«Scheint nicht von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein»
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Epidemiologe erklärt:«So wird das Hantavirus übertragen»

Droht uns jetzt eine Hantavirus-Pandemie?
Das musst du zum gefährlichen Erreger wissen

Nach einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff müssen mehrere Passagiere, darunter ein Schweizer, isoliert werden. Die unter den Reisenden grassierende Variante weist eine hohe Letalität auf. Wie beurteilen Fachleute die Lage?
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Schwere Hantavirus-Erkrankungen verlaufen in 30 bis 40 Prozent tödlich.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Mehrere Europäer, darunter ein Schweizer, infiziert
  • Andesvirus-Variante: 30 bis 40 Prozent Letalität, Mensch-zu-Mensch-Übertragung selten
  • Expertenmeinungen eindeutig: Hantavirus-Pandemie unwahrscheinlich
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Marian NadlerRedaktor News

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sind mehrere Europäer in Spitalbehandlung, darunter auch ein Schweizer. Die bislang noch kleine Infektionswelle ist besonders, da die Infizierten sich mit der Andes-Variante angesteckt haben, die vorwiegend in Südamerika vorkommt. Es gehört zu den wenigen Hantavirus-Stämmen, bei denen eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen ist. 

Bei manchem werden jetzt dunkle Erinnerungen an die Coronavirus-Pandemie geweckt. Doch wie vergleichbar sind die beiden Erreger überhaupt?

Welche Gemeinsamkeiten haben Corona- und Hantavirus?

Beide Viren können schwere Atemwegserkrankungen auslösen bis hin zum Tod. Die Infektion beginnt in beiden Fällen mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Und: Beide wurden von Tieren auf den Menschen übertragen. 

Was ist der Unterschied bei der Ansteckung?

«Sie erwerben die Infektion typischerweise durch das Einatmen von Aerosolen, die mit Rattenurin und Kot verunreinigt sind», erläutert der Epidemiologe Paul Hunter im Gespräch mit Blick zum Hantavirus. «Der typische Übertragungsweg ist das Ausräumen von Bereichen, in denen sich Ratten aufgehalten haben. Dabei werden die getrockneten Exkremente und Urin in die Luft gewirbelt und können eingeatmet werden», ergänzt er. Bedeutet: Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet bei beiden Viren vor allem über Aerosole statt.

Aber: Das Coronavirus verbreitet sich hocheffizient von Mensch zu Mensch, beim Hantavirus sind solche Fälle selten, primär wird es vom Tier auf den Menschen übertragen.

Und: Corona verfügt über eine hohe Infektiosität vor Symptombeginn und in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn. Beim Andesvirus herrscht bezüglich des Übertragungszeitraumes noch kein wissenschaftlicher Konsens.

Welche Unterschiede gibt es bei der Behandlung?

Beim Hantavirus gebe es keine spezifische Behandlung, nur unterstützende Massnahmen, sagt Experte Hunter. Bei Nierenversagen etwa Dialyse oder künstliche Beatmung bei Lungenbeschwerden. Das sieht beim Coronavirus teilweise anders aus. 

Bei leichten Infektionen reichen Paracetamol und Hustensaft meist aus, bei Risikopatienten können Medikamente wie Paxlovid oder Remdesivir unterstützend zum Einsatz kommen, die die Vermehrung von Sars-Cov-2 hemmen. Anders als beim Hantavirus gibt es zudem die Möglichkeit von Impfungen.

Welches Virus ist gefährlicher, und wie schützt man sich?

Die Letalität liegt bei schweren Verläufen des Hantavirus, die oft von Lungen-, Nieren- oder Herzproblemen begleitet werden, bei 30 bis 40 Prozent, wie der deutsche Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit in einem Podcast von Deutschlandfunk erklärt. Das ist deutlich höher als beim Coronavirus. Laut WHO-Daten liegt diese bei Sars-Cov-2 nur bei 0,9 Prozent der bestätigten Fälle.

Epidemiologe Hunter nennt einen Faktor, der bei den Todesfällen auf dem Kreuzfahrtschiff eine Rolle gespielt haben könnte: «Auf Kreuzfahrtschiffen sind oft überwiegend ältere Menschen anzutreffen, die ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.»

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Um sich zu schützen, ist es wichtig, bei Tätigkeiten mit möglichem Nagetierkot oder -urin besonders achtsam zu sein. «Zudem empfiehlt es sich, eine Maske zu tragen – etwa eine FFP2-Maske, wie man sie noch aus der Covid-Zeit kennt», sagt der österreichische Infektiologe Robert Krause zu SRF. Wichtig sei es ausserdem, gut zu lüften und sich gründlich die Hände zu waschen, insbesondere, wenn man sich in geschlossenen Räumen aufhält.

Wie wahrscheinlich ist eine Hantavirus-Pandemie?

Die Expertenmeinungen zeigen diesbezüglich ein klares Bild: Eine Hantavirus-Pandemie wird von den Fachleuten mehr oder weniger ausgeschlossen. «Das Virus lässt sich mit den richtigen Massnahmen gut unter Kontrolle bringen. Wir kennen dieses Virus und wissen, was zu tun ist», beruhigt etwa die Virologin Chantal Reusken vom niederländischen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) gegenüber dem TV-Sender NOS

Auch der deutsche Experte Jörg Latus, der zum Hantavirus forscht, sieht den Ausbruch im Gespräch mit «Bild» gelassen. Zum Pandemiegespenst sagt er «ganz klar nein». Man müsse sich «überhaupt keine Sorgen» machen.

Hast du dich schon mal mit dem Hantavirus infiziert? Wir interessieren uns für deine Geschichte. Melde dich bei uns schriftlich per Whatsapp auf die Nummer 079 813 80 41 oder via Mail an redaktion@blick.ch. Hier findest du zudem ein Kontaktformular. 

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