Schon in der Bibel steht: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Das hat nicht nur Jesus gewusst. Das weiss auch jeder Büezer.
Die saftigen Gehaltserhöhungen gibt es in der Regel nur, wenn man den Arbeitgeber wechselt. Selten dann, wenn man vierzig Jahre pflichtbewusst und loyal seinen Job macht.
Dann gibts alle zehn Jahre einen Früchtekorb mit einem feuchten Händedruck. Und im Idealfall hin und wieder den Teuerungsausgleich.
Im Fussball ist das ähnlich. Spieler, die bei ihrem Stammverein alle Nachwuchsteams durchlaufen, haben vielfach Mühe, den Sprung in das Profikader zu schaffen. Den Durchbruch schaffen sie in der Fremde. Und es gibt auch Beispiele dafür, wie ein Klub ein verkanntes eigenes Talent irgendwann für viel Geld zurückkaufen muss. Weil man dem Propheten im eigenen Laden nichts zugetraut hat.
Die ganz grossen Talente gehen freiwillig
Die ganz grossen Talente im Schweizer Fussball, die werden nicht ausgeliehen, die gehen freiwillig. Möglichst schnell an die prall gefüllten Salärtöpfe der grossen Ligen. Dort gibt es fünfmal mehr zu verdienen als in der Super League. Dort kann man den nächsten Schritt machen. Und sich für die Nationalmannschaft empfehlen.
Die vielen Schweizer Legionäre, die sich in einer grossen Liga durchgesetzt haben, sorgen dafür, dass die Nationalmannschaft seit vielen Jahren eine tolle Rolle spielt. Eine Rolle, die der international mittlerweile marginalisierten Schweizer Liga gar nicht entspricht. Die Härte, die Durchschlagskraft, den Rhythmus, die Professionalität findet man in einer grossen Liga. Im Konkurrenzkampf mit den Besten.
Diese Entwicklung sorgt dafür, dass Spieler aus der Super League in der Nati seit vielen Jahren kaum eine Rolle spielen. Propheten im eigenen Land. Der Letzte aus der Schweizer Liga, der in einem Wettbewerbsspiel der Nationalmannschaft in der Startformation stand, war Fabian Rieder vor drei Jahren.
Wieso stellt Thun keine Nationalspieler?
Heimisches Schaffen zu würdigen, scheint kompliziert. Aber vielleicht ist jetzt der Moment gekommen. Der junge St. Galler Alessandro Vogt ist mit seinem Zug zum Tor, seiner Dynamik und seinem Selbstvertrauen eines der grössten Stürmertalente in Europa. Auch der Luzerner Matteo Di Giusto könnte mit seinem Spielwitz und seinem feinen Füsschen eine Alternative sein. Oder auch Alvyn Sanches von YB. Zumal ja Spieler wie Andi Zeqiri, Cédric Itten und Zeki Amdouni nicht gerade in der Blüte ihrer Schaffenskraft stehen.
In Thun wird man sich fragen, warum der designierte Schweizer Meister keinen Nationalspieler stellt. Dort ist halt die Mannschaft der Star. Und Spieler wie Imeri oder Meichtry scheinen da kaum in die Verlosung zu kommen.
Vor zwei Jahren hat man in Argentinien Lucas Blondel und in Ungarn Stefan Gartenmann rekrutiert. Bevor man die Welt nach Spielern abklappert, die einen Grossvater oder eine Urgrossmutter mit Schweizer Wurzeln haben, lohnt sich vielleicht doch ein Blick vor die Haustür.
Auch wenn die Schweizer Klubs in dieser Saison international eine beschämend schwache Rolle gespielt haben. Einige Rosinen sind trotzdem zu finden.