Darum gehts
- Jugendgewalt in der Schweiz nimmt laut Berichten und Videos zu
- Organisierte Schlägereien und Gewalt bei jungen Frauen
- Fehden unter Jugendlichen flammen immer wieder auf
In jeder Generation gab und gibt es Streitereien unter Jugendlichen, verfeindete Gruppen und Mobbing. Meldungen über eskalierende Gewalt unter Jugendlichen nehmen aber immer mehr zu. Oft spielt auch Social Media eine Rolle. Die Attacken werden gestreamt oder aufgenommen und weitergeschickt.
Viele Eltern haben Angst um ihre Kinder, und diese wiederum getrauen sich oft nicht mehr zur Schule oder auf die Strasse. Die Prügelnden sind meist zwischen 13 und 16 Jahre alt. Das deckt sich mit dem Alter der Opfer, die unter den Aggressionen leiden. Auch die jüngste Attacke einer Gruppe, die am Freitagabend in Wetzikon ZH auf einen einzelnen Jugendlichen einprügelte, wurde auf Video festgehalten.
«Teenager-Fight-Club» in Spreitenbach
Erst im April schickte eine besorgte Mutter der Blick-Redaktion Videos einer Szene bei einer Schule in Spreitenbach AG. In den Clips ist zu sehen, wie zwei männliche Jugendliche auf einer Wiese aufeinander einschlagen. Rundherum stehen andere und feuern die beiden Kontrahenten an. Ihr zufolge handelt es sich um einen organisierten «Fight-Club», bei dem sogar Wetten abgeschlossen werden.
Die Kämpfe werden über Snapchat organisiert. Das Ganze scheint auf den ersten Blick freiwillig, sei es aber nicht, sagte die Mutter damals zu Blick. «Wer nicht kämpft, wird gemobbt», so die Mutter aus Spreitenbach. Die Schule hat Kenntnis von dem Vorfall. Die Auseinandersetzung aber fand im ausserschulischen Bereich statt, sagte Schulleiter Stefan Wagner.
Fünftklässler prügelt Viertklässler bewusstlos
Im Oktober 2025 griff in Dottikon AG ein Fünftklässler den Viertklässler Ilias M.* im Bus nach Hause an. Immer wieder traktierte er dessen Rücken mit seinem Ellbogen. Bis Ilias schliesslich bewusstlos zusammensackte und nur noch leicht zuckte. Ein Mädchen rannte zur Mutter des Opfers, das noch immer bewusstlos in dem fahrenden Bus lag. Erst zwei Haltestellen weiter kam Hilfe. Ein Vater und ein Mädchen trugen den Bub aus dem Bus. Er musste ins Spital. Wegen des Verdachts auf eine Hirnerschütterung musste er dort die Nacht verbringen.
Am nächsten Tag tauchte der Fünftklässler mit seiner Mutter bei dem Opfer auf. Er entschuldigte sich und sagte, Ilias habe schlecht über seine Mutter gesprochen. Deshalb sei er ausgerastet. Der Viertklässler bestritt dies. Mutter und Sohn nahmen die Entschuldigung aber zunächst an. Da kannte die Mutter das Video noch nicht. Auch diese Prügelattacke wurde gefilmt. Als sie die Aufnahmen einen Tag später sah, stockte ihr der Atem. «Für das, was ich dort gesehen habe, reicht eine Entschuldigung nicht. Wir gingen zur Polizei und erstatteten Anzeige gegen den Fünftklässler.»
Mädchen-Gang in Oensingen
Anfang 2025 tauchten mehrere Videos einer Mädchen-Gang aus Oensingen SO auf. Die Gruppe im Teenageralter reisst ein anderes Mädchen zu Boden, traktiert es mit Tritten. Hinzu kommen Faustschläge und wüste Beschimpfungen.
Am Ende des Videos fragt eine der Täterinnen, wo die Schere sei. Was im Anschluss passiert, lässt sich nicht verifizieren. Es heisst aber, dass dem Mädchen die Haare abgeschnitten worden seien. Dies bestätigten Mitschülerinnen und Mitschüler. Ein anderer Ausschnitt zeigt, wie einem Mädchen anscheinend mit einem scharfen Gegenstand in den Hals geritzt wird. Und in noch einer Aufnahme steht es in einem Waldstück und wird gezwungen, sich auszuziehen. Ob es sich um dasselbe Mädchen wie im ersten Video handelt, ist nicht klar. Im November zeigt eine Nachfrage bei der Jugendanwaltschaft Solothurn, dass gegen sechs weibliche Jugendliche Strafverfahren geführt wurden. Die Verfahren sind abgeschlossen, sagte Jugendanwältin Barbara Altermatt damals zu Blick.
Fehde zwischen Dietikon und Spreitenbach
Anfang März 2019 flogen beim Shoppi Tivoli massenhaft Fäuste zwischen rund 30 jungen Männern. Auslöser für die Massenschlägerei war eine schwelende Fehde zwischen rivalisierenden Gruppen aus Spreitenbach AG und Dietikon ZH. Ein Meme soll den Streit neu entfacht haben. Beim Faustkampf blieb es nicht. Einer der Jugendlichen, ein 15-Jähriger, wurde durch einen Messerstich am Oberschenkel verletzt. Auf Instagram zeigte er Bilder seiner Verletzung. Nur dank Glück hatte der Stich die Hauptschlagader im Bein verfehlt.
Alter der Involvierten schockiert
Bereits einige Wochen vor der Massenschlägerei beim Tivoli kam es zu verstörenden Szenen in der Gegend. Es tauchten Videos auf, in denen es ebenfalls zwischen Jugendlichen brutal zu und hergeht. Nach einem hitzigen Wortgefecht eskaliert die Situation und ein Jugendlicher schlägt seinem Gegenüber direkt ins Gesicht und zieht mit der Rechten nach. Die anderen rundherum schauen zu. Eingreifen tut niemand. Das Video wird mit «Dietike fickt Spreiti mann» betitelt. Was zusätzlich schockiert, ist das Alter der Rambos. Sie scheinen kaum älter als 13 Jahre alt zu sein.
*Name geändert