Heisser Kampf um Parmelin-Nachfolge in Bundesrat
Planspiele um Aeschi! Das wollen die SVP-Strategen wirklich

Acht Köpfe stehen für die Nachfolge von SVP-Bundesrat Guy Parmelin im Fokus. Der parteiinterne Favorit Thomas Aeschi ziert sich zwar noch, doch die SVP-Strategen planen trotzdem schon mit ihm.
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SVP-Bundesrat Guy Parmelin nimmt den Hut. Für seine Nachfolge wurden acht Köpfe gemeldet.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Für die Parmelin-Nachfolge liegen acht Bewerbungen auf dem Tisch
  • Tritt Fraktionschef Thomas Aeschi an, ist ihm ein Platz auf dem Ticket so gut wie sicher
  • Mit der richtigen Strategie schafft der Zuger den Sprung in den Bundesrat

Es ist die Qual der Wahl. Gleich acht Bewerbungen für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin (66) liegen auf dem Tisch der SVP-Zentrale. Nun hat die Bundeshausfraktion bis am 20. November Zeit, um über ihre Strategie zu entscheiden. Noch ist alles offen – offiziell. Doch zeichnen sich bereits erste Vorentscheide ab, wie Blick-Recherchen zeigen.

So deutet vieles auf ein Zweierticket hin: Die Sünneli-Partei hat ihre Lehren gezogen aus dem Wahldebakel von 2015. Mit einem Dreierticket bekam die SVP von den anderen Parteien den damals eigentlich ungeliebten Parmelin aufs Auge gedrückt. Der eigene Favorit Thomas Aeschi (47) ging leer aus. «Auf solche Spielchen wollen wir uns nicht noch einmal einlassen», erklären mehrere SVP-Parlamentarier. Mit einem Zweierticket habe man das Heft deutlich fester in der Hand.

Und auch heute wieder gilt Fraktionschef Aeschi als Favorit. Der Zuger zögert zwar, doch die meisten Fraktionsmitglieder sind überzeugt: «Tritt er an, schafft er es garantiert aufs Ticket.» Er gilt als intelligenter Chrampfer mit dem nötigen Rüstzeug. Mit Aeschi stehen für die Partei zwei Varianten im Fokus.

Das Hardlinerticket

Aeschi gilt als Hardliner. Um seine Chance zu erhöhen, müsste neben ihm also ein noch strikterer Hardliner mit aufs Ticket. Das passt auf den Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann (59), der parteiintern aber als «unguided missile» und damit als aussichtslos gilt.

So rückt der Walliser Nationalrat Michael Graber (45) in den Blickpunkt, der im Parlament mit seinem strammen SVP-Kurs eher auf Skepsis stösst. Das Risiko dabei: Ein reines Hardlinerticket könnte durch die anderen Parteien als Erpressungsversuch taxiert werden und zur Unterstützung einer wilden Kandidatur verleiten.

SVP-Vertreter geben sich jedoch gelassen: Schliesslich habe die SP 2023 mit Beat Jans (62) und Jon Pult (42) ebenfalls zwei Kandidaten präsentiert, die nicht als sonderlich gemässigt gegolten hätten. Kommt hinzu: Nur ein Jahr vor den Neuwahlen der Landesregierung 2027 wollen wohl die wenigsten Parteien die grosse SVP vor den Kopf stossen – und dann eine Retourkutsche riskieren.

Das Sicherheitsticket

Trotzdem, ein Restrisiko bleibt, dass am offiziellen Ticket vorbeigewählt würde. Um solche Spielchen zu vermeiden, würde neben Aeschi doch ein weniger umstrittener Flügelmann aufs Ticket gesetzt. Hört man sich in der Fraktion um, stehen hier der Walliser Staatsrat Franz Ruppen (55) und der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (63) im Vordergrund.

Mit leichtem Vorteil für Ruppen. Er gilt allgemein als «gmögiger Kerl», den viele noch aus seiner Nationalratszeit kennen. Würde er es in der eigenen Fraktion aufs Ticket schaffen, hätte er im Parlament valable Wahlchancen.

Schnegg hingegen kann als Bern-Jurassier für sich reklamieren, den Sitz für die Romandie zu verteidigen. Allerdings ist für einige ein zweiter Berner SVPler neben Albert Rösti (59) dann doch zu viel. Manchen ist Schnegg mit bald 64 auch schon zu alt. Wobei sein Alter ein Vorteil sein kann: Wer ebenfalls Ambitionen für den Bundesrat hat, könnte darauf spekulieren, dass Schnegg den Sitz nicht allzu lange besetzen würde.

Amaudruz hat einen schweren Stand

Und was ist mit den anderen Kandidierenden? Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47), die den frei werdenden Bundesratssitz für die Romandie reklamiert, stösst insbesondere in den Deutschschweizer SVP-Reihen auf viel Skepsis. Manche halten sie für abgehoben und arrogant. Andere fragen sich, wie nahe an der Partei sie als Bundesrätin bleiben würde. Ihr wird immer wieder vorgeworfen, im Nationalrat vorab Eigeninteressen zu verfolgen.

Intern bessere Chancen hat da Ständerat und Ex-Parteichef Marco Chiesa (52) – selbst wenn mit FDP-Aussenminister Ignazio Cassis (65) bereits ein Tessiner in der Landesregierung sitzt. Diese Situation dürfte sich ja in absehbarer Zeit von allein lösen. Viele rechnen mit einem Rücktritt Cassis’ im nächsten Jahr. Chiesas Chancen steigen, sollte Aeschi verzichten.

Intern aussichtslos scheint dagegen die Kandidatur des Aargauer Regierungsrats Jean-Pierre Gallati (60). Sein harter Corona-Kurs während der Pandemie ist in der Bundeshausfraktion ganz schlecht angekommen. Das scheint ihn nun einzuholen.

Aeschi unter Zugzwang

Viel hängt davon ab, ob Aeschi tatsächlich antritt oder nicht. Er sei derzeit daran, viele Parlamentarier aus den anderen Parteien zu kontaktieren, um seine Chancen auszuloten, hört man im Bundeshaus. Eine zweite Wahlklatsche will er möglichst vermeiden.

Dumm nur: «Wenn er nicht antritt, kann das genauso als Schwäche ausgelegt werden», heisst es aus den eigenen Reihen. «Es könnte der Eindruck entstehen, dass er sich davor scheut, Verantwortung zu übernehmen.» Das bringt Aeschi unter Zugzwang. Auch wenn das nicht alle so sehen. Oder wie es ein SVP-Mann formuliert: «Er hat doch nichts zu verlieren!»

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