Darum gehts
- Ken Jäger kehrt zum HC Davos zurück und wird sogleich zum Captain ernannt
- Seine Erfahrungen in Schweden und Lausanne formten ihn zum Führungsspieler
- Fünf verlorene Finals prägten ihn, er bläst zur Jagd auf HCD-Titel Nummer 32
Der junge Ken Jäger ist einst ausgezogen, um sich zu jenem Gesamtpaket zu entwickeln, als das er eines Tages zu seinem Stammklub Davos zurückzukehren möchte. Es ist eine ratsame Frage von einem seiner damaligen Junioren-Trainer beim HCD, die den Teenager zum Nachdenken anregt: «Michel Riesen sagte mir, ich solle mir gut überlegen, wie sehr ich das wirklich möchte.» Hockey-Profi werden.
Die Antwort darauf kann er sich rasch geben: Er will es unbedingt – und biegt dafür vom einfachen Weg aus der Wohlfühlzone ins Unbekannte ab.
Jäger möchte als 20-Jähriger den Übergang vom Junioren- ins Männer-Hockey möglichst schnell vorantreiben. Schweden scheint für ihn da die richtige Adresse, mit Anders Olsson hat ihn ein weiterer HCD-Junioren-Coach damit vertraut gemacht. «Schwedens Hockey ist bekannt für sein gutes Ausbildungssystem», so Jäger, «ich wollte weg aus der Heimat, um mich auch persönlich weiterzuentwickeln».
Er erwartet nicht, dass er 2018 in der SHL, der höchsten Liga, bei Rögle durchstarten wird. Sondern dass er sich in der Allsvenskan bei Västervik an der Ostküste durchbeissen muss. «In Schweden hat niemand auf einen Junior aus der Schweiz gewartet. Die zweithöchste Liga dort ist aber näher an unserer National League dran als unsere Swiss League», erklärt der Stürmer. «Und ich wollte möglichst viel Eiszeit.»
Mit 20 in einem Schweden-Häuschen
Disziplin, defensives Gewissen und Selbstständigkeit – das möchte sich der Junioren-Internationale im Norden aneignen. Letzteres neben dem Eis. In Västervik wohnt Jäger mit einem Dutzend weiterer Teamkollegen auf dem Camping-Resort der Gemeinde in einem der herzigen, für Schweden typischen rot-weissen Holzhäuschen fast direkt am Wasser. «Nicht jeder kann von sich sagen, dass er mit 20 schon in einem Haus gewohnt hat», sagt der Davoser mit einem Schmunzeln.
Mit Teamkollegen teilt er sich ein Auto für die Fahrten ins Training und zum Einkaufen. Ein Elch auf dem öfters mal eingeschneiten Resort-Gelände ist keine Seltenheit gewesen. Eine Schmonzette aus der Zeit auf dem im Winter von Feriengästen nicht genutzten Campingplatz ausserhalb der Stadt? «Als ich eines Morgens verschlafen hatte, fuhren die Kollegen mit dem Auto direkt unter mein Schlafzimmerfenster und hupten mich wach.»
Natürlich habe er auch Tage gehabt, an denen er sich fragte: «Was mache ich eigentlich hier?» Doch rückblickend weiss Jäger, dass dieser Wechsel eine Weichenstellung in seiner Entwicklung gewesen ist.
Seine Rückkehr in die Schweiz 2020 ist eine ungeplante. Er hätte gerne noch eine dritte Saison in Schweden angehängt, findet jedoch keinen Klub. Und Lausanne, das bereits während der Meisterschaft grosses Interesse an ihm bekundet hat und von ihm vertröstet worden ist, kommt zum Handkuss. «Ich rief in Lausanne an und fragte, ob sie mich noch nehmen.»
Nicht den einfachen Weg gegangen
Warum nicht da bereits die Rückkehr nach Davos? «Es wäre der einfachere Schritt gewesen», so Jäger, der sich zu jenem Zeitpunkt noch nicht bereit und gewachsen genug fühlt dafür. Die sechs Jahre in der Westschweiz haben den Center-Rohdiamanten weiter geschliffen. Für die Schweizer Nati wird Jäger ein immer verlässlicherer Kandidat. Sein WM-Debüt gibt er 2024 in Prag.
Mittlerweile zählt er zu den besten Schweizer Centern. Und besitzt das Gesamtpaket für den HCD sowie mit 28 ein Alter, in dem er mit dem Erwartungsdruck umgehen kann. Dafür sei auch die Zeit in Lausanne wichtig gewesen. «In Schweden war ich auf mich fokussiert und dass ich den Sprung schaffe», so Jäger, «in Lausanne profitierte und lernte ich dann von starken Leadern. Das war wertvoll für meine jetzige Rolle.» Denn: Zurück in Davos wird er sogleich zum nächsten einheimischen Captain nach Andres Ambühl (43) ernannt. «Das ist sehr speziell und hat eine grosse Bedeutung für mich. Als Bub stand ich einst im Stadion und sang Büelis Namen.»
Fünf verlorene Finals, die prägen
Mit dem Sieben-Jahres-Vertrag beim HCD setzen Klub und Spieler ein Zeichen, dass Jäger eine Weile der Leitwolf bleiben soll. Seine Qualitäten dafür seien die richtige Einstellung, Dankbarkeit und Ruhe. Und er sieht sich als Bindeglied der jungen Talente und der Routiniers.
Auf die Frage, was ihn in seiner Karriere nebst dem Schweden-Entscheid noch geprägt hat, antwortet der HCD-Stürmer nach kurzem Überlegen: «Die fünf verlorenen Finals in Folge.» 2024 mit Lausanne gegen Zürich (3:4), einen Monat später an der WM in Prag gegen Tschechien (0:2). 2025 mit Lausanne erneut gegen den ZSC (1:4) und an der WM in Stockholm gegen die USA (0:1). Und zuletzt im Mai an der Heim-WM in Zürich mit der Schweiz gegen Finnland (0:1). «Es ist ein krasses Gefühl, wenn der Moment wie eingefroren und alles still ist. Es hat mich jedes Mal richtig getroffen, es bricht dich.»
Die Heim-WM sei dennoch ein einmaliges Erlebnis gewesen, «wenn ich an ‹W. Nuss vo Bümpliz› denke, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Jetzt fehlt einfach noch das i-Tüpfelchen», so Jäger, der aber nun auf all diese Erfahrungen zurückgreifen kann. Auf seiner Jagd zum 32. HCD-Titel.

