Darum gehts
- Der harte Thuner Spielstil gibt zu reden
- An der Grenze? «Das definitiv», sagt YB-Lauper
- TV-Experte Fringer sieht eher eine positive Aggressivität
Die Thuner Spielweise ist auch nach dem Derby gegen YB im Wankdorf ein Thema. Ein Kennzeichen: die Härte. Ob sich Thun immer an der Grenze bewegte, lautet die Frage von Blick. «Das definitiv», antwortet YB-Verteidiger Sandro Lauper (29). «Das haben wir angesprochen», sagt er. Seine Berner mussten sich den Oberländern 1:2 beugen.
Lauper präzisiert: «So, wie sie hinten und vorne dreingehen, lassen sie sich aber auch fallen in den Duellen. Man hat von uns Fouls gesehen, die wahrscheinlich nicht immer so waren, wie sie ausgesehen haben», sagt das YB-Urgestein und der Ex-Thun-Spieler direkt nach dem Spiel.
Und YB-Coach Gerardo Seoane (47) danach in der Pressekonferenz: «Der Frust war spürbar. Der Ball war eigentlich nicht mehr spielbar, nur noch in der Luft. Und es ist klar, dass Thun alles unternimmt, um Zeit von der Uhr zu nehmen.» Thun lotet alle Möglichkeiten aus. Lauper und Seoane sind nicht die ersten Gegner, die das nach einer Partie durchblicken lassen.
Gleichzeitig sagt Lauper: «Aber am Schluss ist das ihr Spiel, sie machen es clever und kommen so durch.» Als Aufsteiger mit 14 Punkten Vorsprung ungebremst Richtung Titel – neun Runden vor Schluss. Ein Triumph Thuns wäre ein europaweites Fussballmärchen. Wie stark dehnt Thun dafür die Grenzen?
Bei Fouls an der Spitze – bei Karten nicht
Die Statistik sagt: Bei den Fouls liegen die Berner Oberländer mit 448 direkt hinter St. Gallen an der Ligaspitze. Bei den Gelben Karten jedoch ist Thun sogar im unteren Mittelfeld. Und was Rote Karten angeht, mit drei Platzverweisen fast am Tabellenende. Thun streut also immer wieder Fouls ein, die allerdings nicht allzu grob sind.
«Die vielen Fouls sind eine Folge des Spielstils mit dem hohen Pressing», sagt Rolf Fringer (69). Der zweifache Meistertrainer (1993 Aarau, 1998 GC) und heutige TV-Experte (Blue) sieht bei den Thunern eine gesunde Aggressivität.
«Captain Marco Bürki ist für mich das beste Beispiel», meint Fringer. «Er war noch nie wichtiger für ein Team. Seine Unerschrockenheit macht seine Mitspieler mutiger und besser. Bei YB war es früher Sékou Sanogo, der durch seine Aggressivität immer wieder Zeichen für seine Mannschaft gesetzt hat.»
In der Fair-Play-Trophy der Liga liegt Thun trotz der vielen Fouls auf Rang 7, also im Mittelfeld. Letzte Saison, in der der FC Thun mit ähnlichem Fussball aufgestiegen ist, gewann er sogar die Fair-Play-Auszeichnung in der Challenge League mit den wenigsten Strafpunkten.
Ist das die internationale Härte?
Der aggressive Spielstil scheint in dieser Saison in der Schweiz Früchte zu tragen. Verfolger St. Gallen ist der einzige Gegner, der in den letzten dreieinhalb Monaten gegen den Aufsteiger punkten konnte (2:2 am 5. März und 2:0 am 13. Dezember). Und die Espen gehen noch härter ran als die Berner Oberländer: Sie führen die Foulstatistik an, pflegen einen ähnlich geradlinigen Spielstil. Im Gegensatz zu Thun haben sie zudem jedoch die meisten Gelben Karten der Liga gesammelt.
Klar ist: Thun wird die Schweiz nächste Saison international vertreten, St. Gallen wahrscheinlich auch. Die Super-League-Vertreter haben zuletzt nicht gut abgeschnitten. Möglich, dass das Spiel an der Grenze genau die Härte ist, die einigen Vertretern der Super League im europäischen Geschäft zuletzt etwas gefehlt hat.
Die Gegner in der Schweiz wissen auf jeden Fall schon, wie hart die aktuellen Spitzenteams der Schweiz ihre Vorsprünge verteidigen. FCZ-Urgestein Yanick Brecher (32) sagte jedenfalls im Dezember, als sein Team einen 2:0-Vorsprung hergegeben und 2:4 verloren hat: «Man hat gemerkt, dass wir Spieler haben, die nicht genügend dreckig sind, um so einen Sieg nach Hause zu bringen.» Was sicher kein Zufall ist: Brecher sagte es nach dem Duell gegen ... Thun.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 29 | 34 | 68 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 29 | 4 | 46 | |
5 | FC Sion | 29 | 8 | 42 | |
6 | BSC Young Boys | 29 | 3 | 42 | |
7 | FC Luzern | 29 | 3 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 29 | -2 | 36 | |
9 | Servette FC | 29 | -6 | 33 | |
10 | FC Zürich | 29 | -16 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -14 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 29 | -47 | 16 |












