HCD-Sturmtank auf Ab­schieds­tour
Stransky leidet – und möchte ein Vermächtnis hinterlassen

Matej Stransky sagte schon vor dem Saisonstart, dass diese Mannschaft das Zeug zum Titel hat. In der Zwischenzeit ist viel passiert beim Tschechen, der sich mit dem Triumph aus Davos verabschieden möchte.
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HCD-Captain Matej Stransky läuft es im Playoff-Final nicht mehr so formidabel – ob ihn Trainer Josh Holden hier verbal aufbaut?
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • HCD-Captain Matej Stransky verlässt Davos – Showdown ist sein letztes Spiel
  • Familiengründe zwingen ihn zur Rückkehr nach Tschechien – mit dem Titel in der Tasche?
  • Davos und Fribourg balgen sich am Donnerstag um den Meisterpokal
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Er tut nach Spiel 6 so, als ob nichts wäre. Als ob der Showdown am Donnerstag zwischen Davos und Fribourg um den Meisterpokal nicht sein letzter Auftritt im HCD-Dress sein wird. Doch Matej Stransky (32) verabschiedet sich schweren Sport-Herzens aus dem Bündnerland – weil sein Familien-Herz schwer ist.

Zur Erinnerung: Der Tscheche wird von Trainer Josh Holden diese Saison zum Captain ernannt. Dass er der Richtige für die Nachfolge von Andres Ambühl (42) ist, hat die Klublegende selbst abgesegnet. Stransky strotzt vor Selbstvertrauen, Zuversicht und Glauben an das Potenzial dieser Mannschaft. Im September – nach der Siegesserie von neun Spielen – sagt der 32-Jährige: «Dieses Team hat das Zeug zum Titel.»

Anfang Jahr wurde seine Miene ernster

Stranskys Präsenz in den Spielen ist stets eisfüllend, seine Leader-Qualitäten sind vorzüglich. Er schultert die Verantwortung, reisst das Team mit und führt es zur Dominanz in der Quali. Seine Miene wird jedoch ab dann ernster, als Mitte Januar erste Gerüchte aufkommen über eine allfällige verfrühte Rückkehr in seine Heimat. Vermutet werden familiäre Gründe – seine Frau Romana und die beiden Kinder Thea und Maxim wohnen schon länger wieder in Tschechien.

Was der Vater und HCD-Captain anfangs noch für eine aushaltbare Situation gesehen hat, wird also doch zur familiären Herausforderung. Die Spekulationen verfolgen den Nati-Stürmer bis nach Mailand an Olympia. Auch dort geht er nicht konkret darauf ein. Erst Mitte März, wenige Tage vor dem Playoff-Start, vermeldet der Klub die vorzeitige Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen. Stransky wird in seiner Heimat mit Pardubice in Verbindung gebracht. Jenem Team, das Oldie Roman Cervenka (40, früher Lakers, ZSC, Fribourg) am Dienstag in der Verlängerung zum Titel geschossen hat.

Emotionen in Energie umwandeln

Apropos Titel: Mit dem 32. des HCD möchte sich Stransky aus Davos verabschieden. Ein Sieg ist sein Team noch davon entfernt. Im Spiel 7, das diese intensive und spannende Serie laut ihm auch verdient hat. Auf die Frage, wie er an diesen speziellen Auftritt rangeht, packt der Captain Phrasen aus. Man müsse bereit sein. Sich auf sich und nicht den Gegner fokussieren. Die Emotionen in Energie umwandeln. Dann sagt Stransky: «Ich glaube an das Team.» Es soll ihm den Abschied mit dem Pokal versüssen.

Aber über den Abschied nachdenken, geschweige denn sprechen möchte er genauso wenig wie über seine Verfassung. Es ist augenscheinlich, dass der Sturmtank angeschlagen ist. Seine Explosivität fehlt, Tempo und Durchschlagskraft auch. In gewissen Playoff-Spielen ist Stranskys Eiszeit auf elf Minuten geschmolzen. Dennoch lässt er alles da draussen, was für ihn möglich ist – weil der Captain die «Mission 32» mit dem HCD in den letzten Jahren mit eingeläutet hat. Jetzt möchte er sie auch vollenden.

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