Darum gehts
- Schwere Gewaltstraftaten haben 2025 um 8,1 Prozent auf 2654 Fälle zugenommen
- Täter vor allem Männer, Frauen hauptsächlich Opfer
- FDP-Frauen-Chefin Bettina Balmer fordert Massnahmen bei Prävention und Repression
Die Zahl der Gewaltdelikte nimmt weiter zu! Fast 50'000 Straftaten wurden letztes Jahr verzeichnet, wie die neue polizeiliche Kriminalstatistik zeigt. Deutlich zugenommen haben dabei schwere Gewaltstraftaten – um satte 8,1 Prozent auf 2654 Fälle.
Was sich dabei zeigt: Täter sind hauptsächlich Männer. Ihr Anteil macht bei schweren Gewalttaten über 94 Prozent aus! Die Opfer sind vor allem Frauen. Bei den Geschädigten liegt ihr Anteil bei 61,5 Prozent. Besonders stark ist die Belastungsrate bei jungen Frauen. Im Teenageralter von 15 bis 19 Jahren wird jedes tausendste Mädchen Opfer einer schweren Gewalttat. Wie stark Gewalt gegen Frauen zugenommen hat, illustrieren drei Bereiche besonders deutlich:
Mehr Frauen getötet
55 Personen wurden letztes Jahr getötet, 32 davon Frauen. Bei Letzteren handelt es sich oftmals um sogenannte Femizide, bei welchen eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet wird. 34 Tötungsdelikte wurden innerhalb einer bestehenden oder ehemaligen Partnerschaft oder der Familie verübt. Bei diesen Fällen im häuslichen Bereich waren 17 Frauen und fünf Mädchen Opfer – ein Anteil von 74 Prozent.
Die Zahlen der letzten Jahre zeigen: Die Täter bei Tötungsdelikten sind überwiegend Männer. Alleine letztes Jahr waren 45 der 55 beschuldigten Personen männlich.
Vergewaltigungen stark angestiegen
Stark angestiegen ist die Zahl der Vergewaltigungen mit einem Plus von 29,1 Prozent. 1402 Straftaten mit 1312 Opfern wurden registriert. Betroffen waren dabei 1250 Frauen und Mädchen. Schon im Vorjahr wurde ein Anstieg um 30 Prozent gemeldet.
Mit ein Grund für den Anstieg ist das seit Mitte 2024 geltende neue Sexualstrafrecht, welches die Definition nach dem Motto «Nein heisst Nein» ausgeweitet hat. Ein Vergleich der Zahlen mit früheren Jahren ist daher nur eingeschränkt möglich.
Häusliche Gewalt nimmt zu
Letztes Jahr verzeichnete die Polizei 22'066 Straftaten im häuslichen Bereich – ein Anstieg um 4,4 Prozent. Zu den häufigsten Straftaten zählen Tätlichkeiten (6706), Drohungen (4406), Beschimpfungen (4095) sowie einfache Körperverletzungen (2470).
Rund 70 Prozent der insgesamt 12'348 Betroffenen waren Frauen und Mädchen. Umgekehrt sehen die Verhältnisse auf der Täterseite aus: Von den 11'518 der häuslichen Gewalt beschuldigten Personen waren knapp drei Viertel Männer.
Neue Zahlen befeuern Frauenschutz-Debatte
Diese Zahlen befeuern die Debatte um Gewalt an Frauen in der Schweiz. Das Thema schlug bei der letzten Budgetdebatte im Parlament hohe Wellen, als es um eine Zusatzmillion für den Frauenschutz ging. SP-Nationalrätin Tamara Funiciello (36, BE) mobilisierte unter dem Slogan «Jetzt Frauenleben retten!» fast 500'000 Unterschriften für eine Petition, worauf die Zusatzmillion für mehr Prävention durchkam. Vor allem die SVP hatte sich dagegen gewehrt. Diese ortet im Gewaltbereich primär ein Migrationsproblem und fordert eine härtere Gangart gegenüber kriminellen Ausländern.
«Die SP will mehr Prävention, die SVP mehr Repression – es braucht aber beides!», sagt FDP-Frauen-Präsidentin und Nationalrätin Bettina Balmer (59, ZH) zu Blick. «Wir müssen die Opfer besser schützen und die Täter härter bestrafen. Es braucht da die ganze Kette an Massnahmen.»
Die FDP-Frauen arbeiten derzeit an einem Strategiepapier zum Thema Gewalt gegen Frauen, welches voraussichtlich im Mai verabschiedet wird. Darin zeigen sie auf, wo noch stärker angesetzt werden soll.
Elektronische Fussfesseln und Frauenhäuser
«Ein Mittel ist der Einsatz von elektronischen Fussfesseln gegen Täter, damit das Opfer rechtzeitig gewarnt und die Polizei rechtzeitig alarmiert wird, wenn sich der Täter nähert», sagt Balmer. Dabei nimmt sie sich Spanien als Vorbild, wo die Massnahme gute Erfolge gezeigt habe.
Auch zusätzliche Frauenhäuser kann sich Balmer vorstellen. Zudem brauche es mehr sogenannte Forensic Nurses. Das sind spezialisierte Pflegefachpersonen, die bei Vergewaltigungsopfern rasch zum Einsatz kommen und beispielsweise bei der raschen Spurensicherung eine sehr wichtige Aufgabe erledigen.
Auf der repressiven Seite will Balmer ebenfalls härter durchgreifen. «Ausschaffungen von Gewalttätern müssen strikter ausgesprochen und vollzogen werden, die Härtefallklausel sollte nur noch in wenigen Ausnahmefällen gelten.»
Das neue Strategiepapier soll aufzeigen, welche Mittel genügen und wo zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. «Was möglich ist, hängt auch vom Preisschild ab», sagt Balmer. Für sie ist aber klar: «Die Bekämpfung der häuslichen Gewalt ist wichtig – und dafür braucht es die nötigen finanziellen Mittel.»