Der Schock des Tages kommt auf dieser 15. Etappe in einer Kurve rund 20 Kilometer vor dem Ziel: Jonas Vingegaard, Zweiter im Gesamtklassement, rutscht weg und kollidiert mit dem gegenüberliegenden Randstein.
Schnell ist klar: Der Däne kann das Rennen nicht mehr fortsetzen – mit einbandagierter Schulter steigt der zweifache Tour-Sieger ins Fahrzeug des Rennarztes. Die Diagnose erfolgt am Sonntagabend: Vingegaard hat sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen, wie sein Team schreibt. Die Operation erfolge in den nächsten Tagen.
Der Rest des Feldes scheint kurz geschockt: Auch das Team UAE-Emirates von Leader Tadej Pogacar ist vom Sturz betroffen – mit Isaac Del Toro und Felix Grossschartner sind gleich zwei wichtige Helfer ebenfalls zu Boden gegangen. Im Gegensatz zu Vingegaard können sie das Rennen fortsetzen, haben aber sichtlich Schmerzen.
Schmid mit Solo-Flucht
Das Chaos spielt zunächst einem Schweizer in die Karten: Mauro Schmid, zu diesem Zeitpunkt als Solist an der Spitze unterwegs, kann sein Polster leicht ausbauen. Im schweren, rund elf Kilometer langen Aufstieg zur Bergankunft auf dem Plateau de Solaison etwas südöstlich von Genf, ist der Etappensieger vom Freitag aber chancenlos – rund neun Kilometer vor dem Ziel ist sein Unterfangen beendet.
So machen die Favoriten auf das Gesamtklassement den Etappensieg unter sich aus – mit unerwartetem Ausgang: Pogacar stellt sich für einmal in den Dienst seines Teamkollegen Del Toro und verzichtet auf einen Angriff. Der Mexikaner erweist sich allerdings als zu schwach, sodass es am Ende auf 1508 Metern über Meer zum Sprint-Duell zwischen Pogacar und Remco Evenepoel, dem nun ersten Verfolger des Slowenen, kommt.
Evenepoel mit Vorteilen im Podestkampf
Und da muss sich der Slowene tatsächlich geschlagen geben, wobei er nach einer Doping-Kontrolle um fünf Uhr morgens und nur vier Stunden Schlaf auch nicht mehr letzten Einsatz zu geben scheint. Evenepoel holt sich damit seinen dritten Tour-Etappensieg und setzt nach dem Ausfall von Vingegaard ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz im Kampf um Rang zwei.
Immerhin eine Erfolgsmeldung aus Schweizer Sicht gibt es doch noch: Yannis Voisard wird für seinen frühen Angriff belohnt und macht im Gesamtklassement viele Plätze gut. Neu schnuppert er als Elfter gar an den Top Ten – dem Jurassier fehlen rund zwei Minuten.