Warum «Parteifreunde» die Bundesratsfavoritin anfeinden und wer sie noch ausbremsen kann
Die SVP in der Amaudruz-Falle – kommt sie da noch raus?

Bis zu sieben Männer und Céline Amaudruz wollen in den Bundesrat. Die Genfer Bankerin galt als Favoritin. Doch in der eigenen Partei will sie kaum jemand. Warum sie sich so viele Feinde gemacht hat und wie die SVP sie noch verhindern kann. Der Wochenkommentar.
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Die SVP-Männer machen es Céline Amaudruz schwer, Bundesrätin zu werden. Auch Thomas Aeschi (l.) und Michael Graber (r.) wollen in die Regierung.
Foto: keystone-sda.ch
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Rolf CavalliChefredaktor Blick

Etwas stimmt nicht in der SVP. Oder mit Céline Amaudruz?

Céline Amaudruz (47) erklärte als Erste ihre Kandidatur. Sie wäre die erste SVP-Frau im Bundesrat, die Westschweiz beansprucht den Sitz. Doch aus der Deutschschweizer SVP kommt Eiseskälte. Nicht einmal Parteipräsident Marcel Dettling findet ein freundliches Wort für seine Vizepräsidentin.

Sind die Deutschschweizer SVP-Machos einfach gegen eine welsche Frau mit kleinen Kindern? Zieht Blocher im Hintergrund die Fäden? So einfach ist es nicht.

Amaudruz sitzt seit fast 15 Jahren im Nationalrat. Alle kennen sie. Trotzdem legt von den über 50 Deutschschweizer SVP-Bundesparlamentariern kaum einer ein gutes Wort für sie ein. Oder gerade deswegen?

Gespräche mit SVP-Nationalräten zeigen: Die Abneigung reicht über den Blocher-Kreis hinaus. Männer wie Frauen nennen Amaudruz abgehoben und arrogant. «Sie grüsst keinen, der nicht mindestens zehn Millionen Franken auf der Kante hat», spottet ein KMU-Vertreter. Gehässig, aber bezeichnend für ihr Ansehen in der Fraktion.

Schwerer wiegt der politische Vorwurf: In all den Jahren habe sie in Bern wenig erreicht und vor allem ihre eigenen Interessen vertreten. Das sagen nicht politische Gegner, sondern Parteikollegen.

Lobbyieren für Bank und Bohnen

Tatsächlich liegen manche ihrer Vorstösse auffällig nah an ihren beruflichen Interessen. Als Angestellte der Genfer Bank Reyl, die wegen Mängeln bei der Geldwäschereiabwehr ins Visier der Finma geriet, reichte sie sechs Motionen gegen die Aufsicht ein. Sie will deren Sanktionsmöglichkeiten beschneiden und fahrlässige Meldepflichtverstösse bei Geldwäschereiverdacht straflos machen. Kurz vor der Kandidatur verliess sie die Bank. Parteikollegen wittern Berechnung.

Weiter fordert Amaudruz 20 Millionen Franken Subventionen für die Förderung von Hülsenfrüchten. Sie ist Präsidentin der Mühlengruppe Groupe Minoteries und verdient dort 152'000 Franken.

VO Céline Amaudruz Porträt
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Porträt der 47-Jährigen:Céline Amaudruz will als erste SVP-Frau in den Bundesrat

Linke in der Zwickmühle

Amaudruz hat die SVP in der Romandie gestärkt. Bei EU, Migration und Neutralität hält sie die Parteilinie. Anders als Widmer-Schlumpf oder Samuel Schmid ist sie keine Abweichlerin. Die SVP zweifelt nicht an ihrer Politik, sondern an ihr als Person.

Die SVP steckt in der Klemme. Nominiert sie Amaudruz nicht, verärgert sie die Romands. Setzt sie die Genferin aufs Ticket, riskiert sie deren Wahl. Denn wer Bundesrat wird, entscheiden die anderen Parteien.

Dort punktet Amaudruz als Frau, Westschweizerin und gesellschaftspolitisch Liberale. Die Angriffe aus der SVP machen sie für die Linke noch attraktiver. Dabei verkörpert sie vieles, was Rot-Grün bekämpft: den Genfer Finanzplatz und eine Politikerin, die bei der Geldwäscherei die Zügel lockern will.

Schnegg auf der Überholspur

Die Wunschkandidatinnen Esther Friedli und Natalie Rickli haben abgesagt. Dafür treten nun sechs, vielleicht sogar sieben Männer gegen Amaudruz an. Und plötzlich tut sich für die SVP ein Ausweg auf.

Er heisst Pierre Alain Schnegg (63). Der Berner Regierungsrat aus dem französischsprachigen Berner Jura ist in der Fraktion angesehen und könnte das Romandie-Argument erfüllen. Ausgerechnet ein Mann kurz vor dem Pensionsalter könnte die Favoritin ausbremsen. Ob die Romands einen Berner gelten lassen, ist offen.

Der Zögerer und ein Geheimtipp

Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (52) ist intern beliebt. Das Bundesratsamt trauen ihm aber wenige zu. Thomas Aeschi (47) dagegen hätte als Fraktionschef einen Platz auf dem Ticket so gut wie sicher. Allerdings ziert sich der Zuger trotz der Nomination seiner Kantonalpartei – ob aus Unentschlossenheit oder als taktisches Manöver, ist unklar.

Und Jean-Pierre Gallati? Der Aargauer Regierungsrat gilt über die Parteigrenzen hinaus als führungsstark, ein Kandidat für alle, die nach Eignung fragen. Ohne Hausmacht in Bern ist er vorerst ein Geheimtipp.

Die Walliser Michael Graber (45) und Franz Ruppen (55) sowie der Solothurner Rémy Wyssmann (59) machen das Feld komplett.

Am 20. November entscheidet die SVP-Fraktion über ihr Ticket. Ein gemeinsamer Plan ist nicht erkennbar, nur eine gemeinsame Haltung: Céline Amaudruz? Bloss nicht!

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