Ex-Sünder mit klaren Worten
Das steckt hinter den nächtlichen Tour-Dopingtests

Die beiden Radstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard sind an der Tour de France mitten in der Nacht für Dopingtests aus dem Bett geholt worden. Das sorgte für viel Kritik – nun rechtfertigt sich die zuständige Behörde.
Kommentieren
1/7
Jonas Vingegaard (l.) und Tadej Pogacar sind während der Tour de France für Dopingtests aus dem Schlaf gerissen worden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nächtliche Dopingtests bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard sorgen für Kritik
  • ITA verteidigt Vorgehen mit richterlicher Erlaubnis und Indikatoren
  • Jonathan Vaughters nennt Tests effektiv gegen Mikrodosierungen von EPO
Gian–Andri_Baumgartner_Online Redaktor_Blick Ringier_3.jpg
Gian-Andri BaumgartnerRedaktor Sport

Eigentlich sind nächtliche Tests ohne vom Fahrer vorgegebene Zeitslots gemäss den Anti-Doping-Regeln des Radsport-Weltverbands UCI nicht vorgesehen – ausser bei einem «schwerwiegenden und konkreten Verdacht, dass der Fahrer in Doping-Aktivitäten involviert sein könnte».

Diese Bestimmungen genügten offenbar, um Tour-de-France-Leader Tadej Pogacar (27) und seinen damals ersten Verfolger Jonas Vingegaard (29) am frühen Sonntagmorgen vor der schweren 15. Etappe zu testen. Das wirft Fragen auf: Bestand bei den beiden mehrfachen Toursiegern wirklich ein solcher Verdacht auf ein Dopingvergehen?

Testbehörde reagiert auf Kritik

Die International Testing Agency (ITA), die für die Durchführung der Kontrollen zuständig ist, hält sich dazu bedeckt: Eine Sprecherin weist gegenüber der ARD auf «Indikatoren, dass bei den betroffenen Fahrern etwas sein könnte», hin. Ein Beweis für einen Verstoss gegen die Anti-Doping-Regeln seien die nächtlichen Tests aber natürlich nicht. Die Ergebnisse dürften erst nach Tour-Ende vorliegen.

Gleichzeitig sieht sich die ITA mit teils heftiger Kritik konfrontiert. Remco Evenepoel (26), Etappensieger vom Sonntag, nannte die Kontrollen mitten in der Nacht respektlos, Pogacar selbst spekulierte gar über einen Zusammenhang mit dem schweren Sturz von Vingegaard auf dem Weg zum Plateau de Solaison, der den Dänen zur Aufgabe zwang – der Schlafmangel könnte seine Konzentration verringert haben.

Die ITA betont, dass man sich durchaus bewusst sei, dass nächtliche Tests die Erholung stören könnten. Deshalb versuche man, die Auswirkungen so weit wie möglich zu minimieren, aber: «Effektive Tests müssen in begrenzten und gerechtfertigten Fällen ausserhalb der Standard-Tageszeiten stattfinden können», rechtfertigt die Testbehörde ihr Vorgehen. Dafür habe man auch eine richterliche Erlaubnis eingeholt.

«Effektive Methode gegen Mikrodosierungen»

Unterstützung erhalten die Dopingjäger von Jonathan Vaughters (53), Teamchef der Rad-Equipe EF Education-EasyPost. «Tests um 2 Uhr morgens sind eine sehr effektive Methode, um Mikrodosierungen von Epo und Testosteron zu verhindern. Wenn uns die UCI 2001 um diese Zeit getestet hätte, wären wir alle gesperrt worden und hätten dem Sport 25 Jahre Drama erspart», erklärt der Ex-Profi, der 2012 den Einsatz von Dopingmitteln während seiner aktiven Karriere zugegeben hat, auf seinem X-Account.

Er würde etwas verpassten Schlaf in Kauf nehmen, um die Glaubwürdigkeit des Sports zu stärken – das sieht die ITA offenbar weiterhin ebenso: In der Nacht auf Dienstag ist es im Team Red-Bull-Bora-Hansgrohe um Evenepoel ebenfalls zu Kontrollen gekommen, wie Teamchef Ralph Denk (52) am Dienstagmorgen im «ZDF-Morgenmagazin» bestätigt.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen