Darum gehts
- Mathys Rondel verlängert Vertrag bei Tudor Pro Cycling bis 2030
- Der Franzose war einst Speedskater und ist jetzt Radsport-Talent
- Paris–Nizza: Rondel wurde Achter, jüngster Fahrer unter den Top 30
In Frankreich werden einige grün und blau vor Ärger. Der Grund: Mathys Rondel (22), Quereinsteiger im Radsport, hat seinen Vertrag beim Schweizer Team Tudor Pro Cycling vorzeitig bis 2030 verlängert. Viele hätten ihn lieber in einem französischen Team gesehen. Doch Rondel sagt: «Sie haben mich entdeckt und vertrauen mir. Warum sollte ich woanders hingehen?»
Rondel gilt als eine der grossen Entdeckungen des Radsports. Bei Paris–Nizza wurde er zuletzt Achter. Die achttägige Rundfahrt zählt zu den wichtigsten Rennen der World Tour. Keiner in den Top 30 war jünger als der Mann aus Le Mans. Auffällig ist vor allem seine Konstanz. Rondel bricht nie ein. Vieles deutet darauf hin, dass er ein geborener Rundfahrer ist. In Frankreich, wo man seit 1985 auf einen Toursieger wartet, wurden deshalb viele nervös. Doch Rondel lehnte alle Angebote ab.
Derzeit fährt er den Giro d’Italia. Es ist seine erste dreiwöchige Rundfahrt. «Ich muss noch viel lernen», sagt er. Das klingt vielleicht nach einer Floskel, ist aber keine. Denn noch vor fünf Jahren war Rondel Speedskater – auf Rollen und auf Eis. Dann suchte er eine neue Herausforderung und meldete sich für Radrennen an.
«Mathys hat anfangs nicht alle in Grund und Boden gefahren. Aber unser Sportdirektor Boris Zimine erkannte sofort etwas Besonderes in ihm. Er hatte ein gutes Gespür», sagt Tudor-CEO Raphael Meyer.
Cancellara: «Wir helfen ihm dabei»
Rondel erhielt einen Vertrag fürs Nachwuchsteam von Tudor und entwickelte sich rasch. «Viele glauben, mit 17 sei es zu spät für den Einstieg in den Radsport. Das stimmt nicht», sagt Fabian Cancellara. Die Berner Radlegende ist Rondels Chef, setzt aber auf einen persönlichen Umgang. «Bei uns sind Fahrer keine Nummern, sondern Menschen. Mathys wird seinen Weg machen, und wir helfen ihm dabei.»
Abheben dürfte Rondel kaum. Er wirkt introvertiert, fast schüchtern. Dass seine Familie in ein Landhaus in den Pyrenäen zog, zeigt dennoch seinen Ehrgeiz. Dort sind die Trainingsbedingungen optimal. «Und es ist sehr ruhig. Wir haben auch viele Tiere.» Sie helfen ihm beim Abschalten.
«Ich füttere sie und räume ihren Mist weg. Das hält mich am Boden. Ihnen ist es egal, ob ich Erster oder Letzter werde.» Sein Lieblingstier? Das vietnamesische Hängebauchschwein Herta – benannt nach einem Fleischhersteller. «Ich wollte Tiere jetzt und nicht erst nach der Karriere. Sonst hätte ich das Gefühl, etwas zu verpassen.»
Frankreich dreht wegen Seixas durch
Immerhin hat Frankreich mit Paul Seixas (19) ein noch jüngeres Talent. Viele sehen in ihm bereits den künftigen Bezwinger von Superstar Tadej Pogacar (27, Slo). Für Ekstase dürfte er spätestens bei der Tour de France sorgen.
Rondel kümmert sich nicht gross darum. Er ist sehr glücklich, den Giro zu fahren. «In Frankreich lieben sie die Tour de France, in Italien lieben sie das Radfahren», sagt er. «Das passt wirklich gut zu mir.»