SVP-Topshot zögert mit Bundesratskandidatur
Herr Aeschi, gelten für Sie Sonderregeln?

Will er? Will er nicht? Die Zuger SVP nominiert Thomas Aeschi für den Bundesrat. Doch der mächtige Fraktionschef ziert sich. Was dahinterstecken könnte.
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Hat er eine Sonderregel? SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi ist offiziell im Kandidatenrennen, obwohl er eine Zusage noch offen lässt.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi ist zwar als Kandidat nominiert. Eine definitive Zusage liegt aber nicht vor
  • Der Zuger Nationalrat will erst in den nächsten Tagen sagen, ob er wirklich antritt
  • Das löst die Frage aus: Ist das ein taktisches Manöver? Und gelten für den Top-Shot Sonderregeln?

Was ist denn da los bei der SVP? Alle Kandidierenden, die Bundesrat Guy Parmelin (66) beerben wollen, haben sich bis Freitagmittag klar zu ihren Ambitionen bekannt. Alle? Nicht ganz. Einer zögert.

Klare Kante zeigen, Farbe bekennen: Das gehört eigentlich zum Selbstverständnis der SVP. Doch ausgerechnet einer ihrer mächtigsten Köpfe lässt sich Zeit: Fraktionschef Thomas Aeschi (47).

Er zögert. Und man lässt ihn zögern. Aeschi wurde zwar von seiner Zuger Kantonalpartei für die Parmelin-Nachfolge nominiert. Ob er tatsächlich ins Rennen steigt, lässt er allerdings noch offen. Er will sich erst in den nächsten Wochen definitiv entscheiden. Ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang.

Steckt dahinter ein SVP-Geheimplan? Wartet Aeschi auf einen Wink von Übervater Christoph Blocher (86), wie bereits spekuliert wird? Bekommt er ein Sonderprivileg? Oder kann sich der Zuger, der seit Jahren zur Führungsriege der Partei gehört, einfach nicht entscheiden?

«Ich geniesse keine spezielle Stellung»

Weshalb hält er sich mit einer definitiven Zusage zurück, während alle anderen schon Farbe bekannt haben?

«Ich geniesse weder eine spezielle Stellung, noch ist mein Vorgehen ungewöhnlich», sagt Aeschi auf Blick-Anfrage. «Alles läuft nach dem vorgesehenen Verfahren.» Abgelaufen sei bislang lediglich die Frist für die Kantonalparteien, Kandidaturen einzureichen. Nun sei die Findungskommission am Zug, die bei Bedarf auch auf weitere Personen zugehen könne.

Wie er die kommenden Wochen genau nutzen und seine Entscheidung über eine mögliche Kandidatur treffen will, dazu äussert sich Aeschi nicht näher. Stattdessen richtet er den Blick auf das gesamte Kandidatenfeld: «Als Fraktionschef bin ich froh und stolz, dass acht gute Kandidaturen gemeldet worden sind.»

Partei macht etwas Druck auf Aeschi

So weit, so vage. Anruf bei Philip C. Brunner (71) in Zug. Der Präsident der Kantonalpartei bringt am Telefon Licht ins Dunkel. Tatsächlich musste die Zuger Parteileitung bereits am Mittwochmorgen früh entscheiden. Um 7 Uhr begann die Sitzung. Aeschi hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden. «Wir standen unter Druck, dass er alle Optionen hat», sagt Brunner. Und so wurde Aeschi bewusst nominiert, bevor er sich entschied.

Das Vorgehen war mit Aeschi abgesprochen, er war selbst an der Sitzung. Tatsächlich verhehlt Brunner nicht, dass die Partei auch etwas Druck auf ihren Parlamentarier macht. «Wir hätten Thomas Aeschi sehr gerne im Bundesrat», sagt der Parteichef. «Er ist ein ausgewiesener und kompetenter Kandidat.» Dann wäre übrigens auch der einzige Zuger SVP-Nationalratssitz frei – und ein anderer könnte sich freuen.

Aeschi will keine Niederlage einstecken

Für Aeschi steht viel auf dem Spiel, so viel ist klar. Schon 2015 griff er nach einem Sitz in der Landesregierung – und scheiterte an Parmelin. Im dritten Wahlgang unterlag der Zuger dem Waadtländer mit 88 zu 138 Stimmen. Nun könnte er elf Jahre später ausgerechnet dessen Nachfolge antreten.

Das sind Aeschis Anforderungen an die Kandidatur

Für die Auswahl des Bundesratstickets sind nach Ansicht von Thomas Aeschi vor allem zwei Kriterien entscheidend: Erstens brauche es eine Persönlichkeit, die konsequent für die Werte der SVP einstehe – «insbesondere im Kampf gegen eine schleichende EU-Anbindung und gegen Asylmissbrauch». «Zweitens muss der künftige Bundesrat durchsetzungsfähig sein, gegenüber der Verwaltung einen langen Atem beweisen und über ausgeprägte Führungsqualitäten verfügen», so Aeschi.

Für die Auswahl des Bundesratstickets sind nach Ansicht von Thomas Aeschi vor allem zwei Kriterien entscheidend: Erstens brauche es eine Persönlichkeit, die konsequent für die Werte der SVP einstehe – «insbesondere im Kampf gegen eine schleichende EU-Anbindung und gegen Asylmissbrauch». «Zweitens muss der künftige Bundesrat durchsetzungsfähig sein, gegenüber der Verwaltung einen langen Atem beweisen und über ausgeprägte Führungsqualitäten verfügen», so Aeschi.

Doch der Weg in den Bundesrat wäre auch diesmal steinig. Mit Mitte-Mann Martin Pfister (63) sitzt bereits ein Zuger im Bundesrat. Und mit seiner kompromisslosen SVP-Linie dürfte Aeschi insbesondere im links-grünen Lager einen schweren Stand haben.

Das bringt den Fraktionschef in ein Dilemma, das ihn durchaus beschäftigt, wie hinter den Kulissen zu vernehmen ist: Eine zweite Niederlage bei einer Bundesratswahl wäre ein empfindlicher Rückschlag. Gleichzeitig dürfte Aeschi genau wissen, dass sich eine solche Gelegenheit nicht alle Tage bietet. Aeschi ist ein Taktiker. Er wird jetzt ganz genau schauen, ob er Chancen hat, am Ende gewählt zu werden. Sonst kommt er nicht.

Also zögert Aeschi. Bis zum Äussersten.

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