Darum gehts
- Ethos empfiehlt, Amaudruz bei Groupe Minoteries abzuwählen, wegen fehlender Unabhängigkeit
- Ethos kritisiert zu viele Mandate und sieht mögliche Interessenkonflikte mit Finma-Vorstössen
- Amaudruz sitzt neu im Infracore-Verwaltungsrat, Huberts Firmengruppe weist Vorwürfe zurück
Die einzige Frau im Rennen um einen SVP-Bundesratssitz: Céline Amaudruz (47) ist eine einflussreiche Politikerin und erfolgreiche Bankerin. Doch ihre Geschäftstätigkeit wirft Fragen auf.
Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, hat die unabhängige Stiftung Ethos wiederholt empfohlen, Amaudruz als Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Minoteries abzuwählen. Ethos analysiert im Auftrag von Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern die Unternehmensführung kritisch. Direktor Vincent Kaufmann (46) bemängelt im Interview mit der Zeitung die Zusammensetzung und die mangelnde Unabhängigkeit des Verwaltungsrats. Diesem gehört nur eine Frau an. Zudem sitzen zwei Mitglieder seit mehr als 20 Jahren im Gremium.
«Amaudruz gilt nicht als unabhängig»
Amaudruz und ihre Familie halten eine bedeutende Beteiligung am börsenkotierten Mühlenkonzern. «Deshalb gilt sie nach unseren Kriterien nicht als unabhängig. Über sie hat die Familie erheblichen Einfluss auf das Unternehmen», sagt Kaufmann. Ein weiteres Problem sei das sogenannte Overboarding: «Frau Amaudruz hat deutlich zu viele Mandate.» Ethos bezweifle deshalb, dass sie allen Aufgaben genügend Zeit widmen könne.
Kaufmann sieht zudem mögliche Interessenkonflikte. Als Nationalrätin habe Amaudruz Vorstösse eingereicht, die darauf abzielten, die Finanzmarktaufsicht Finma zu schwächen. Diese hatte zuvor Missstände bei ihrer früheren Arbeitgeberin, der Bank Reyl, beanstandet. Hinweise darauf, dass Amaudruz selbst an den beanstandeten Geschäften beteiligt war, lägen Ethos allerdings nicht vor.
Neues umstrittenes Mandat
Im März dieses Jahres übernahm Amaudruz ein weiteres Mandat: Laut der «NZZ am Sonntag» sitzt sie im Verwaltungsrat der umstrittenen Spitalimmobiliengesellschaft Infracore. Das Unternehmen gehört zum Firmenimperium des Walliser Investors Antoine Hubert (60), der die zweitgrösste private Klinikgruppe der Schweiz aufgebaut hat.
Hubert wurden in der Vergangenheit Bilanzmanipulationen und überhöhte Erträge vorgeworfen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Seine Firmengruppe weist die Vorwürfe zurück. Amaudruz sagte der Zeitung, sie habe die Anschuldigungen vor der Annahme des Mandats geprüft. Die Antworten hätten sie überzeugt.
Auch Bundesratskandidat Pierre-Alain Schnegg (63) pflegt geschäftliche Beziehungen zu Hubert. Der Berner Gesundheitsdirektor hat gemeinsam mit dem Investor und der Krankenkasse Visana ein Gesundheitsmodell lanciert.