Darum gehts
- Lance Armstrong kritisiert nächtliche Dopingtests bei der Tour de France 2026
- Tour-Leader Pogacar wurde um 5 Uhr und Vingegaard um 2 Uhr getestet
- Fahrergewerkschaft und Ex-Profis nennen Kontrollen unfair
Schliesslich wird Lance Armstrong (54) gar etwas sarkastisch. «Wenn das eine Lösung im Kampf gegen Doping ist, ist der nächste Schritt, dass die Fahrer in einer lokalen Reha-Einrichtung oder einem lokalen Gefängnis bleiben müssen und dort rund um die Uhr bewacht werden», sagt der gefallene US-Radstar in seinem Podcast «The Move».
Das Thema: die nächtlichen Dopingkontrollen an der diesjährigen Tour de France. Unter anderem ist Tour-Leader Tadej Pogacar (27) am Sonntag um 5 Uhr morgens aus dem Bett geholt worden, sein Dauerrivale Jonas Vingegaard (29) musste in der Nacht vor seiner sturzbedingten Aufgabe auf der 15. Etappe bereits um 2 Uhr zum Dopingtest antraben.
«Andere Sportarten würden das nie akzeptieren»
Für Lance Armstrong, dem alle sieben Gesamtsiege an der Tour de France aufgrund von langjährigem Dopingmissbrauch aberkannt worden sind, ein absolutes No-Go: «Die meisten in den Sport involvierten Personen würden sagen: ‹Das geht zu weit.› Aber es ist natürlich Radsport, weshalb es auch diese anderen Leute gibt, die sagen: ‹Weckt sie zu jeder Zeit auf.› Die, die so denken, sind eiskalte Dummköpfe.»
Über eine ungleiche Behandlung von Radsportlern ärgert sich in «The Move» auch Armstrongs Ex-Teamkollege (und Ex-Dopingsünder) George Hincapie (53): «Bei diesem Thema haben wir die reichste Geschichte, aber die Tests werden von einer unabhängigen Organisation durchgeführt. Wieso konzentrieren sie sich auf einen Sport? In anderen Sportarten würde das nie akzeptiert werden.»
Fahrergewerkschaft ist kritisch
Auch im Tour-de-France-Kosmos selbst stört man sich am Zeitpunkt der Kontrollen. «Wenn einige Fahrer um zwei Uhr morgens geweckt werden und andere nicht, dann ist das unfair. Der Schlaf ist entscheidend für die Regeneration. Darum sind wir nicht glücklich mit diesen nächtlichen Kontrollen», erklärt Adam Hansen (45), Präsident der Fahrergewerkschaft CPA, gegenüber «Eurosport».
Und Marc Madiot (67), langjähriger Teamchef der FDJ-Equipe, fragt gegenüber «RMC» rhetorisch: «Wäre es auch erlaubt gewesen, Kylian Mbappé wenige Stunden vor dem WM-Halbfinal um 2 Uhr morgens zu wecken?»
Von einem anderen ehemaligen Teamkollegen Armstrongs erhalten die Dopingjäger aber Rückendeckung: «Wenn uns die UCI 2001 um diese Zeit getestet hätte, wären wir alle gesperrt worden und hätten dem Sport 25 Jahre Drama erspart», schrieb Education-First-Teamchef Jonathan Vaughters (53), der während seiner Karriere ebenfalls zu Dopingmitteln gegriffen hatte, am Montag auf seinem X-Kanal.