Neue Tour de Suisse
Die Zitrone ist ausgepresst, aber...

Die Tour de Suisse schrumpft: Von neun auf fünf Etappen reduziert, kämpft die Rundfahrt um ihr Überleben. Trotz Stars wie Pogačar und Reusser bleibt die Finanzierung ein Problem. Ist das Konzept nachhaltig?
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Darum gehts

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Mathias GermannReporter Sport

Ist die Tour de Suisse überhaupt noch eine Tour de Suisse? Wenn, dann eine Mini-Tour-de-Suisse. Tadej Pogačar, Marlen Reusser und Co. fuhren gerade mal durch sieben Kantone. Während fünf Etappen – 2019 waren es noch neun gewesen. 

Das neue Konzept: kurz, knapp, knackig. Es bedeutet einen radikalen Bruch mit der Tradition. Das Schlagwort lautet «Eventisierung». Der Begriff klingt schrecklich. Für einige Traditionalisten ist die Sache klar: Die Tour de Suisse ist gestorben.

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Die neue Tour de Suisse ist zu Ende. Mit welchem Fazit?
Foto: Getty Images

Tatsächlich verliert sie durch die Verkürzung international an Bedeutung. Erneut. Einst die viertgrösste Rundfahrt der Welt, ist sie diesen Titel längst los. Dass man den Frauenradsport gleichberechtigt behandelt, ändert daran nichts. Gleiches gilt für die Aufwartung von Rad-König Pogačar – er hatte schon im Dezember entschieden, zu kommen. Damals war das neue Konzept noch kein Thema. 

Ist die neue Tour de Suisse also falsch? Eine Fehlplanung? Nein. Im Gegenteil. Die Änderung war notwendig. Denn: Die Rundfahrt kämpft seit Jahren mit Geldnot. Sie ist immer noch auf der Intensivstation, für einige auf dem Sterbebett. Weil lange schlecht gearbeitet wurde? Das ist kaum zu beurteilen. Fakt ist: Ausser der Tour de France kränkeln viele Velorennen – zuletzt sagte die Tour de Romandie ihr Frauenrennen ganz ab.

Die Mini-Tour ist gut – aber sie braucht mehr Kraft

Die Organisatoren der Tour de Suisse kämpfen um die Rundfahrt. Es wird radikal gespart, dank des neuen Formats macht das Frauenrennen weniger Defizit. Das Budget dürfte um die sechs Millionen betragen haben. Damit ist die Zitrone ausgepresst. Nun folgt der nächste Schritt: Mehr Sponsorengelder müssen her.

Damit das gelingt, hat man 2026 gute Werbung gemacht. Sportlich lief alles rund. Pogačar dominierte nach Belieben, aber die Etappen waren meistens spannend. Und mit Reusser gewann eine Schweizerin zum dritten Mal. Das half. Auch neben der Strasse wurde den Zuschauerinnen und Zuschauern einiges geboten. Zwei Rennen an einem Ort, dazu Unterhaltung für Kinder, Verpflegung für Erwachsene und wie immer freier Eintritt. Das Village bei Start und Ziel war den ganzen Tag gut besucht. 

Auch die Etappenorte überzeugten. Das mittelalterliche Zentrum von Sondrio, die Piazza Grande in Locarno, die Parkanlagen von Bad Ragaz, die Festung Aarburg oder die Bergankunft in Villars-sur-Ollon boten attraktive Kulissen. Früher lagen Start und Ziel mitunter in wenig reizvollen Industriegebieten.

Die Organisatoren ziehen ein positives Fazit. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagen sie. Und: «Wir haben schon jetzt eine sehr positive Resonanz.»

Tönt gut. Aber mit wenig finanzieller Kraft nützt das beste Konzept wenig. Zweifel bleiben. Raum für Arbeitsoptimierung gibts kaum noch. Helfer, Polizei und Sicherheitskräfte stehen von früh bis spät im Einsatz. Viele Freiwillige opfern dafür sogar Ferientage. Man darf ihre Belastungsgrenze nicht überschätzen und muss ihnen Sorge tragen.

So wie früher wird die Tour de Suisse nie mehr

Wie geht es weiter? 2027 soll die Tour erneut fünf Tage dauern – wieder mit Frauen- und Männerrennen. Das Finale findet in Vaduz statt. Eines Tages wäre eine Ausweitung auf sechs Tage denkbar, mehr wohl nicht. Möglich sind zusätzliche Rundkurse, ähnlich wie bei Weltmeisterschaften. Das erhöht die Attraktivität für die Zuschauenden noch einmal. Gleichzeitig sollen die stundenlangen Transfers zwischen den Etappen kürzer werden – sie waren 2026 für Tross und Athletinnen ein Ärgernis.

Das Fazit? Die Tour de Suisse wird nie mehr so sein wie früher. Aber sie existiert noch. Und das ist unter den gegebenen Umständen vielleicht die wichtigste Nachricht.

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