Darum gehts
- Oberster Gerichtshof erklärt Trumps Strafzölle für illegal, Schweiz betroffen
- Trump hätte Zustimmung des Kongresses für Zölle einholen müssen
- Seinen Anfang nahm das Zolldrama am «Liberation Day»
Ein ewiges Auf und Ab: Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus wirbelt Donald Trump (79) mit seinen Strafzöllen die Weltwirtschaft durcheinander. Nun erklärt der Oberste Gerichtshof in den USA diese für illegal! Der US-Präsident hätte nicht eigenmächtig handeln dürfen. Die Schweiz erwischte Trump mit seiner Zollpolitik mehrfach auf dem falschen Fuss. Blick zeigt dir das Zoll-Drama in sechs Akten.
April 2025 : «Liberation Day» im Rosengarten
Die Bilder davon gingen um die Welt: Donald Trump und seine Zoll-Tafeln. An seinem selbstdeklarierten Liberation Day verhängte der US-Präsident im Rosengarten des Weissen Hauses Strafzölle gegen praktisch jedes Land der Welt. Auf die Schweiz schlug ein Zollhammer nieder: 31 Prozent. In Bundesbern war man enttäuscht – und verwirrt: Wie kommt Trump bloss auf diese Zahl?
Es war eine Milchbüechli-Rechnung ohne Logik, was die damalige Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (62) scharf kritisierte. Die Schweizer Landesregierung verzichtete aber auf Gegenmassnahmen und setzte stattdessen auf Diplomatie. Finanzministerin Keller-Sutter wähnte sich im Glauben, einen guten Draht zum Boss im Weissen Haus zu haben. Stattdessen endete das 34-Minuten-Telefonat mit Trump am 31. Juli in einer grossen Pleite.
August 2025 : 39-Prozent-Zollhammer am Nationalfeiertag
Am Nationalfeiertag riss schlechte Kunde aus Übersee die Schweiz aus dem Schlaf. Bereits am Abend zuvor hatte sich angedeutet, dass sich die Hoffnungen auf einen Deal mit Trump zerschlagen hatten. Mit was der US-Präsident unser Land dann aber eindeckte, schlug ein wie eine Bombe: ein noch höherer Strafzoll von 39 Prozent. Wirtschaftsminister Guy Parmelin (65) und Keller-Sutter machten lange Gesichter und mussten der Öffentlichkeit diese aussenpolitische Pleite erklären.
Die Wirtschaft heulte auf – und gab sich teilweise angriffig. So forderte etwa Swatch-Chef Nick Hayek (71) im Blick einen 39-Prozent-Zoll auf Schweizer Goldexporte in die USA. Es war dann unter anderem ein anderer Uhrenfirma-Boss, der zusammen mit anderen hiesigen Wirtschaftsgrössen den US-Präsidenten umstimmen konnte.
November 2025: Wir haben einen Deal
Anfang November reiste eine sechsköpfige Gruppe von namhaften Unternehmern aus der Schweiz zu Trump ins Weisse Haus. Sie schenkten dem US-Präsidenten eine Rolex-Tischuhr und einen Goldbarren – und landeten einen Coup. Wenige Tage später war es nämlich so weit. Der Bundesrat konnte am 14. November den Deal verkünden, auf den die Schweizer Wirtschaft sehnlichst gewartet hatte: 15 statt 39 Prozent Zölle – gleich viel wie die EU. Hiesige Wirtschaftsverbände und Unternehmen sprachen von einem «Aufatmen mit einem Aber». Schliesslich haben die USA der Schweiz einige Zugeständnisse abgerungen.
Endgültig beerdigt wurde der 39-Prozent-Zollhammer dann vor zwei Wochen. Der frisch gewählte Bundespräsident Parmelin gab am 10. Dezember bekannt, dass der neue Zoll von 15 Prozent gilt – und zwar rückwirkend per 14. November. Trotzdem steht der Deal weiter auf wackligen Beinen, beruht er doch bloss auf einer rechtlich unverbindlichen Absichtserklärung. Einen unterschriebenen Vertrag gibt es bislang nicht. Ein Abkommen soll es bis zum 31. März geben. Nur: Mit dem wankelmütigen Mann im Weissen Haus ist eine erneute Wende im ganzen Zoll-Zickzack jederzeit möglich.
Januar 2026: Trump am WEF
Am diesjährigen World Economic Forum (WEF) darf der US-Präsident nicht fehlen. Doch auch auf der Bühne in Davos GR nimmt Trump kein Blatt vor den Mund. «Sie war ganz aggressiv!», sagt er über Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62). Genüsslich zieht er über das Telefonat mit ihr her. Auch das Handelsbilanzdefizit von 41 Milliarden Dollar ist am WEF erneut Thema.
Das Finanzdepartement von Keller-Sutter zeigte sich nach dem Auftritt des US-Präsidenten kurz angebunden. «Wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung in der Schweiz das einzuordnen weiss», so ein Sprecher. Bereits im August 2025 lästerte Trump öffentlich über die damalige Bundespräsidentin.
Februar 2026: Trump lästert weiter
Kurz darauf gibt Trump in enem Interview mit dem US-Sender Fox Business zu: Er habe die Zölle auf die Schweiz angehoben, weil ihm die Art und Weise, wie die Schweizer Bundespräsidentin mit ihm sprach, genervt hat. Deswegen erhöhte er dazumal die zuerst angekündigten Zölle von 30 auf 39 Prozent.
Weiter argumentiert der US-Präsident: Die Schweiz sei nur so reich, weil es Länder wie die USA ihr erlauben, viel Geld zu machen. Diesmal spricht er von einem Handelsdefizit von 42 Milliarden Dollar. Im Interview bezeichnet er Keller-Sutter wiederholt als «Premierministerin». Auch den Deal, zu dem sich die Schweiz und die USA bisher nur mündlich geinigt haben, griff Trump auf: «Dann wurde ich von Leuten aus der Schweiz überrannt, und ich dachte mir: ‹Wisst ihr was, wir machen etwas, das etwas erträglicher ist›», erklärte er. So entschied er sich für die Senkung der Zölle auf 15 Prozent Ende letzten Jahres.
Februar 2026: Supreme Court erklärt Zölle für illegal
Der Oberste Gerichtshof in den USA erklärt die US-Strafzölle für illegal. Die Richter entschieden mit 6 zu 3 Stimmen. Somit ist es die wohl bisher grösste Niederlage für Trump in seiner zweiten Amtszeit. «Angesichts des Umfangs, der Geschichte und des verfassungsrechtlichen Kontexts dieser beanspruchten Befugnis muss er eine eindeutige Ermächtigung des Kongresses für deren Ausübung nachweisen», schreibt das Gericht. Trump hätte bei den Zöllen also nicht eigenmächtig handeln dürfen – sondern hätte die Zustimmung des Kongresses gebraucht.
Konkret geht es beim Urteil um all jene Zölle, die Donald Trump auf Basis des sogenannten International Emergency Economic Powers Acts (IEEPA) verhängt hat. Somit betrifft das Urteil die Anfang April angekündigten Strafzölle sowie den 39-Prozent-Zollhammer gegen die Schweiz vom 1. August. Grund für die Untersuchung war, dass mehrere mittelständische US-Importunternehmen vor dem Supreme Court geklagt hatten. Zwölf Bundestaaten schlossen sich der Klage an.