MickelTV streamt direkt beim Gleis
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Er muss sich entschuldigen:Influencer MickelTV streamt direkt beim Gleis

13 SBB-Züge verspätet, Polizeieinsatz und Festnahme
Dieser Influencer aus der Romandie ging mit seinem Video definitiv zu weit

Ein Streamer aus der Westschweiz hielt es für eine besonders kluge Idee, in Epesses VD ganz in der Nähe der Gleise ein Video zu drehen. Das Video endete mit seiner Festnahme. Die SBB haben Anzeige erstattet.
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Während seines Livestreams zeigte sich der Influencer stolz darauf, sich in Epesses ganz in der Nähe der Gleise zu filmen. Er wurde festgenommen.
Foto: Capture d'écran / Instagram

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Streamer MickelTV aus Freiburg streamt am 29. Juli auf Bahngleisen in Epesses
  • Er gefährdet sich, stört 13 Züge und wird von der Polizei festgenommen
  • SBB kündigen Anzeige an, warnen vor gefährlichem Verhalten nahe von Gleisen
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Léo Michoud

Der Streamer MickelTV aus dem Kanton Freiburg hat auf Instagram gut 80'000 Follower. Seinen Zuschauern dürfte nicht entgangen sein, dass er am Mittwochabend von der Waadtländer Polizei festgenommen wurde. Er hatte zuvor einen seiner Livestreams auf TikTok und YouTube gestartet – und zwar in Epesses VD, zwischen Lausanne und Vevey. Dies aber nicht irgendwo: Der Content Creator streamte auf den Bahngleisen, die sich direkt am Seeufer befinden.

Videos dieser Art sind das Markenzeichen des jungen Freiburgers: Er inszeniert sich dabei, wie er ein Live-Video von einem Schreibtisch aus überträgt, der an gefährlichen oder sogar illegalen Orten aufgestellt ist. Diesmal ist er zu weit gegangen. Zu nahe hielt er sich an den Bahngleisen auf.

In einem Video, das er auf seinem Instagram-Account gepostet hat, sieht man einen Regionalzug mit voller Geschwindigkeit nur wenige Zentimeter an ihm vorbeifahren. Die Kameraausrüstung, der kleine Tisch und die Kleidung des jungen Mannes erzittern dabei.

In einem anderen Video, das in den sozialen Netzwerken die Runde gemacht hat, sieht man, wie sich ein Regio-Express sehr langsam dem Influencer nähert. Bis die Lokomotive auf seiner Höhe zum Stehen kommt. Der Lokführer schimpft mit ihm und sagt ihm, dass er dort nichts zu suchen habe und die Polizei im Anmarsch sei. «Ach, darf ich das nicht?», gibt MickelTV zurück, bevor er sein Video beendet.

Die SBB erstatten Anzeige

«Die SBB verurteilen diese Gefährdung und diesen Verstoss gegen das Eisenbahngesetz aufs Schärfste», erklärt Jean-Philippe Schmidt, Mediensprecher der SBB. Er bestätigt den Vorfall am Donnerstag gegenüber Blick und kündigt an, dass das Unternehmen Anzeige gegen den jungen Mann erstatten werde.

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«Abgesehen davon, dass die Person auf dem Video ihr Leben riskierte, wurden durch diese Tat 13 Züge aufgehalten», bedauert der Sprecher. «Die Kantonspolizei wurde benachrichtigt und hat den Täter festgenommen.» Die Waadtländer Kantonspolizei bestätigt, dass eine Patrouille zum Tatort gefahren sei.

SBB veröffentlichen Präventionsvideo

«Diese Person wurde gegen 21.45 Uhr festgenommen», erklärt Polizeisprecher Alexandre Bisenz «Sie wurde zur Vernehmung auf die Wache gebracht und anschliessend wieder freigelassen.»

Die Sicherheit an Bahngleisen ist den Schweizerischen Bundesbahnen ein wichtiges Anliegen. Sie haben diese Woche in den sozialen Netzwerken ein Präventionsvideo zu diesem Thema veröffentlicht. Im vergangenen April kam ein Jugendlicher (†15) ums Leben, nachdem er am Bahnhof Allaman VD von einem Zug erfasst worden war.

«Strengstens verboten und extrem gefährlich»

Am Donnerstag veröffentlichte MickelTV auf Instagram ein an die SBB gerichtetes Entschuldigungsvideo. Doch der Inhalt wirkt eher wie ein Rechtfertigungsversuch, in dem er die Ereignisse verharmlost und mehrere Falschaussagen macht.

Bereits in den ersten Sekunden des Videos stellt MickelTV zwei ungeheuerliche Behauptungen auf. «Ich war tatsächlich nur zwei oder drei Meter von den Gleisen entfernt und befand mich an einem völlig legalen Ort.» Die Schweizerischen Bundesbahnen widerlegen seine Behauptung umgehend in den Kommentaren und erinnern an eine Regel, die jedem Erwachsenen einleuchten sollte: «Sich in der Nähe der Gleise aufzuhalten oder ausserhalb der gekennzeichneten Bereiche neben ihnen zu gehen, ist strengstens verboten und extrem gefährlich, genauso wie das Überqueren der Gleise.»

SBB kontern MickelTV auf Instagram

Ein paar Meter Abstand reichen nicht aus, um jede Gefahr zu bannen. Man könne auch ohne direkten Kontakt vom Zug aus dem Gleichgewicht gebracht werden. «Sobald der Zug in Sichtweite ist, reicht die Reaktionszeit nie aus», so die SBB.

MickelTV versucht sich ausserdem zu rechtfertigen, indem er darauf hinweist, dass sich etwa fünfzig Meter entfernt ein Bahnhof befindet. «Ich wusste, dass die Züge dort, wo ich war, nicht besonders schnell fuhren», spielt er das Ganze herunter. Auch dieses Argument ist nicht stichhaltig. «Nicht alle Züge sind im öffentlichen Fahrplan aufgeführt, und Züge fahren rund um die Uhr. Das Geräusch eines Zuges ist nicht immer von den Gleisen aus zu hören», antworten die SBB. Ausserdem halten nicht alle Züge dieser Strecke am Bahnhof Epesses.

«Kopiert nicht, was ich mache»

In seinem Video gibt sich der Streamer trotzig. Seinen Angaben zufolge begab er sich nicht in Gefahr und hatte die Situation vollkommen unter Kontrolle. «Wenn ihr mich an ungewöhnlichen Orten streamen seht, stellt euch vor, das wäre mein Job. Es ist wie beim Wrestling. Was die machen, ist gefährlich, aber es ist ihr Job.» Betrachtet man die Reaktion der SBB, scheint MickelTV nicht alle Aspekte seines vermeintlichen Berufs vollständig zu verstehen.

Der vernünftigste Teil des Videos enthält eine Warnung an die Zuschauer: «Ich möchte noch einmal betonen, dass ich niemanden dazu auffordere, das, was ich im Livestream mache, nachzuahmen. Ich habe es mindestens 150 Mal gesagt: Was auch immer ihr tut, kopiert nicht, was ich mache, es ist völlig idiotisch und möglicherweise illegal.»

«War wohl nicht der beste Platz»

Und weiter: «Kurz gesagt, selbst wenn ich nicht illegal gehandelt habe, möchte ich mich trotzdem entschuldigen, da es zu Verspätungen gekommen ist. Ich glaube, zwei oder drei Züge hatten wegen meines Livestreams etwa zehn Minuten Verspätung.» Tatsächlich waren es 13 Züge, die sich verspäteten.

Der Streamer gibt schliesslich zu, dass die Gegend in der Nähe einer Bahnlinie, wo Züge mit hoher Geschwindigkeit fahren können, vielleicht nicht der geeignetste Ort gewesen sei. «Im Nachhinein betrachtet war es wohl nicht der beste Platz.»

Doch während er seine Entschuldigungen wiederholt, kann er sich eine weitere provokante Bemerkung nicht verkneifen: «Und selbst wenn ihr sie nicht annehmt, nun ja, das ist mir scheissegal.»


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