Darum gehts
- Jan Christen, 21, startet bei seiner ersten Grand Tour beim Giro d’Italia in Bulgarien
- Nach Schlüsselbeinbruch bei Mailand–Sanremo wieder fit, Vertrag bis 2030 verlängert
- Sieben Profi-Siege bisher, Ziel: erster Etappensieg auf World-Tour-Niveau
Nach 1011 Tagen als Profi ist es so weit: Jan Christen startet zu seiner ersten Grand Tour. Der 21-jährige Aargauer fährt den Giro d’Italia. Der Startort überrascht: Bulgarien. Doch der Giro beginnt regelmässig im Ausland. 2018 sogar in Israel.
Für Christen spielt das keine Rolle. «Ich fühle mich sehr gut und freue mich auf die nächsten drei Wochen», sagt er. Motivation hat Christen genug. Ehrgeiz und Freude am Sport sowieso. Genau das wurde seit seinem Profi-Einstieg 2023 aber auch zum Problem. Christen stand sich ab und zu selbst im Weg, er wollte mit dem Kopf durch die Wand.
«Ich habe viel gelernt, bin ruhiger geworden. Manchmal lohnt es sich mehr, nur ein oder zweimal anzugreifen – dann aber richtig.» Auch etwas anderes ist ihm heute wichtiger denn je: «Wenn ich an den Start gehe, muss ich frisch sein. Auf diesem Niveau ist das entscheidend.» Genau das ist jetzt der Fall – vom Schlüsselbeinbruch bei Mailand–Sanremo hat sich Christen gut erholt.
Auch sein Team UAE Emirates vertraut ihm. Christen hat seinen Vertrag längst bis 2030 verlängert. Nicht alle sehen das positiv. Hinter Superstar Tadej Pogacar (27) bleiben oft nur Nebenrollen. Wenn der Slowene fährt, arbeitet das ganze Team für ihn. Andererseits: Wenn sich Christen beim besten Team der Welt durchsetzt, ist das ein starkes Zeichen.
Christen hat ohne Pogacar mehr Freiheiten
Beim Giro ist Pogacar nicht dabei. Sein grosses Ziel bleibt der fünfte Sieg bei der Tour de France. Für Christen bedeutet das: mehr Freiheiten. Er ist zwar nicht Teamleader, geniesst aber eine geschützte Rolle. Er darf eigene Chancen suchen.
«Wir wollen gewinnen. Und ich einen Etappensieg», sagt Christen. Sieben Profi-Siege hamsterte er bereits, aber noch keinen auf World-Tour-Niveau. «Das ist nur eine Frage der Zeit. Ich weiss, dass ich die Beine dazu habe.»
Zuletzt trainierte Christen in der Sierra Nevada in Spanien. Heute gilt fast überall das gleiche Prinzip: in der Höhe trainieren, in der Ebene Rennen fahren. Übrigens: Auch Christens Bruder Fabio (23) ist am Giro – allerdings für das Schweizer Team Q36.5.