Darum gehts
- Acht SVP-Kandidierende bewerben sich um Guy Parmelins Sitz, die Auswahl läuft weitgehend verdeckt
- Lateinische Kantone sowie Jus- und Wirtschaftsabsolventen hatten historisch oft bessere Chancen
- Unter den acht Bewerbenden ist Céline Amaudruz die einzige Frau, Franz Ruppen der einzige Ledige
Die Spannung ist kaum auszuhalten. Die Bundesratswahl rückt näher, doch noch ist nicht einmal klar, wer kandidiert. Die Prozesse rund um die Ticketbildung und die Hearings bei den anderen Parteien laufen weitgehend im Verborgenen ab. Selbst für Bundeshauskenner ist es schwierig, eine Prognose abzugeben. Bis zur Wahl bleibt deshalb nichts anderes übrig, als im Kaffeesatz zu lesen und darüber zu spekulieren, welche Eigenschaften einen Kandidaten oder eine Kandidatin zum Bundesrat machen.
Kantone
Die Diskussion um die Herkunftskantone gehört zu Bundesratswahlen wie das Amen in der Kirche. Steht der Sitz der Romandie zu? Muss der Kanton Zürich vertreten sein? Gehört das Wallis zur Westschweiz? Tatsächlich haben Vertreter aus der lateinischen Schweiz bessere Chancen als Deutschschweizer. Die Kantone Neuenburg, Tessin und Waadt waren im Bundesrat bisher stärker vertreten, als es ihre Grösse erwarten liesse.
In der Deutschschweiz ist der Kanton Solothurn gemessen an seiner Grösse am stärksten überrepräsentiert. Rémy Wyssmann (59), der antreten will, wäre bereits der siebte Bundesrat aus dem Kanton.
Ein Vergleich der kantonalen Vertretung zeichnet dagegen ein düsteres Bild für den Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (60). Der Aargau stellte bisher nur fünf Bundesräte. Bei über 700'000 Einwohnern ist seine Pro-Kopf-Repräsentation damit so tief wie in keinem anderen Kanton. Aus den vier Kantonen, die noch nie im Bundesrat vertreten waren – Schaffhausen, Uri, Nidwalden und Schwyz –, sind keine SVP-Kandidaturen im Rennen.
Sternzeichen
Auch für Astrologie-Begeisterte hat das Bundesratsrennen seinen Reiz. Die besten Chancen auf einen Bundesratssitz hatten seit Einführung der Zauberformel 1959 jene mit dem Sternzeichen Widder. Acht Widder sassen seither in der Landesregierung. Ganz anders sieht es bei den Stieren aus: Simonetta Sommaruga (66) war seit 1959 die einzige Vertreterin dieses Sternzeichens.
Für die Nachfolge von Parmelin stehen allerdings weder Widder noch Stiere zur Verfügung. Ebenfalls selten im Bundesrat vertreten sind Zwillinge: Seit Einführung der Zauberformel schafften es mit Viola Amherd (64) und Ruth Metzler (62) erst zwei in die Landesregierung. Michael Graber (45) und Rémy Wyssmann wären damit astrologische Exoten im Bundesrat.
Geschlecht
Seit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 wurden zehn Frauen in die Landesregierung gewählt. Das entspricht nur etwa einem Viertel aller seither Gewählten. Erst ein einziges Mal waren die Frauen im Bundesrat in der Mehrheit – und das auch nur für etwas mehr als ein Jahr. Mit der Wahl von Alain Berset (54) als Nachfolger von Micheline Calmy-Rey (81) ging die Frauenmehrheit 2012 wieder verloren.
Im Kandidatenkarussell sitzt derzeit nur eine Frau: Céline Amaudruz (47). Doch auch mit ihrer Wahl bliebe eine Frauenmehrheit ausser Reichweite. Neben Karin Keller-Sutter (62) und Elisabeth Baume-Schneider (62) wäre sie die dritte Frau im Bunde.
Amaudruz wäre zudem die erste SVP-Frau im Bundesrat. Eveline Widmer-Schlumpf (70) wurde zwar als SVP-Vertreterin gewählt, jedoch kurz nach ihrer Wahl mitsamt ihrer Kantonalpartei aus der SVP ausgeschlossen.
Beziehungsstatus
Wer Bundesrat werden will, hat im Idealfall einen Ehepartner. Ledige Bundesräte sind eine Seltenheit. Dass es aber auch ohne Ehemann oder Ehefrau geht, bewiesen zuletzt Viola Amherd und Ruth Dreifuss (86). Letztere bezeichnete ihren Beziehungsstatus einst sogar als Karrierevorteil: «Ich entspreche genau dem, was man von einer Frau in der Politik erwartet. Ledig, keine Familie, irgendetwas zwischen Mann und Frau.»
Unter den aktuell Kandidierenden gibt es nur einen, der noch nie vor den Traualtar getreten ist: den Walliser Franz Ruppen. Er würde die Singles im Bundesrat wieder vertreten. Wobei Ruppen eigentlich gar nicht so Single ist: In einem SRF-Porträt sagte er einst, er sei mit der Politik verheiratet.
Ausbildung
Die Schweiz wird in der Regel von Akademikern regiert. Zwar sassen in den letzten Jahren mit Guy Parmelin, Karin Keller-Sutter, Simonetta Sommaruga und Ueli Maurer (75) auch einige Bundesräte ohne Studienabschluss in der Landesregierung. Langfristig betrachtet bilden sie jedoch die Ausnahme.
Mit Abstand am häufigsten haben unsere Bundesräte einen Jus-Abschluss in der Tasche. Ebenfalls stark vertreten sind Absolventen eines Wirtschaftsstudiums. Bei der kommenden Wahl dürfte sich daran wenig ändern. Unter den Kandidierenden fällt einzig Pierre Alain Schnegg (63) als Wirtschaftsinformatiker aus der Reihe der Rechts- und Wirtschaftsstudierten.
Konfession
Vor der Gründung des Bundesstaates führten die konfessionellen Gegensätze noch zum letzten Krieg auf Schweizer Boden. Heute ist das Verhältnis zwischen Reformierten und Katholiken weitaus entspannter. Im Bundesrat stellten die Reformierten seit Einführung der Zauberformel eine knappe Mehrheit der Gewählten.
Nichtchristen sind hingegen äusserst selten. Ruth Dreifuss war die einzige Jüdin, Beat Jans (62) ist einer von nur wenigen Konfessionslosen. Die Kandidierenden halten sich mit ihren religiösen Überzeugungen weitgehend bedeckt. Einzig von Pierre Alain Schnegg ist bekannt, dass er einer evangelikalen Freikirche angehört.