Von einem Trauma wollten Mikaela Shiffrin (30) und ihr Team nach dem enttäuschenden elften Platz im Riesenslalom – dem achten medaillenlosen Olympia-Rennen in Serie – nichts wissen. «Nein, es gibt kein Trauma. Im Riesenslalom stand sie in dieser Saison nur einmal auf dem Podium», erklärte Christian Höflehner, Rennchef von Shiffrins Ausrüsters Atomic.
Und tatsächlich: Die Slalom-Dominatorin, die in den acht Weltcup-Slaloms des Winters sieben erste und einen zweiten Platz eingefahren hat, behält in Cortina die Nerven.
Sie deklassiert die Konkurrenz – angeführt von Silbermedaillen-Gewinnerin Camille Rast (26) – um mindestens 1,5 Sekunden. Shiffrins drittes Olympia-Gold nach 2014 (Slalom) und 2018 (Riesenslalom).
Auftritt im Kombi-Slalom machte Sorgen
Trauma hin oder her: Shiffrins erfolglose Serie vor dem Slalom-Triumph in Cortina war für eine Athletin ihres Kalibers eklatant. Bei den Covid-Spielen in Peking vor vier Jahren war der Wurm drin: Im Slalom und im Riesenslalom schied Shiffrin im ersten Lauf aus. In den Speed-Disziplinen, die sie an den aktuellen Spielen ausgelassen hat, schaute nur im Super-G ein Top-10-Platz heraus. Im Parallel-Teamevent, der aus dem Olympia-Programm gestrichen wurde, war es der unglückliche vierte Rang.
Doch nicht nur der verpatzte Olympia-Riesenslalom machte an diesen Spielen Sorgen – auch der Auftritt in der Team-Kombination sorgte für Stirnrunzeln. Shiffrin bekam von Olympiasiegerin Breezy Johnson mit Bestzeit in der Abfahrt die beste Ausgangslage für den Sieg serviert. Doch Shiffrin fuhr im Slalom nur die 15.-schnellste Zeit. Der Druck vor dem letzten Wettkampf war deshalb enorm. Doch Shiffrin hielt ihm stand.
Shiffrin gedenkt nach Rekord-Sieg verstorbenem Vater
Was ihr der Slalom-Titel bedeutet, zeigt sich unmittelbar nach der Zieleinfahrt. Unter Tränen fällt sie ihrer Mutter Eileen um den Hals. «Du hast es geschafft. Du hast genau das gemacht, was du angekündigt hast», sagt die umarmte Mama.
«Es ist verrückt. Im Moment, wenn du die Ziellinie überquerst, hast du Emotionen, aber gleichzeitig auch nicht. Das ist sehr schwer zu verstehen. Ich bin immer etwas langsam darin, Dinge zu realisieren», sagt Shiffrin wenig später sichtlich aufgewühlt im Interview mit Eurosport.
Gerne hätte sie den Moment mit all ihren Liebsten geteilt. «Es ist bittersüss, so etwas zu erleben, es aber nicht mit allen, die du am meisten liebst, teilen zu können.» Sie erwähnt ihren Freund Alexander Kilde (33), der für Olympia Forfait geben musste, und ihren Vater Jeff (†65), der 2020 bei einem Hausunfall unerwartet verstorben ist. Die beiden können ihren vielleicht grössten Moment nicht hautnah miterleben.
Denn mit ihrem zweiten Slalom-Olympiasieg ist die Rekord-Weltcupsiegerin nun in einer weiteren Kategorie die Beste – zusammen mit Vreni Schneider (61). Sie ist zweifache Olympia-Gewinnerin im Slalom.
