Darum gehts
Für den Grössten nur das Beste? Tadej Pogacar (27, Slo) vertraut auch an der Tour de Suisse seinem Y1RS. Drei Buchstaben, eine Zahl. Tönt wenig romantisch. Muss es auch nicht.
Das Y1RS ist das Velo von Hersteller Colnago, dem der Radsuperstar vertraut. «Ein Aero-Rennrad, das sich von allen anderen abhebt. Es ist so gut, dass es viele Profis von UAE Emirates auch in den Bergen benutzen. Obwohl es mit 7,3 Kilo etwas schwerer ist als das Colnago-Allroundvelo», sagt Christian Etterlin.
Etterlin ist Velomechaniker und an der Tour de Suisse als Chauffeur im Einsatz. Die Besonderheiten des Y1RS kennt er genau. Auffällig ist der Lenker, der sich optisch stark von Standardmodellen abhebt.
Er ist flügelartig geformt, und sämtliche Leitungen sind intern integriert und das gesamte Cockpit somit clean aufgeräumt, was sich sehr positiv auf die Aerodynamik auswirkt. Die Bremsleitungen verlaufen vollständig im Innern.
Der 3D-Sattel ist wie ein Spinnennetz
Das alles sind Details. Aber mit Auswirkungen. Etterlin: «Auf langen Etappen sparen die Profis Energie, weil das Velo aerodynamischer ist. Vielleicht können sie am Ende ein paar Watt mehr treten – genau jene, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.»
Beim Y1RS dreht sich viel um den möglichst geringen Luftwiderstand. Das Steuerrohr oberhalb der Gabel ist beweglich konstruiert. «Wenn der Fahrer einlenkt, bewegt sich dieser Teil des Rahmens mit.» Der 3D-Sattel hat eine netzartige Struktur. «Vorteile sind die gute Belüftung, bessere Anpassungsfähigkeit und Druckverteilung sowie Gewichtsersparnis», erklärt Etterlin.
«Jeder könnte mit seinem Velo fahren»
Dazu kommt die markante Y-Konstruktion von Rahmen und Sattelstütze. Sie soll Stösse absorbieren, ohne die Aerodynamik zu beeinträchtigen. «Bei vielen Aero-Velos kommt der Komfort oft zu kurz, da spürt man überspitzt formuliert kleinste Unebenheiten des Untergrunds. Nicht so beim Y1RS.»
Ansonsten verfügt Pogacars Arbeitsgerät über alles, was im modernen Profiradsport Standard ist: Scheibenbremsen, Tubeless-Reifen und elektronische Schaltung. Billig ist das nicht. Wer das Y1RS kaufen will, bezahlt je nach Ausführung um die 15'000 Franken. «Grundsätzlich könnte jeder Hobbyfahrer damit fahren, abgesehen vom Schalt-Übersetzungs-Verhältnis», sagt Etterlin. «Pogacar und die anderen Profis sitzen zwar in extremen Positionen auf dem Rad. Aber Lenker und Sattel lassen sich individuell anpassen.»
Für die Tour de Suisse ist Pogacar damit bestens gerüstet. Treten muss er allerdings selbst.