«Marlen ist hart im Nehmen»
Eltern sind ganz stolz auf TdS-Siegerin Reusser

Marlen Reusser triumphiert erneut! Die 34-jährige Bernerin gewinnt die Königsetappe der Tour de Suisse in Villars-sur-Ollon und holt sich nach 2023 und 2025 ihren dritten Gesamtsieg bei der Rundfahrt.
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Geschafft! Marlen Reusser gewinnt die Tour de Suisse zum dritten Mal. Sie holt in Villars-sur-Ollon auch den Tagessieg.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marlen Reusser (34) gewinnt Tour de Suisse zum dritten Mal seit 2023
  • Trotz schwieriger Vorbereitung triumphiert sie bei 30 Grad in Villars-sur-Ollon
  • Mutter Maja und Vater Samuel freuen sich vor Ort
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Mathias GermannReporter Sport

Eins, zwei oder drei? Letzte Chance – vorbei! Der berühmte Spruch aus der Kinder-Quiz-Show im TV gilt auch für Marlen Reusser (34). Bei der Königsetappe der Tour de Suisse packt sie die Hattrick-Chance beim Schopf, siegt in Villars-sur-Ollon VD und gewinnt die Rundfahrt nach 2023 und 2025 zum dritten Mal. «Bei meinen ersten zwei Siegen reiste ich super vorbereitet an. Diesmal war alles anders. Im Vergleich zum Giro habe ich eine 300-prozentige Steigerung hingelegt. Das macht diesen Sieg sehr speziell. Ich freue mich mega.»

Reusser feiert den grössten Sieg in diesem Jahr. Ein Jahr, das kompliziert war. Und oft auch schmerzhaft. Sie stürzte mehrmals, musste sich an Knie und Hand nähen lassen, an der Flandernrundfahrt brachen zwei Rückenwirbel. «Ich wurde mit der Ambulanz nach Hindelbank gebracht, dort kochten meine Eltern extra für mich athletengerecht», so Reusser.

Hindelbank? Dort wuchs sie auf. Genauer: Im Sumpf. So lautet der Flurname. Er ist unpassend. Denn: Auf dem Gelände des ehemaligen Bauernhofs blühen Obstbäume, wächst Gemüse, Katzen laufen herum und Vögel pfeifen. «Und seit kurzen haben Turmfalken ein Nest im Kamin gebaut. Ich kann beobachten, wie sie jagen – cool.» 

Mit Freund und Trainer Hendrik Werner hat Reusser das Melkerhaus auf dem Areal umbauen lassen – die Wohnung ist ganz frisch. Lange wird sie die Idylle aber nicht geniessen können. Schon bald gehts nach Andorra, wo die beiden eine Wohnung haben. Reusser wird sich drei Wochen in der Höhe auf die Tour de France (1. bis 9. August) vorbereiten.

«Zwischendurch wollte ich alles hinschmeissen»

Zuerst aber gilt es, den Triumph zu geniessen. Er ist alles andere als selbstverständlich. Die gebrochenen Wirbel machten beim Giro Probleme. Nicht am Rücken, sondern in den Beinen. Auch weil sie erneut zu Boden ging. Reusser litt an höllischen Krämpfen. «Zwischendurch wollte ich alles hinschmeissen. Doch dann erkannten wir das Problem – ein Bein versuchte, die fehlende Kraft des anderen zu kompensieren.» 

Die Tour de Suisse wollte Reusser keinesfalls auslassen. Tägliche Besuche bei Osteopathen und Physiotherapeuten halfen. «Mich beeindruckt jedes Mal aufs Neue, wie sich Marlen selbst aus dem Sumpf herauszieht. Das war schon immer so», sagt Vater Samuel. Er verfolgt mit Ehefrau Maja die letzte Tour-Etappe vor Ort. Sie sagt: «Marlen ist wirklich hart im Nehmen. Wir sind so stolz auf sie.» 

Bald folgt ein Sprung in die Aare

Reusser überreicht ihrer Mutter den Blumenstrauss der Siegerin. «Meine Eltern bedeuten mir sehr viel – so wie für die meisten Kinder. Es ist megaschön, dass sie hier sind», sagt die Zeitfahr-Weltmeisterin. Nur Freude haben ihre Eltern an diesem heissen Tag allerdings nicht. Als Reusser vom Col de La Croix mit 100 km/h ins Tal donnert, steigt ihr Puls rasch an. «Da kann ich fast nicht zuschauen», sagt Maja. Samuel pflichtet bei: «Sie muss ans Limit gehen, damit sie keine Zeit verliert. Und man weiss, wie wenig es für einen Sturz braucht.»

Ihre Tochter macht die Sache allerdings hervorragend. «Ich bin nicht bei 100 Prozent. Aber ich habe mich erstmals auch wieder in der Abfahrt superwohl gefühlt, das ist cool.» Es folgt der Schlussanstieg nach Villars-sur-Ollon. Fast 10 Kilometer lang, immer steil, bei über 30 Grad.

Reusser hat ihre grösste Konkurrentin, Elisa Longo Borghini (34, It), längst stehenlassen. Die Italienerin greift zwar früh an, bricht dann aber ein – wohl auch psychisch. «Andere denken wohl, ich sei wegen meines Bärner Grings bei der Tour de Suisse so stark. Aber es hätte auch mich erwischen können.»

Tut es nicht. Reusser freut sich auf ruhige Tage. «Wir werden sicher in die Aare springen», sagt Werner.

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