Er wollte schon aufhören
Schweizer Bio-Student mischt plötzlich an der TdF-Spitze mit

Vor der Tour de France war Yannis Voisard nur eingefleischten Radsportfans ein Begriff. Nun könnte er bei seiner ersten Teilnahme direkt in die Top 10 fahren. Dabei stand die Karriere des Jurassiers vor nicht allzu langer Zeit noch vor dem Aus.
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Yannis Voisard sorgt an der Tour de France überraschend für Furore.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Yannis Voisard steht vor Top-10-Platzierung bei Tour de France 2026
  • 2021 stand er vor dem Rücktritt, es folgte der Neustart bei Tudor
  • Noch 13'000 Höhenmeter bis Paris – zum 28. Geburtstag am Sonntag winkt grosser Erfolg
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Carlo SteinerRedaktor Sport

Im November 2021 stand Yannis Voisard (27) kurz davor, seine Radsport-Karriere zu beenden, bevor sie richtig begonnen hatte. Nun steht er an seiner ersten Tour de France vor einer Top-10-Platzierung. Er wäre der erste Schweizer seit Mathias Frank (39) im Jahr 2015 (8.), dem das gelingt. Auch dank der sturzbedingten Ausfälle der Top-Cracks Jonas Vingegaard (29) und Florian Lipowitz (25) steht nach 17 von 21 Etappen Zwischenrang zehn zu Buche. 

Dass er vor vier Jahren vor dem Rücktritt stand, aber dann doch davon absah, hängt paradoxerweise beides mit seinem Biologiestudium zusammen. Als ihm sein damaliges Team, Arkéa Samsic, keinen Vertrag mehr anbot, gab es gute Gründe, den Drahtesel hinzuschmeissen. «Ich fuhr zwar gut Velo, war aber nicht mehr sehr jung. Und ich hatte mit meinem Studium ein zweites Standbein, das mir sehr viel Spass machte», erzählte er vor zwei Jahren gegenüber Blick.

Diesem zweiten Standbein widmete er sich nach dem Samsic-Aus – und fand so die Motivation, sich doch nochmals professionell auf den Sattel zu schwingen. «Ich war danach drei oder vier Wochen im Labor. Das Radfahren war weit weg, ich habe überhaupt nicht mehr daran gedacht. Doch genau das hat in mir die Lust geweckt, es doch noch einmal zu versuchen.»

Neuanfang bei Tudor

Dass sich 2022 die Möglichkeit ergab, beim Schweizer Team Tudor anzuheuern, das seit 2023 auf der Pro-Tour mitfährt, spielte dem Jurassier in die Karten. Mit dem Biologie-Bachelor von der Uni Neuchâtel im Sack setzte er im Alter von 24 Jahren erstmals in seiner Karriere voll auf den Radsport. Ein Spätzünder, wobei sein Werdegang für Schweizer Rad-Talente nicht unüblich ist. «Yannis’ Karriere ist typisch für jene eines Rad-Talents in der Schweiz. Wegen unseres Ausbildungssystems dauert es bei uns länger als in vielen Ländern, ehe sich Athleten voll auf den Sport konzentrieren können. Wir versuchen, zu verhindern, dass sie vorher aufgeben, und lassen ihnen jene Zeit, die sie benötigen, um ihr ganzes Potenzial zu entwickeln», erklärte Tudor-CEO Raphael Meyer Blick 2024. 

Im Fall von Voisard ist das gelungen – und hat sich gelohnt. In den mittlerweile 26 Monaten bei Tudor ging es für das 56-Kilo-Leichtgewicht stetig aufwärts. Vom Helfer entwickelte er sich zu einer Hoffnung in der Gesamtwertung der Tour de France. Mit guten Leistungen wie zum Beispiel an der Tour de Romandie im April, als er auf den beiden Bergetappen mit Top-10-Rängen auffiel und in der Endabrechnung 13. wurde, hat er sich überraschend zum Tour-de-France-Anführer seiner Equipe gemausert.

«Vor dieser Tour sprach in der Schweiz kaum jemand über ihn, und international schon gar nicht», erklärte Tudor-Teamchef Fabian Cancellara (45) während des Zeitfahrens am Dienstag im Tessiner Fernsehen RSI. Nun, wo die Ausgangslage schon so gut ist, will man sie im Schweizer Lager aber auch ausnutzen. «Ein Platz unter den ersten Zehn ist sein Ziel», so der zweifache Olympiasieger, «er verteidigt sich hervorragend, geht die Sache ruhig an, ist aber auch ungemein siegeshungrig. Wenn es klappt, super, wenn nicht, wäre es trotzdem eine tolle Erfahrung für Yannis und uns.» 

Beschenkt sich Voisard zum 28. Geburtstag selbst?

Druck macht sich auch Voisard selbst keinen. «Bis Paris am Sonntag kann noch viel passieren. Und in den Alpen kann ein schlechter Tag mehrere Dutzend Minuten Rückstand bedeuten. Es sei auch gesagt, dass es für mich völlig neu ist, an einer Grand Tour so gut platziert zu sein. Wir wissen noch nicht, was ich noch leisten kann. Ich bin nicht euphorisch, sondern bleibe konzentriert», sagte er am Montag im Interview mit dem «Quotidien Jurassien». 

Noch fehlen drei happige Alpentage mit insgesamt fast 13'000 Höhenmetern bis zum Überraschungscoup, bevor es in die Schlussetappe nach Paris geht, auf der traditionell nicht mehr um das Gesamtklassement gebalgt wird. Macht der Westschweizer weiter wie bisher, winkt bei der Zieleinfahrt auf der Champs-Élysées das wohl schönste Geburtstagsgeschenk seines Lebens – Voisard wird am Sonntag 28 Jahre alt. 

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