Obwohl er Millionen verdient hat
Goalie-Legende Gerber würde heute seine Karriere anders planen

Er stand schon mal in einem WM-Final: Der legendäre Eishockey-Goalie Martin Gerber wohnt heute mit seiner Partnerin und den Kindern im früheren Käsehaus in Langnau BE. Neun Hühner und vier Katzen gehören zur Familie.
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Ein starkes Team: Martin Gerber und Bettina Täschler im Garten vor dem früheren Käsehaus in Langnau im Emmental.
Foto: Thomas Meier
Thomas Wälti (Text), Thomas Meier (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Auf dem Stubentisch funkelt der diamantbesetzte Stanley-Cup-Ring. Martin Gerber (51) nimmt das klobige Schmuckstück behutsam aus der Schatulle. «Der Ring erinnert mich an meinen grössten Erfolg als Sportler», sagt die Schweizer Hockey-Legende. 2006 gewann der Langnauer als Goalie des NHL-Klubs Carolina Hurricanes (USA) die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt. Nur drei Eisgenossen sind auf dem Stanley Cup eingraviert: Verteidiger Mark Streit, Goalie David Aebischer und eben Martin Gerber. «Nach dem Sieg wurden wir ins Weisse Haus eingeladen. Der Handschlag mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush war ein cooles Erlebnis.»

Zu Beginn seiner Laufbahn hat wenig darauf hingedeutet, dass Martin Gerber dereinst zu den ganz Grossen seines Fachs gehören wird. Als er am Anfang der 90er-Jahre beim SC Signau in der 2. Liga spielte, schenkte ihm der Stammgoalie beim Wichteln ein Jo-Jo. «Damit ich während des Spiels nebst meiner Rolle als Türöffner an der Bande etwas zu tun hätte, meinte er süffisant», erzählt Gerber und schiebt nach: «Das war mir Ansporn genug, besser zu werden als er.»

Millionenvertrag per Telefax

Mit verbissenem Einsatz setzte Gerber seine Karriere fort. Er nahm sich kleine, aber machbare Ziele vor und strebte ständig danach, sich zu verbessern. «Ich musste mir alles erkämpfen», sagt er. Gerber nahm Hürde um Hürde. Via SC Langnau ging es nach Schweden zum Meister Färjestad BK, bald klopfte die NHL bei ihm an, später hexte er in Russland. Im «Hirschen» in Langnau wurde Eishockey-Geschichte geschrieben: Weil Gerber zu Hause kein Telefaxgerät hatte, benutzte er den Fernkopierer des Hotels, um einen entsprechenden Dreijahresvertrag über 11,1 Millionen US-Dollar abzuschliessen. Obwohl er danach Millionen verdiente, blieb er bescheiden. «Wir leisteten uns vielleicht mal schönere Ferien oder gingen fein essen. Aber mehr war da nicht. Schlussendlich konnten wir dieses Haus in Langnau kaufen, das früher einer Käserfamilie gehörte», sagt Gerber. Mit der Schweiz holte er an der WM 2013 – damals noch unter Headcoach Sean Simpson – sensationell Silber. Die Heim-Weltmeisterschaft bis Ende Mai wird er als Fan im Stadion verfolgen.

Gerber ist mit fünf Geschwistern auf dem Land aufgewachsen. «Ich erlebte eine schöne und einfache Kindheit. Wir hatten einen Ämtliplan und mussten unter anderem im Winter bei null Grad Kälte am Morgen die Holzheizung in der Küche anfeuern», erzählt er. Ferien habe die Familie nur ein einziges Mal gemacht: «Wir gewannen bei einem Wettbewerb zwei Wochen Urlaub im Tessin.»

Die Naturverbundenheit fördern Martin Gerber und Lebenspartnerin Bettina Täschler (46) auch bei ihren drei Kindern Lina (16), Louis (14) und Lily (7). «Wir haben neun Hühner und vier Katzen», sagt die gelernte Krankenschwester. Und Martin Gerber ergänzt: «Ich habe ganz in der Nähe ein Stück Wald gekauft. Das ist für mich der grösste Luxus. Ich brauche kein nobles Auto.»

Kraftort Wald

«Mein Vater nahm mich früher oft in den Wald mit. Er baute Holzseilbahnen», erinnert sich Gerber. Das eigene Waldstück dient ihm als Kraftquelle. Dort erholte er sich nach seinem Rücktritt im April 2017 von seiner vestibulären Störung, verursacht durch Hirnerschütterungen nach Puckschüssen und harten Checks. Gerbers Gleichgewichtsorgan im Innenohr war so beeinträchtigt, dass er als Goalie den Puck nur noch in Rasterbildern auf sich zukommen sah und seine Fanghand mitunter im falschen Moment zuschnappte. «Die Aufenthalte im Wald haben mir geholfen, das Rauschen im Kopf zu beruhigen», so Gerber, der als Kind davon träumte, auf einer Fischfarm im Norden zu arbeiten. Der Wald zeige ihm auch die Endlichkeit. «Wenn ich einen Nutzbaum pflanze, freut sich die nächste Generation daran.»

Martin Gerber stellt das Waldstück auch als Trainingsgelände zur Verfügung. Er ist Trainer des U16-Eliteteams der SCL Young Tigers. «Im Wald können wir polysportiv trainieren. Wir machen Bergläufe und improvisieren Skirennen. Es ‹fägt› mit den Jungs!» Im Winter arbeitet Gerber zudem im Verein Eisfeld Langnau. «Kinder haben dank der Unterstützung von ortsansässigen KMU und Gönnern Gratiseintritt und können kostenlos Schlittschuhe mieten.»

Es funkte beim Tigers-Lotto

Bettina Täschler hört ihrem Lebenspartner aufmerksam zu. Auf einmal sagt die Langnauerin: «Wir haben auch gemeinsame Träume: Wir möchten das Aufwachsen der Kinder begleiten und wieder einmal an einem warmen Ort am Meer Ferien machen.» Vor 29 Jahren fanden die beiden zusammen. «Gefunkt hat es beim Tigers-Lotto in der Ilfishalle», verrät sie. Das Rezept einer glücklichen Beziehung? Martin Gerber antwortet: «Wir sind verschieden, ergänzen uns aber gut und lassen einander gewisse Freiheiten. Wir sind flexibel und können uns sehr gut anpassen.»

Würde er etwas anders machen, wenn er nochmals jung wäre? «Ja! Ich würde als Feldspieler auflaufen. Ins Tor bin ich nur gegangen, weil ich nicht Schlittschuhlaufen konnte und ein Torhüter fehlte.» Was ihn aber nicht daran hinderte, selbst ein Tor zu erzielen. Er schoss es am 25. Februar 1997 im Spiel zwischen Langnau und Martigny. Gerber traf in der Schlussminute mit einem Weitschuss ins leere Tor des Gegners. Er war der erste Torhüter in der Schweiz, dem dieses Kunststück gelang.

Eishockey-WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
5
21
15
2
Finnland
Finnland
5
19
15
3
Österreich
Österreich
4
-2
9
4
USA
USA
4
-1
5
5
Deutschland
Deutschland
5
-6
4
6
Ungarn
Ungarn
4
-4
3
7
Lettland
Lettland
4
-8
3
8
Großbritannien
Großbritannien
5
-19
0
Playoffs
Abstieg
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
5
15
14
2
Slowakei
Slowakei
4
9
11
3
Tschechische Republik
Tschechische Republik
4
5
10
4
Schweden
Schweden
5
10
9
5
Norwegen
Norwegen
4
6
7
6
Slowenien
Slowenien
5
-12
3
7
Dänemark
Dänemark
4
-15
0
8
Italien
Italien
5
-18
0
Playoffs
Abstieg
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