Darum gehts
- Berta Caminada (78) aus Bonaduz GR startet kantonale «Anti-Diskriminierungs-Initiative»
- Ziel: Bargeld als Zahlungsmittel in staatlichen Bereichen erhalten, trotz Digitalisierung
- Über 8000 Unterschriften gegen Bargeldverbot in Bündner Postautos seit Ende 2025
Berta Caminada (78) aus Bonaduz GR kämpft fürs Zahlen mit Münz – und ist längst weit über den Kanton Graubünden hinaus bekannt. Die Rentnerin setzt sich dafür ein, dass man in Bündner Postautos wieder mit Kleingeld bezahlen kann. Oder dass Parkautomaten in Bonaduz oder Ilanz Münzen schlucken. Und sie brachte den Ilanzer Gemeindepräsidenten Marcus Beer (64) bei der Übergabe einer Münz-Petition an den Rand eines Ausrasters – später stellte er vor dem Gemeindeparlament die Vertrauensfrage, ist aber weiter im Amt.
Caminada und ihre Mitstreiter haben die Nase voll von QR-Codes, Park-Apps und Automaten, die nur Twint und Kreditkarten akzeptieren. Jetzt geht sie mit einer Volksinitiative gegen die fortschreitende Digitalisierung in die Offensive – auf Kantonsebene. Die parteilose Bonaduzerin lanciert heute Freitag die kantonale «Anti-Diskriminierungs-Initiative».
Auch in öffentlichen Toiletten
Ihr Ziel: Überall dort, wo Leistungen vom Staat oder von staatsnahen Betrieben angeboten werden, soll weiterhin auch mit Bargeld bezahlt werden können. Betroffen wären etwa Postautos, öffentliche Parkplätze oder öffentliche Toiletten. Digitale Zahlungsmöglichkeiten sollen zwar bleiben – Bargeld aber nicht verschwinden. «Muss man Kindern eine EC-Karte oder ein Smartphone geben, damit sie ein Postauto benützen oder damit sie auf eine öffentliche Toilette gehen können? Das geht zu weit!», sagt Caminada zu Blick.
Auslöser für den Vorstoss ist der Streit um die Bündner Postautos. Seit Ende 2025 können Fahrgäste ihre Billette nicht mehr direkt beim Chauffeur mit Bargeld kaufen. Dagegen sammelte Caminada innert kurzer Zeit mehr als 8000 Unterschriften. Weil Regierung und Postauto AG bei ihrem Entscheid blieben, folgt nun die Volksinitiative. Bei der Übergabe der Postauto-Petition im Dezember 2025 hatte sie eine solche angekündigt. Jetzt hält die parteilose Bündnerin Wort – und betritt kurz vor dem 80. Geburtstag erstmals die grosse Politbühne.
Rückenwind aus dem Ausland?
Die Initianten sprechen von einer «Diskriminierung» jener Menschen, die mit digitalen Zahlungsmitteln Mühe haben. Dazu gehörten ältere Menschen, Kinder, Personen mit Beeinträchtigungen oder Menschen, die bewusst keine digitalen Spuren hinterlassen wollen. Auch wer sich kein modernes Smartphone leisten könne, werde zunehmend ausgeschlossen. Für Caminada ist deshalb klar: «Bei uns müssen alle gleich behandelt werden. Egal, ob sie mit Karte, mit dem Handy oder eben mit Münz bezahlen wollen!», sagt sie zu Blick.
Rückenwind erhoffen sich die Initianten aus dem Ausland. Sie verweisen auf Norwegen und Schweden, wo Bargeld nach Sicherheitsbedenken und wegen Cyberrisiken wieder stärker geschützt wird. Hierzulande scheiterte im März die nationale Bargeld-Initiative an der Urne, den Gegenvorschlag nahm das Stimmvolk aber deutlich an. Nun wird der Franken als Schweizer Währung in der Bundesverfassung festgeschrieben. Und im Kanton Genf wurde kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Restaurants, Cafés und Hotels zur Annahme von Bargeld verpflichtet. Im Kanton Graubünden soll nun das Volk das letzte Wort haben.
Wo soll man gesetzlich festgeschrieben immer mit Bargeld zahlen können? Im Supermarkt? Am Billett-Automaten? Im Restaurant? Schreib uns deine Meinung in den Kommentaren.