Vogt-Aus, Jositsch-Drama, Rickli-Absage
Zürichs neuer Bundesrats-Fluch

Zürich bleibt seit Ueli Maurers Rücktritt ohne Bundesrat. Trotz mehrerer prominenter Kandidaten hat der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz Mühe, in die Landesregierung zurückzukehren.
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Mit rund 1,6 Millionen Einwohnern ist Zürich der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz.
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Zürich geniesst bei den anderen Kantonen nicht gerade grosse Beliebtheit. Fakt ist aber: Mit rund 1,6 Millionen Einwohnern ist der Kanton der bevölkerungsreichste der Schweiz. Kein Wunder also, dass Zürich seit der Gründung des Bundesstaates 1848 fast durchgehend im Bundesrat vertreten war. Doch seit dem Rücktritt von Ueli Maurer (75, SVP) will dem Kanton der Sprung zurück in die Landesregierung einfach nicht mehr gelingen. Ist Zürich vom Bundesrats-Fluch befallen?

Nach Maurers Abgang sah es für den Kanton zunächst gut aus: Er schickte mit Hans-Ueli Vogt (56) einen offiziellen Kandidaten ins Rennen. Doch gegen Albert Rösti (59) hatte er keine Chance. Rösti holte 131 Stimmen, Vogt kam auf 98. Immerhin war er damit der klare Zweitplatzierte.

Jositsch schaffte es nicht aufs Ticket

Andere Zürcher SVP-Politiker verzichteten auf eine Kandidatur. Sowohl der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker (71) als auch Nationalrat Gregor Rutz (54) stellten sich nicht zur Wahl. Stocker war erst kurz zuvor von seiner Partei dazu bewogen worden, nochmals für den Zürcher Regierungsrat anzutreten. Die kantonale SVP hatte Mühe, eine Nachfolge für ihn zu finden. Stocker wollte deshalb seine Arbeit in der Kantonsregierung nicht für ein Bundesratsmandat aufgeben.

Im selben Jahr kündigte SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga (66) ihren Rücktritt an, nachdem ihr Ehemann einen Schlaganfall erlitten hatte. Das Parlament wählte schliesslich Elisabeth Baume-Schneider (62) aus dem Jura zur Nachfolgerin. Der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch (61) wollte ebenfalls Bundesrat werden, schaffte es aber gar nicht erst aufs offizielle Ticket seiner Partei. Trotzdem hielt er an seiner Kandidatur fest und erklärte, für das Amt zur Verfügung zu stehen, sollte ihn die Bundesversammlung wählen. Das sorgte für massive parteiinterne Spannungen. Bei der Wahl blieb Jositsch chancenlos.

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Der Saal applaudiert:Hier wird Jositschs Niederlage bekanntgegeben

Als mögliche Kandidatin galt damals auch die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr (63). Sie verzichtete jedoch auf eine Kandidatur, um sich auf ihre Arbeit in der Kantonsregierung und die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen zu konzentrieren.

Lieber Zürich als Bundesbern

Nach dem Rücktritt von Mitte-Bundesrätin Viola Amherd (64) im vergangenen Jahr prüfte auch der Wädenswiler Mitte-Nationalrat Philipp Kutter (51) eine Kandidatur. Er verzichtete dann aber aus familiären Gründen. Seine schulpflichtigen Kinder hätten Vorrang, erklärte Kutter. Das Bundesratsamt sei derart zeitintensiv, dass ihm kaum genügend Zeit bliebe, um als Vater präsent zu sein.

Nun steht am 9. Dezember 2026 die nächste Bundesratswahl an. Für die Nachfolge von SVP-Bundesrat Guy Parmelin (66) galt die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (49) als eine der Favoritinnen. Doch wie bereits 2022 verzichtete sie auf eine Kandidatur. Sie wolle ihre politische Verantwortung weiterhin im Kanton Zürich wahrnehmen, erklärte Rickli. Auch Nationalrat Thomas Matter (60) wollte sich weiterhin für den Kanton Zürich einsetzen und verzichtete deshalb auf eine Kandidatur.

Ob Bundesrats-Fluch oder schlicht zu viel Arbeit im eigenen Kanton: Bis wieder eine Zürcherin oder ein Zürcher in der Landesregierung sitzt, dürfte es wohl noch eine Weile dauern – eine bald einmalige Durststrecke.

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