h), zudem ist eine Tour-Strassenetappe noch nie schneller gefahren worden als das 11. Teilstück zwischen Vichy und Nevers (50,9 km/h) – und nicht nur in Alpe d'Huez purzeln die Kletterrekorde. Diese Leistungsexplosionen haben verschiedene Ursachen: Die Profi-Teams gehen bei Training, Erholung und Ernährung zunehmend sportwissenschaftlich vor, das Material wird immer aerodynamischer gestaltet und die Etappen werden tendenziell kürzer – nur ein Teilstück ist in diesem Jahr über 200 Kilometer lang gewesen.

Zweifel trotz nächtlicher Tests

Vielen Beobachtern reichen diese Erklärungen aber nicht aus: Aufgrund der dopingverseuchten Geschichte des Radsports führen die hohen Geschwindigkeiten auch zu Misstrauen. «Seriös kann niemand sagen, wie hoch der Anteil von Trainingswissenschaft, Ernährung sowie Material an dieser Entwicklung ist – und welche Rolle Doping im Umkehrschluss dabei spielen könnte», zeigt sich Hajo Seppelt in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» skeptisch. Dass kaum positive Tests auftreten, beruhigt den ARD-Dopingexperten nach den Erfahrungen der 90er-Jahre nicht. Klar ist allerdings auch: Wohl kein anderer Sport geht im Kampf gegen Doping so weit wie der Radsport. Auch vor nächtlichen Tests am grössten Radrennen der Welt schreckt der Weltverband UCI nicht zurück – und muss vor allem in der zweiten Tour-Woche dafür teils heftige Kritik von Fahrerseite einstecken.

Ein Lebenszeichen des Schweizer Radsports

«Was läuft schief im Schweizer Radsport?», titelten wir nach der Tour de Suisse im Juni, als die einheimischen Fahrer weit von den Spitzenplätzen entfernt waren. Einen Monat später hat sich das Blatt gewendet: Der Schweizer Radsport erlebt seine erfolgreichste Tour de France seit der Ära von Fabian Cancellara (45). Mauro Schmid (26) beendet mit seinem Sieg auf der 13. Etappe eine sechsjährige Durststrecke und verpasst einen zweiten Teilerfolg in der Schlusswoche mit zwei zweiten Plätzen nur knapp. Dazu fährt Yannis Voisard (28) überraschend auf Gesamtrang 11 – so gut ist seit 2015 kein Schweizer mehr klassiert gewesen.

Die Misere der grossen Rad-Nationen

Auch wenn Paul Seixas (19) und Lenny Martinez (23) auf den Gesamträngen 4 und 5 den Hoffnungen auf einen französischen Gesamtsieg in näherer Zukunft neuen Auftrieb verleihen: Die einheimischen Fahrer erleben an der diesjährigen Tour eine nahezu beispiellose Misere. Keinen Etappensieg können sie verbuchen. Das ist in der über 120-jährigen Tour-Geschichte zuvor erst zweimal vorgekommen, zuletzt 1999. Die «Grande Nation» ist damit nicht allein: Mit Spanien und Italien bleiben zwei weitere traditionell grosse Radsport-Nationen in diesem Jahr ohne Erfolg auf einem Teilstück.

Der Hype ist ungebrochen

Trotz Pogacar-Dominanz und «Nuller» der Einheimischen: Der Hype um die Tour de France erreicht in diesem Jahr neue Sphären. Tagtäglich säumen Hunderttausende von Zuschauerinnen und Zuschauern die Strassen Frankreichs und verwandeln Städte, Dörfer und Pässe in ein Tollhaus. «So etwas habe ich noch nie gesehen. Es war unvergesslich», schwärmt Pogacar nach der 14. Etappe von den Massen an den Hängen der Vogesen. Ihren zuschauermässigen Höhepunkt erreicht die Tour dann wie erwartet in Alpe d'Huez, wo geschätzt über eine halbe Million Menschen die 14 Kilometer lange Steigung kurzzeitig ins grösste Stadion der Welt verwandeln. Dies führt auch zu gefährlichen Situationen: Weil ein Auto aufgrund eines Zuschauers unvermittelt bremsen muss, prallt der kolumbianische Rad-Profi Einer Rubio (28) voll in dessen Heck und muss anschliessend aufgeben. Die Faszination für die Tour ist gross – kann sie auch zu gross werden?

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