Darum gehts
Seit mehr als einer Woche sind die Spieler von Meister Thun in den Ferien. Erst am 15. Juni müssen sie für den Start der Vorbereitungen zurück sein. Doch hinter den Kulissen sind die Planungen für die neue Saison in vollem Gang.
Eine Frage steht über allem: Kann Thun das Meisterteam einigermassen zusammenhalten, oder erhält es ein völlig neues Gesicht? Trainer Mauro Lustrinelli (50) hat bereits bei Union Berlin unterschrieben, viele Spieler könnten nach der überragenden Saison eine hübsche Summe einbringen. Geld, das nicht nur eine Bestätigung für die Entwicklung der Mannschaft ist, sondern auch existenziell wichtig für den Klub, um das Millionenloch zu stopfen und den Überbrückungskredit vom Frühjahr zu tilgen.
Gelten die Zusicherungen der Leistungsträger?
Klar ist aber auch: Ein Gerüst dürfte zusammenbleiben. «Ich werde hierbleiben», sagte Captain Marco Bürki (32) im Blick-Interview. Das klang sehr definitiv. Co-Leader Leonardo Bertone (32) doppelte nach, sagte auf die Frage, ob er ebenfalls bleibe: «Ja sicher, nächste Saison steht noch etwas Aufregendes vor der Tür.» Was aber, wenn ihn nach der überragenden Saison und dem Meister-Frühling nun plötzlich ein anderer Super-Ligist mit einem viel höheren Lohn weglocken will? Dieses Szenario ist trotz seines hohen Fussballer-Alters nicht mehr undenkbar, eine Überraschung wäre ein Bertone-Abgang dennoch.
Auch bei weiteren Teamstützen ist es wahrscheinlich, dass sie bleiben. Bamert, Ibayi, Labeau und Käit gehören in diese Kategorie. Der Vertrag von Identifikationsfigur Justin Roth (25) hat sich automatisch um eine Saison verlängert. Der langjährige Thun-Profi Lucien Dähler (25) hat bis 2028 unterschrieben.
Bleibt Imeri auch ohne Lustrinelli?
Die grösste Umwälzung zeichnet sich im offensiven Mittelfeld ab. Ethan Meichtry (20) wurde bereits im Winter von Parma gejagt, hat dann aber den Vertrag verlängert. Er könnte seinem Heimatklub Thun in diesem Sommer mehrere Millionen einbringen. Valmir Matoshi (22) hat sich mit seinem kraftvollen Spielstil und Szenen wie dem späten Siegtor im Februar in Basel ins Transfer-Schaufenster gespielt. Nils Reichmuth (24) wird sich nach einem starken Herbst und nach dem jüngsten Aufgebot für die chilenische Nationalmannschaft mit einer Jokerrolle wie in diesem Frühjahr kaum mehr zufriedengeben.
Und dann gibt es noch Kastriot Imeri (25), der beim Meister aufgeblüht ist und für den Thun bei YB eine Kaufoption besitzt, die bei gut einer Million Franken liegen soll. Viel Geld für Thun. Noch ist offen, ob diese wirklich gezogen wird. Noch bleibt etwas Zeit für den Entscheid. Doch die starke Verbindung des Fussballkünstlers aus Genf zu Meistertrainer Mauro Lustrinelli (50) ist bekannt und war ein grosses Argument bei der Verpflichtung im letzten Sommer. Lustrinelli ist nun weg. Heisst: Im offensiven Mittelfeld wird es gleich um alle vier Personalien heiss.
Gesucht: Zwei Innenverteidiger
Dasselbe wie bei Imeri gilt für Noah Rupp (22). Ob Thun die Kaufoption des Mittelfeldspielers zieht, ist offen. Die Leistung des Zugers beim letzten Saisonspiel in St. Gallen war ein starkes Bewerbungsschreiben.
Klar ist, dass Thun zwei neue Innenverteidiger sucht. Denn der am Kreuzband verletzte Montolio wird noch monatelang ausfallen, Franke hat keinen neuen Vertrag mehr erhalten und sich verabschiedet. Bamert und Captain Bürki werden neue Konkurrenz erhalten.
Der Rastoder-Ersatz ist schon da
Zu den heissesten Transferkandidaten gehört Elmin Rastoder (24). Der Goalgetter hat seit der Winterpause elf Tore erzielt und sich auf die Wunschzettel von Klubs aus Top-Ligen geschossen. Gemäss Sky steht er bei Gladbach und dem HSV auf dem Zettel. Thun hat aber bereits im Winter vorgesorgt, mit Furkan Dursun (21) den designierten Rastoder-Ersatz verpflichtet und mit ihm einen ähnlichen Spielertypen an das Team herangeführt. Bei Marc Gutbub (23) steht die Tendenz auf Ausleihe. Es sei denn, das Eigengewächs nutzt in der Vorbereitung die Chance, wenn unter dem neuen Trainer die Karten neu gemischt werden.
Von der Leihe zurückkehren wird mit Layton Stewart (23) ein zusätzlicher Stürmer. In Thun wurde sehr positiv aufgenommen, dass sich der Liverpooler bei der Meisterfeier blicken liess. Dennoch sucht Sportchef Dominik Albrecht für ihn eine neue Lösung, sprich einen neuen Verein. Genauso wie für den Uruguayer Mathias Tomas (25), der die Saison leihweise bei Apoel Nikosia auf Zypern verbrachte.
Klubs strecken Fühler nach Senkrechtstarter aus
Meistergoalie Niklas Steffen (25) hat viele Erwartungen übertroffen und eine starke Saison als Nummer eins gezeigt. Nach Blick-Informationen haben Klubs aus der Bundesliga und Serie A bereits die Fühler nach ihm ausgestreckt. Gleichzeitig geniesst er in Thun eine grosse Anerkennung und könnte seine Leistungen in diesem Umfeld zuerst bestätigen wollen. Für den Solothurner war es die erste volle Saison als Nummer eins im Profifussball.
Fest steht bereits: Sollte Steffen trotzdem in diesem Sommer dem Lockruf aus den Topligen folgen, stünde mit Tim Spycher (21) sein Nachfolger in den eigenen Reihen bereit. In Thun vertraut man auf die Stärken des jungen Winterzuzugs.
Heule im Rampenlicht – aber was ist mit Fehr?
Interessant ist die Situation bei den Aussenverteidigern. Michael Heule (25) auf links war in dieser Saison in aller Munde. Auch Fabio Fehr (26) auf rechts schwingt in gewissen Kategorien im Team obenaus. Er ist die Nummer zwei der Liga bei der Anzahl erfolgreich gespielter Bälle in den gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten – hinter FCB-Star Xherdan Shaqiri. Es wäre eine dicke Überraschung, wenn die Namen Heule und Fehr nicht auch auf dem Notizblock diverser Klubs stehen würden.
Sportchef Albrecht arbeitet nach dem Credo, mit einem eher schmalen Kader zu operieren, um die Wichtigkeit jedes Spielers zu erhöhen und den Zusammenhalt zu vergrössern. Doch sollte Thun ab Juli eine internationale Quali-Runde überstehen, würde in einem der drei Wettbewerbe die Gruppenphase feststehen. Dann wird der Meister das Team voraussichtlich um zwei bis drei Spieler aufstocken.
Albrecht sagt, dass zudem eigene Nachwuchsspieler vor dem Sprung in die erste Mannschaft stehen. Ihm wird die Arbeit in den nächsten Wochen sicher nicht ausgehen, obwohl er mit Ex-Stürmer Simone Rapp (33) nach dessen Karriereende in Wil neu einen Kaderplaner zur Seite gestellt bekommt.

