Ersatzwahl für den Bundesrat
Der Gegenkandidat

Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg ist in der SVP Hoffnungsträger für die Gegner der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz. Er gilt als Hardliner, ist gleichzeitig aber als Vermittler gefragt.
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Pierre Alain Schnegg will Nachfolger von Guy Parmelin werden.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Pierre Alain Schnegg steigt als Romand in das Rennen um Guy Parmelins freien Bundesratssitz ein
  • Damit wird er zum grossen Gegenspieler von Céline Amaudruz
  • Bekannt wurde Schnegg mit Sozialhilfekürzungen, später vermittelte er bei nationalen Arzttarifen

Lange schien die Sache klar: Will die SVP den Westschweizer Sitz von Guy Parmelin (66) verteidigen, führt kein Weg an der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47) vorbei. Seit Donnerstag ist das anders. Mit Pierre Alain Schnegg (63) hat sich jener Romand gemeldet, auf den die zahlreichen Deutschschweizer Gegner der Genferin in der Partei gewartet haben.

Schnegg ist für sie der logische Kandidat, wenn Amaudruz auf dem Ticket verhindert, die Westschweiz aber nicht brüskiert werden soll. Für viele in der Partei ist der Berner Regierungspräsident damit plötzlich Kronfavorit. Im nationalen Parlament sass er nie, in Bundesbern zieht er trotzdem seit Jahren Fäden. Wer ist dieser Mann aus dem Berner Jura?

Angriff auf die Sozialhilfe

Schweizweit bekannt wurde der französischsprachige Bern-Jurassier 2017, ein Jahr nach seiner Wahl in die Kantonsregierung. Damals wollte er Sozialhilfebeziehenden, die nicht arbeiten, die Beiträge um zehn Prozent kürzen. Zusammen mit seinem damaligen Generalsekretär Yves Bichsel (55), der als politischer Denker der Direktion galt, schuf er sich den Ruf eines Hardliners.

Die Kürzung kam nicht durch, verziehen hat ihm die Linke trotzdem nie. Der Slogan «Schnegg muss weg» verfing trotzdem nicht: 2018, 2022 und 2026 wurde er problemlos wiedergewählt.

Bewährter Vermittler

Doch das Bild des Hardliners ist nur die halbe Wahrheit. In der nationalen Gesundheitspolitik gilt Schnegg als einer, der Streithähne an einen Tisch bringt. Jahrelang hatten Ärzte und Spitäler mit konkurrierenden Tarifmodellen gegeneinander lobbyiert. Als Präsident der Organisation ambulante Arzttarife führte Schnegg beide zusammen, seit Januar ersetzen sie den veralteten Arzttarif Tarmed. «Es wird rumpeln», sagte er bei der Genehmigung.

Bis 2025 präsidierte Schnegg zudem die SwissDRG, die die Tarife für Spitalaufenthalte erarbeitet. Für SP-Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) ist der SVP-Mann zu einer Art Vertrauter geworden, sicher aber zum Vermittler, den sie immer wieder einspannt. Im Januar setzte sie ihn zusammen mit Parmelin an die Spitze einer Arbeitsgruppe, die mit der Pharmabranche eine Antwort auf Donald Trumps Druck auf die Medikamentenpreise sucht. Die Gespräche sind vertraulich, der Bericht ist auf Ende Jahr angekündigt, also ausgerechnet die Zeit der Bundesratswahl.

Im Kanton Bern steht Schnegg für den Umbau der Spitallandschaft, mit mehr ambulanten Eingriffen und weniger, dafür grösseren Versorgungsregionen. Im Berner Jura ging er weiter als jeder andere Gesundheitsdirektor: Das Regionalspital verkaufte der Kanton schrittweise an die Privatklinikgruppe Swiss Medical Network. Heute ist es Teil eines Versorgungsnetzes nach dem Vorbild des US-Konzerns Kaiser Permanente, das Kanton, Privatgruppe und Krankenkasse Visana gemeinsam gehört. Ärzte, Spitäler und Apotheken müssen dort mit einem festen Jahresbudget auskommen.

Vertreter der Romandie

Für Schnegg beginnt nun das Weibeln in Bundesbern. Entschieden wird im November in der SVP-Fraktion, die das Ticket bestimmt. Dort dürfte das Profil des Machers verfangen. Und der zweisprachige Schnegg weiss die Romandie-Frage für sich zu nutzen: Als Vertreter des Berner Juras preist er sich selbst als Westschweizer an.

Gegen Amaudruz richte sich seine Kandidatur «absolut nicht», sagte er dem «Tages-Anzeiger». Ihren Gegnern kommt Schnegg trotzdem gelegen. Denn schafft es die Genferin aufs Ticket, dürfte sie gewählt werden: Bei den anderen Parteien geniesst die einzige Frau im grossen Kandidatenfeld der Volkspartei durchaus Sympathien. Stoppen lässt sie sich am einfachsten in der Fraktion.

VO Céline Amaudruz Porträt
2:01
Porträt der 47-Jährigen:Céline Amaudruz will als erste SVP-Frau in den Bundesrat

Alte Bekannte

Wird Schnegg gewählt, kreuzt sich sein Weg wieder mit jenem von Yves Bichsel. Der studierte Chemiker, von 2008 bis 2016 Generalsekretär der SVP Schweiz, wechselte 2023 als Generalsekretär ins Umweltdepartement von Albert Rösti (59). Mit Schnegg und Rösti sässen zwei Bundesräte aus derselben Kantonalpartei in der Landesregierung, das wäre aussergewöhnlich.

Und Schnegg und Bichsel verbindet mehr als die lange Zusammenarbeit: Beide gehören derselben evangelikalen Freikirche Gemeinde für Christus an. Im Bundeshaus könnten sich die alten Kameraden Rösti, Schnegg und Bichsel wieder begegnen.

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