Darum gehts
- Drei Tote nach Hantavirus-Ausbruch auf Expeditionsschiff «MV Hondius» Richtung Kapverden
- Vermutlich durch Ratten übertragen, WHO bestätigt sechs Erkrankte weltweit
- Sterblichkeitsrate bis 40 Prozent, drei Patienten brauchen intensivmedizinische Betreuung
Es war ein Schock: Auf dem niederländischen Expeditionsschiff «MV Hondius» ist es zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Drei Passagiere sind nach einem Ausbruch des Hantavirus gestorben. Das Schiff war von Ushuaia in Argentinien unterwegs in Richtung Kapverden, als die Krankheit an Bord ausbrach.
Insgesamt erkrankten sechs Menschen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt. Der Vorfall sorgt international für Unruhe – nicht zuletzt, weil Infektionen mit dem Hantavirus ernst verlaufen können und deshalb besonders aufmerksam beobachtet werden. Blick erklärt dir, wie gefährlich das Virus wirklich ist, wann Vorsicht geboten ist und wie die Lage in der Schweiz aussieht.
Was ist passiert?
Alles begann mit einem 70-jährigen Niederländer. Er zeigte erste Symptome, sein Zustand verschlechterte sich rapide – er starb noch an Bord. Seine Leiche wurde auf die abgelegene Atlantik-Insel St. Helena gebracht. Kurz darauf erkrankte auch seine 69-jährige Ehefrau. Sie wurde in einer dramatischen Rettungsaktion nach Südafrika ausgeflogen, doch auch sie starb wenig später in einem Spital in Johannesburg. Ein drittes Todesopfer wurde ebenfalls bestätigt – dabei handelt es sich um einen Mann aus Deutschland.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren kommen weltweit vor. Ihre natürlichen Wirte sind vor allem Nagetiere wie Mäuse und Ratten, die das Virus häufig ihr Leben lang in sich tragen, ohne selbst daran zu erkranken.
Für den Menschen entsteht ein Risiko vor allem dann, wenn er mit Kot, Urin oder Speichel dieser Tiere in Berührung kommt. Dieser kann auch als Staub daherkommen. Eine Erkrankung ist allerdings selten.
Welche Symptome löst das Hantavirus aus?
Eine Infektion verläuft oft zunächst unbemerkt. Nicht jedes Hantavirus ist gleich gefährlich. In Europa zirkulieren vor allem Varianten, die meist mild verlaufen.
«Die wichtigsten in Europa vorkommenden Hantavirus-Typen sind das Puumala-Virus (weit verbreitet, oft harmlos) und das Dobrava-Virus (seltener, kann schwerere Verläufe verursachen)», erklärt Simon Ming vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Blick-Anfrage.
Erst nach einigen Wochen treten Symptome wie Müdigkeit, Fieber sowie Muskel- und Kopfschmerzen auf. In schweren Fällen kann es zu starkem Fieber und Blutungen kommen. Dieses Krankheitsbild nennt man hämorrhagisches Fieber.
Wenn bei diesem hämorrhagischen Fieber auch die Nieren betroffen sind, enden zwischen 1 und 15 Prozent der Fälle tödlich. Eine Infektion kann zu akutem Nierenversagen führen.
Wie gefährlich ist das Hantavirus?
Auf anderen Kontinenten ist die Lage anders: Aggressivere Hantaviren können auch die Lunge befallen und eine gefährliche Atemwegserkrankung auslösen, die sich durch Husten, Atemnot und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge äussert. In diesem Fall enden bis zu 50 Prozent aller Fälle tödlich.
«Die tödliche, rasch fortschreitende Lungenerkrankung kann sehr schnell, innerhalb von Stunden, auftreten. Auch sie kann innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen», sagt Jeff Duchin, Amtsarzt aus Seattle, der 1993 an der Charakterisierung des ersten bekannten Ausbruchs der Krankheit in den USA beteiligt war, gegenüber «NBC News».
Eine Ansteckung mit dem Hantavirus kann auch das Hantavirus-Lungensyndrom auslösen. Im vergangenen Jahr starb Betsy Arakawa (†65), die Frau von Hollywood-Legende Gene Hackman (†95), an diesem Syndrom.
«Es ist eine schreckliche Krankheit», betont Duchin. «Sie verläuft nicht immer tödlich und auch nicht immer schwerwiegend, aber die Sterblichkeitsrate liegt vermutlich immer noch bei bis zu 40 Prozent, was wirklich hoch ist.»
Wie ist die Lage in der Schweiz?
Hanta ist in der Schweiz eine seltene Krankheit mit zwischen 0 und 6 gemeldeten Fällen pro Jahr in den letzten 10 Jahren, heisst es beim BAG. Bis Ende April wurden in der Schweiz 2026 keine Fälle gemeldet. «Von diesen wenigen Fällen in der Schweiz ist die überwiegende Mehrheit auf Ansteckungen im Ausland zurückzuführen.»
Ein spezifisches Medikament oder eine Impfung gegen das Hantavirus gibt es in Europa nicht.
Wie geht es den weiteren Erkrankten?
Neben den drei Todesopfern sind noch drei weitere Personen erkrankt. Auch sie steckten sich vermutlich mit dem Virus an. Ein weiterer, erkrankter Passagier befindet sich mittlerweile auf der Intensivstation in Südafrika – zwei Crewmitglieder befinden sich noch an Bord, sind aber dringend auf medizinische Versorgung angewiesen.