Misere an der Tour de Suisse
Männer fahren hinterher – was läuft schief im Schweizer Radsport?

Nur vier Schweizer Fahrer traten bei der Tour de Suisse 2026 an – ein historischer Tiefpunkt. Während Marlen Reusser bei den Frauen triumphierte, blieben die Männer chancenlos. Was läuft schief im Schweizer Radsport?
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Mauro Schmid ist 2026 der beste Schweizer Radprofi. An der Tour de Suisse gelang aber auch ihm kein Etappensieg.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nur vier Schweizer Fahrer starteten bei der Tour de Suisse 2026
  • Die Schweizer Teams setzen oft auf ausländische Fahrer statt auf Einheimische
  • Seit 27 Etappen gibt es keinen Schweizer Sieg – Stefan Küng fehlte wegen einer Verletzung
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Mathias GermannReporter Sport

Nachfolger gesucht! So titelte der SonntagsBlick vor einer Woche. Dazu zeigte er Fabian Cancellara (45), den letzten Schweizer Gesamtsieger der Tour de Suisse. «Ich würde sehr gerne abgelöst werden», sagte der Berner. Er gewann die Rundfahrt 2009.

Inzwischen ist die Tour de Suisse Geschichte. Und die Bilanz fällt ernüchternd aus: Die Schweizer waren von einem Gesamtsieg so weit entfernt wie Curaçao von einem WM-Titel im Fussball. 

Während Marlen Reusser (34) bei den Frauen mit zwei Etappensiegen und dem Gesamtsieg glänzte, herrschte bei den Männern Flaute. Mauro Schmid (26) wurde Achter im Zeitfahren, Marc Hirschi (27) belegte in der Gesamtwertung Rang 18. Warum spielen die Schweizer bei ihrer Heimrundfahrt nur noch Nebenrollen? Blick nennt die fünf Gründe.

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Ein trauriger Rekord

Die Rechnung ist simpel: Je mehr Fahrer am Start stehen, desto grösser ist die Chance auf einen Erfolg. Das gilt besonders, wenn kein Ausnahmekönner wie Tadej Pogacar (27) im eigenen Lager fährt. Dieses Jahr standen lediglich vier Schweizer am Start – so wenige wie noch nie in der 89-jährigen Geschichte der Tour de Suisse. Neben Schmid und Hirschi waren das Silvan Dillier (35) und Fabian Weiss (24), beide in erster Linie Helfer. 

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Wichtige Namen fehlten

Stefan Küng (32) war 2023 in Einsiedeln der letzte Schweizer Etappensieger. Seitdem wurden 27 Etappen gefahren – gewonnen von Fahrern aus 13 Nationen, von Ecuador bis Eritrea. Küng fehlte verletzt; er erholt sich von einem Oberschenkelbruch. 


Auch Stefan Bissegger (27) hätte besonders im Zeitfahren Akzente setzen können, doch sein Team entschied anders. Jan Christen (21) erhielt nach dem Giro eine Pause. Sein Bruder Fabio (23) erholt sich von einem Schlüsselbeinbruch. Klar ist ebenfalls: Gino Mäder (†26), der 2023 am Albulapass starb, fehlt extrem – neben und auf dem Velo. Er war ein exzellenter Rundfahrtenspezialist, den die Schweiz derzeit nicht hat. 

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Schweizer Teams müssen liefern

Drei Schweizer Profiteams sind auf höchster Ebene unterwegs: Tudor, Q36.5 und NSN. Tudor schickte mit Hirschi und Weiss zwei Schweizer an den Start. Q36.5 und NSN verzichteten dagegen komplett auf einheimische Fahrer. Das passt ins Bild: Bei Q36.5 besitzen nur 2 der 30 Kaderfahrer einen Schweizer Pass, bei NSN keiner der 31 Profis.


Vorwürfe greifen jedoch zu kurz: Die Teams kämpfen in der World Tour um Punkte und Sponsoren – deshalb setzen sie auf die stärksten verfügbaren Fahrer, unabhängig von deren Nationalität.


Eine Ausnahme bildet Tudor. Das Team investiert sichtbar in den Nachwuchs und unterhält als einziges der drei Teams eine eigene Nachwuchsmannschaft. Dort sind 8 der 18 Fahrer Schweizer.

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Die UCI sendet widersprüchliche Signale

Auch der Weltverband trägt seinen Teil zum Problem bei. Bei den Frauen führte die Aussicht auf einen Startplatz zur Gründung des Teams Nexetis. Doch diesmal durfte die Mannschaft auf einmal doch nicht teilnehmen, weil die UCI wieder auf ein Nationalteam setzte. Sieben Fahrerinnen machten mit.

Bei den Männern argumentiert der Verband umgekehrt: Die Schweiz verfüge bereits über drei Profiteams. Die Konsequenz: kein Nati-Team. 

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Dopingfolgen, hohe Kosten und Angst

Der Kern der Schweizer Rad-Misere liegt tiefer. Früher gab es in der Schweiz zahlreiche Nachwuchsrennen. Heute sind viele verschwunden. Die Gründe sind bekannt: strengere Auflagen, dichterer Verkehr, steigende Kosten und fehlende Bewilligungen. Hinzu kommen die Nachwirkungen früherer Dopingskandale sowie Berichte über tödliche Unfälle auf öffentlichen Strassen.

Das schreckt viele Familien ab. Eltern schicken ihre Kinder lieber zum Fussball oder aufs Mountainbike. Dort können sie meist abseits des Verkehrs trainieren. Und, wenn sie es schaffen, ebenfalls Profis werden.

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