Auf Schützenhilfe angewiesen
Deutschland hat das WM-Schicksal nicht mehr in eigenen Händen

Die Österreicher von Roger Bader können nach der 0:9-Watschn gegen die Schweiz am Samstagabend den entscheidenden Schritt Richtung Viertelfinals machen. Die Deutschen steuern aufs WM-Aus zu.
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Der deutsche Captain Moritz Seider sagt nach dem Sieg gegen Ungarn: «Alles andere als drei Punkte standen nicht zur Debatte.»
Foto: Claudio de Capitani/freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Österreich trifft am Samstag in Zürich auf Deutschland im Eishockey-Hit
  • Deutschland droht das WM-Aus, Österreich vor Viertelfinal-Einzug
  • Bader sieht Österreicher nicht als Favorit
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Journalisten, die sich das Training der Österreicher am Tag vor dem Nervenspiel gegen Deutschland in der kalten Trainingshalle der Zürcher Swiss Life Arena anschauen wollen, werden vom Medienchef höflich weggewiesen. Hat man Angst vor Spionen? Nach dem «Spygate» um den inzwischen vom Playoff-Final ausgeschlossenen FC Southampton, das die zweithöchste englische Fussball-Liga erschütterte, kann man wohl nicht vorsichtig genug sein.

Denn es geht um viel. Das Team des Schweizers Roger Bader (61) könnte sich mit drei Punkten wie im Vorjahr für die Viertelfinals qualifizieren. Für die Deutschen, die nach fünf Spielen nur vier Punkte auf dem Konto haben und erst am Freitag gegen Ungarn (6:2) den ersten Sieg feiern konnten, ist es bestenfalls das Spiel der letzten Chance. Doch nach dem überraschenden Sieg von Lettland gegen Weltmeister USA (4:2) hat die Mannschaft von Harold Kreis (67) ihr Schicksal schon nicht mehr in den eigenen Händen.

Selbst mit der vollen Punktzahl aus den verbleibenden zwei Spielen (zum Schluss gehts noch gegen die Briten) wird es eng für die Deutschen, die dann auf 10 Punkte kommen würden. Denn Lettland (derzeit 6 Punkte) spielt noch gegen die Underdogs Grossbritannien und Ungarn. Und Österreich (9) und die USA (5), die am Montag gegen Ungarn voll punkten dürften, spielen zum Schluss noch gegeneinander. Deutschland ist also selbst bei einem Sieg am Samstagabend auf Schützenhilfe der Magyaren oder Briten angewiesen. 

Trainer Kreis steht in der Kritik

Kreis, der in der Schweiz Lugano (2006) und die ZSC Lions (2007) zum Titel führte, stand schon vorher in der Kritik – und das ein Jahr vor der Heim-WM in Düsseldorf und Mannheim. Da Deutschland deshalb nicht absteigen kann, kommt das erneute Verpassen der K.-o.-Phase dem GAU gleich.

Schon die erneute Schlappe gegen die Schweiz (1:6) hat dem deutschen Selbstbewusstsein eine Delle verpasst. Ein Scheitern gegen Nachbarn Österreich würde die Aufregung angesichts des Hockey-Booms der letzten Jahre – die DEL hat mit 7562 vor der Schweiz (7367) den höchsten Zuschauerschnitt Europas – noch einmal erhöhen.

«Ich hoffe, dass es ein Knotenlöser sein kann», sagte Verteidiger Leon Gawanke nach seinem Hattrick gegen Ungarn. Und NHL-Star Moritz Seider erklärte: «Wir kommen so langsam aus dem Loch raus, welches wir uns selbst gegraben haben.» Das Loch dürfte schon zu tief sein.

«Wir brauchen sicher ein perfektes Spiel»

Gegenüber laola1.at stuft der deutsche Verteidiger Philipp Sinn die Auftritte der Österreicher in Zürich als «ziemlich stark» ein. «Ihre ersten drei Spiele waren absolut top. Lettland zu bezwingen, war ein Achtungserfolg. Gegen Österreich ist es hart und eklig zu spielen», so Sinn. Wie Bader glaubt er, dass die 0:9-Niederlage gegen die Schweiz für das Duell gegen Deutschland keine Rolle spiele. «Man ist zwar unter die Räder gekommen, aber die Schweiz ist auch eine absolute Top-Mannschaft. Das kann passieren, wie wir selbst gesehen haben.»

Die Österreicher waren in den letzten zwei Tagen spielfrei und Bader gönnte seinem Team nach der Watschn gegen die Nati einen freien Donnerstag. Der 61-jährige Winterthurer weist darauf hin, dass das happige Startprogramm mit vier Spielen in fünf Tagen und dem wichtigen Sieg gegen Lettland energieraubend für sein Team gewesen sei. So schonte er die angeschlagenen Vinzenz Rohrer (ZSC Lions) und Dominic Zwerger (Ambri) gegen sein Heimatland und verzichtete auch auf Nummer-1-Goalie Atte Tolvanen. Sie hätten gespielt, wenn es um alles gegangen wäre, und sind gegen die Deutschen wieder dabei. «Ich habe nicht alles gemacht, um gegen die Schweiz möglichst gut auszusehen», sagt Bader zu Blick. «Man muss das grosse Bild im Auge behalten.» Gegen Deutschland wollen die Österreicher aber bestimmt so gut wie möglich aussehen.

Obwohl sein Team fünf Punkte mehr auf dem Konto hat, sieht Bader die Österreicher nicht in der Favoritenrolle. «Sie haben immerhin vier NHL-Spieler dabei, wir bekanntlich keinen. Wir brauchen sicher ein perfektes Spiel, um sie zu schlagen.»

Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
6
30
18
2
Finnland
Finnland
5
19
15
3
Österreich
Österreich
0:0
5
-2
10
4
Lettland
Lettland
5
-6
6
5
USA
USA
5
-3
5
6
Deutschland
Deutschland
0:0
6
-6
5
7
Ungarn
Ungarn
5
-13
3
8
Großbritannien
Großbritannien
5
-19
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
5
15
14
2
Tschechische Republik
Tschechische Republik
5
6
13
3
Slowakei
Slowakei
5
8
11
4
Schweden
Schweden
0:0
6
10
10
5
Norwegen
Norwegen
0:0
5
6
8
6
Dänemark
Dänemark
5
-11
3
7
Slowenien
Slowenien
6
-16
3
8
Italien
Italien
5
-18
0
Playoffs
Abstieg
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