Darum gehts
- USA senkt Importzölle auf Schweizer Waren rückwirkend auf 15 Prozent
- Provisorische Vereinbarung zwischen Bern und Washington zur Zollsenkung getroffen
- Schweizer Unternehmen verpflichten sich zu 200 Milliarden Dollar Investitionen bis 2028
Überraschende Wende im Zollstreit mit den USA: Laut einem Reuters-Bericht hebt Washington die happigen Importzölle auf Schweizer Waren deutlich – und sogar rückwirkend auf. Statt 39 Prozent sollen seit dem 14. November nur noch 15 Prozent gelten.
So zumindest stand es laut Reuters auch auf der Webseite der Bundesverwaltung. «Die Verordnung über Einfuhrzölle tritt rückwirkend zum 14. November 2025 in Kraft.»
Allerdings: Kurz darauf ist die Meldung bereits wieder weg! Gegenüber Reuters wollte eine Seco-Sprecherin die Wende im Zollstreit nicht bestätigen. Stellt sich die Frage: Haben die Beamten voreilig informiert – oder gar einen fehlerhaften oder unfertigen Entwurf publiziert?
Hinweis «fälschlicherweise publiziert»
Das Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin (66) wollte diese Meldung gegenüber der «NZZ» aber nicht bestätigen. «Die Reuters-Meldung beruht auf einem fälschlicherweise publizierten (inzwischen wieder zurückgezogenen) Hinweis auf eine Webseite der Bundesverwaltung, die noch nicht aktiv ist», schreibt ein Sprecher.
Die Bundesverwaltung habe Inhalte «für verschiedene Varianten» vorbereitet, könne aber derzeit keine davon bestätigen. Die Behörde werde in der Sache zu gegebener Zeit aktiv kommunizieren, sagt ein Sprecher zu Blick.
Brisant: Der Fehler ist nicht bei Parmelins Wirtschaftsdepartement passiert, sondern beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), wie das Seco gegenüber Blick mitteilt. Dieses Amt gehört zum Finanzdepartement von Bundesrätin Karin Keller-Sutter (61).
Es geht um 150 Millionen Franken
Unabhängig davon: Für die Schweizer Wirtschaft geht es dabei um viel Geld. Ein kleines Zahlenspiel: Laut Schätzungen der «NZZ» haben die USA in den letzten Monaten jeweils mehr als 300 Millionen Dollar an Zöllen auf Schweizer Produkten eingenommen.
Angenommen, der Strafzoll hätte in den 26 Tagen seit dem 14. November nur 15 statt 39 Prozent betragen, ergibt sich folgende Differenz: rund 185 Millionen Dollar. Heisst: Gelten die tieferen Zölle rückwirkend, dürften die USA rund 150 Millionen Franken an Zolleinnahmen zu viel generiert haben.
Das ist der Deal
Die Senkung wäre Teil einer provisorischen Vereinbarung, die Bern und Washington Mitte November abgeschlossen haben. Im Gegenzug verpflichteten sich Schweizer Unternehmen, bis Ende 2028 rund 200 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Zustande kam der Deal erst, als eine hochrangige Delegation von Schweizer Milliardären Donald Trump im Oval Office besucht hat. Und nach einem Gespräch von Wirtschaftsminister Guy Parmelin (66) mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer (46).
Die USA hatten die 39-Prozent-Zölle am 1. August eingeführt – mit Verweis auf das Handelsdefizit gegenüber der Schweiz. Es waren die höchsten Strafzölle, die die Trump-Regierung je gegen ein europäisches Land verhängte. Die Zölle von 39 Prozent sorgten hierzulande für grosse Verunsicherung.