Darum gehts
- Ilanzer Gemeindepräsident Marcus Beer rastet wegen Bargeld-Petition Anfang Februar aus
- Beer nennt ältere Menschen «Last», Anzeige wegen heimlicher Videoaufnahme erfolgt
- Am Mittwoch stellt er dem Gemeindeparlament die Vertrauensfrage
Und dann – nichts
«Es steht uns nicht zu, über dieses Misstrauensvotum zu befinden oder uns dazu zu äussern», sagt der Parlamentspräsident. Denn in keinem Erlass, in keinem Gesetz, nirgends sei festgehalten, dass ein Parlament über ein solches Anliegen beraten oder gar abstimmen sollte – oder dürfte.
Aus diesem Grund werde also weder darüber gesprochen, noch darüber abgestimmt. «Und damit schliessen wir diese erste, mit Spannung erwartete Sitzung.» Knall auf Fall ist diese erste Parlamentssitzung des Ilanzer Gemeindeparlaments beendet. Die Besucherinnen und Besucher verlassen den Saal.
Kein Misstrauensvotum im Parlament!
«Die Zusammenarbeit mit euch ist mir wichtig», sagt Beer gegenüber dem Parlament. «Bin ich als Gemeindepräsident nicht mehr tragbar, bin ich unmöglich, muss ich zurücktreten?» Für ihn sei ein Abgang kein Problem. «Ich klebe nicht an diesem Amt.»
Er sei teilweise aufbrausend und mache manchmal Aussagen, die «nicht so gut» seien. Sein Ausraster auf Video erklärt er so: «Ich wollte damit sagen, dass auch wir Älteren ein bisschen bescheidener sein könnten.» Ein Satz von ihm sorgt für Schnauber im Publikum: «Es gibt unter den Älteren auch viele Vernünftige.»
Der Parlamentspräsident nimmt das zu Kenntnis – und erstickt die Debatte im Kern! Er werde keine Diskussion, keine Abstimmung im Parlament zulassen.
Jetzt gehts um die Vertrauensfrage
Die Sitzung ist schon fast am Ende angelangt. Der letzte Punkt auf der Traktandenliste heisst «Fragerunde». Und dort sind wir jetzt langsam aber sicher angelangt. Die Spannung steigt.
Gemeindepräsident Marcus Beer ergreift das Wort. «Ich nehme an, alle sind orientiert über diesen medialen Aufruhr», sagt er. «Mein verhalten war irrational, unreflektiert und unprofessionell.» Es sei aber nicht so, dass man in Ilanz nur digital bezahlen könne. Die Gemeinde wolle auch in Zukunft Bargeld-Möglichkeiten auf Parkplätzen anbieten.
«Wir haben die Petition entgegengenommen und verifizieren die Unterschriften», fährt der Gemeindepräsident fort. Danach werde die Petition im Gemeinevorstand beraten.
Kapo Graubünden: «Die Gemeindepolizei ist vor Ort»
Wie Blick weiter vernimmt, sitzen Polizisten sogar im Saal und sorgen dort für Sicherheit, falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Zusätzlich zum Wachtposten beim Haupteingang der Schulaula haben sich mindestens zwei weitere Beamte in Zivil auch unters Publikum gemischt. Es handelt sich vornehmlich um Gesetzeshüter der Gemeindepolizei. Aber nicht nur.
Blick fragt bei der Medienstelle der Kantonspolizei Graubünden nach. Dort heisst es, dass die Kantonspolizei im Vorfeld der Sitzung orientiert wurde. Man habe aufgrund der Situation nicht einschätzen können, ob eine konkrete Gefahr bestehen könnte. «Eine Patrouille wurde um 19 Uhr vor Ort geschickt, da aber alles ruhig verlief, ging sie kurz darauf wieder. Die Gemeindepolizei ist vor Ort.»
Sitzung findet unter Polizeischutz statt!
Wie Blick gerade in Erfahrung bringen konnte, wird die Sitzung des Parlaments geschützt – und zwar durch die Polizei! Beim Haupteingang zur Aula der Schule Ilanz ist ein Polizist in Zivil stationiert. Üblich ist das nicht.
Den Informationen zufolge hat das Gemeindeparlament bei der Gemeindepolizei um diese Sicherheitsvorkehrung gebeten. Ein Foto oder ein Interview lehnt der Polizist ab. Auch der Beweggrund für die Polizeipräsenz – etwa, ob es Drohungen oder dergleichen gegeben hat – ist unklar.
Was hingegen sehr klar wird: So heiter diese Parlamentssitzung zunächst schien, so ernst sind die Sicherheitsbestrebungen hinter den Kulissen in Ilanz GR. Hier wird nichts mehr dem Zufall überlassen.
Es dauert – Zeit für Lektüre
Noch wird es einige Zeit dauern, bis die Vertrauensfrage des Gemeindepräsidenten an der Reihe ist. Viele Journalisten, die sich in die Aula der Schule Ilanz begeben haben, warten eigentlich nur darauf. Die Vielzahl von RTR- und SRF-Mikrofonen hat Blick dazu bewogen, das Eigene auch noch auf den Tisch zu legen.
Während der Wartezeit auf die Vertrauensfrage empfehlen wir interessierten Leserinnen und Lesern unser Portrait über den vielkritisierten Marcus Beer. Wer der 64-Jährige ist, lesen Sie hier.
Auch der Dönermann ist da
Die Zuschauertribüne in der Aula der Schule Ilanz ist zum Bersten voll. An die 70 Besucherinnen und Besucher sind gekommen – die wenigsten wahrscheinlich wegen der Neukonstituierung des Gemeindeparlamentes. Sie wollen die Vertrauensfrage von Beer beobachten.
Auf einem zusätzlich eingerichteten Zuschauerbereich auf der Bühne der Aula hat sich auch ein alter Bekannter eingefunden. Es ist Kadir Ayhan (36), der Dönermann von Ilanz.
Der Chef des Bistros Ilanz sprach am Dienstag mit Blick und nahm den Gemeindepräsident nach dessen Ausraster teilweise in Schutz. «Wir wissen, dass der Herr Beer ein bisschen temperamentvoll ist. Es war ein Ausrutscher, den ich nicht so scharf verurteile.»
Aber, fügte er lachend an: «Er soll einfach ein bisschen aufpassen, das Ganze ein bisschen geduldiger angehen.»
Gemeindepräsident: «Kein Kommentar»
Blick versucht sein Glück noch einmal beim Gemeindepräsidenten. Zur Erinnerung: Im Vorfeld hatte Blick mehrmals versucht, mit Marcus Beer in Kontakt zu treten – per Mail und per Telefon.
Der Gemeindepräsi wirkt während einer Ratspause am Mittwochabend demonstrativ gelassen und lässt sich bereitwillig ablichten.
Aber bei einer Frage weicht das Lächeln einem ernsteren Gesichtsausdruck – die nach einem Interview vor der Kamera. «Kein Kommentar», heisst es von Marcus Beer freundlich – aber bestimmt.
Ein heiterer Auftakt
Der neue Parlamentspräsident Flavio Elvedi (FDP) löst Quinter ab. Mehrmals werden die Anwesenden darauf aufmerksam gemacht, dass «Bild- und Tonaufnahmen jederzeit durch das Parlamentspräsidium untersagt werden können».
Als es um die Wahl des Vizepräsidenten geht, ergreift ein Parlamentarier das Wort und nutzt sein Votum zur Beglückwünschung des neu gewählten Präsidenten: «Chapeau Flavio, so viel Besucher und so viel Medienpräsenz hatte ich bei meiner Wahl vor zwei Jahren nicht.» Gelächter erfüllt den Saal – es ist ein heiterer Auftakt.
Die Sitzung ist eröffnet
Der Alterspräsident Claudio Quinter (56, die Mitte), der 2022 als Kandidat für das Gemeindepräsidium antrat und gegen Marcus Beer verlor, eröffnet die Sitzung. Der grosse Andrang freut ihn. «Es heisst, dass in der Schweiz sich immer weniger Leute für die Ämter der Lokalpolitik bewerben. Bei uns stimmt das nicht!»
Die Sitzung beginnt mit der Wahl der Stimmenzähler. Die Traktanden sehen vor, dass danach unter anderem der Parlamentspräsident, der Vizepräsident, das Aktuariat, die Geschäftsprüfungskommission und der Schulrat gewählt.
Irgendwann danach wird sich das Parlament dann mit der Vertrauensfrage von Marcus Beer beschäftigen. Während Quinter spricht, lauscht Beer aufmerksam. Er wirkt konzentriert, von Nervosität keine Spur.
Ein starker Auftritt war es allemal. Wenn auch kein sonderlich sympathischer. Der Gemeindepräsident von Ilanz GR, Marcus Beer (64, parteilos), kanzelte Anfang Februar im Rathaus des Surselver Hauptorts eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern nach Strich und Faden ab.
Die Gemeinde setzt derzeit ein neues Park-Regime durch. Dafür wurden gewisse Münz-Parkuhren entfernt und mit QR-Codes auf Schildern ersetzt. Heisst: Parkieren können nur noch die, die digital mit dem Handy zahlen. Aber das möchten und können nicht alle.
Eine Gruppe sammelte seit den Weihnachtstagen deshalb Unterschriften und überbrachte diese dem Gemeindepräsidenten in Form einer Petition. Sie wollen, dass man weiterhin auch mit Cash zahlen kann.
«Die Alten sind unsere Last»
Zu viel für den Präsi: «Wissen Sie eigentlich, dass Sie zulasten der Jugend arbeiten? Die Jugend zahlt diesen Scheissdreck, den ein paar Alte hier durchsetzen.» Und dann lässt er sich zu einer verheerenden Aussage hinreissen: «Die Alten sind unsere Last.»
Die Petitionäre filmen das Ganze – auch das geht dem Vorsteher der Gemeinde Ilanz gehörig gegen den Strich. Später erstattet er Anzeige wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte, er sei «heimlich» gefilmt worden. Das Video verbreitet sich rasant, Medien aus dem In- und Ausland berichten.
«Dann gings schon los»
«Ich wollte nur eine Petition abgeben», sagt Ingrid Albin (50) aus Siat GR, das zu Ilanz gehört. Sie stand im Video direkt neben dem wütenden Gemeindepräsidenten.
Blick trifft die Petitionärinnen im Ilanzer Schneetreiben. «Ich bin schockiert, dass es eine solche Reaktion gegeben hat.» Die Gruppe insistiert: Es sei komplett ohne ihr Zutun eskaliert: «Wir sind rein, haben ihm die Hand gegeben und einen guten Morgen gewünscht. Und dann gings schon los.»
Kollegin Lucia Alpiger (54) aus Ladir GR (Gemeinde Ilanz) ergänzt: «Wir sind nicht gegen Twint oder Parkingpay. Wir wollen einfach, dass das Bargeld ebenfalls erhalten bleibt!»
«Ich hätte meine Sachen gepackt und wäre gegangen»
Der Kopf der Bargeld-Bewegung ist Berta Caminada (77). Sie ist eine Art Grande Dame des Bargelds und macht sich nicht zum ersten Mal für Nötli und Münz stark. Nachdenklich sagt sie in einem Ilanzer Café zu Blick: «Dass alte Leute hier so drangekommen sind, schmerzt mich.» Sie lässt die Entschuldigung des Gemeindepräsidenten per Medienmitteilung nicht gelten: «Er hat sich nicht für den Inhalt seiner Worte entschuldigt. Hätte er das gemacht, sähe es anders aus.»
Von Caminada hört man keine öffentliche Rücktrittsforderung. Aber sie sagt: «Wäre mir das passiert, hätte ich meine Sachen gepackt und wäre gegangen.»
Rücktritt steht im Raum
In einem Statement kroch der Gemeindepräsident zu Kreuze: «Meine Reaktion war emotional und unprofessionell. Dafür entschuldige ich mich.» Gleichzeitig stellte er die Vertrauensfrage: «Das Parlament wird darüber entscheiden können, ob ich für das Amt des Gemeindepräsidenten noch tragbar bin.»
Auch wenn der Kanton Graubünden ein Amtsenthebungsverfahren nicht kennt, dürfte das Votum des Rats heute Mittwochabend deutliche – wenn auch nur symbolische – Signalwirkung haben. Beer entscheidet letztlich selbst, ob er abdankt.
Hinter vorgehaltener Hand wird Ilanz deutlich
Blick hört sich am Dienstag in Ilanz um. Vor die Kamera will fast niemand. Während Räumungsfahrzeuge ihre Runden drehen und dicke Flocken vom Himmel schweben, erklärt ein Ilanzer aufgebracht die Medien zum Feind. Die Berichterstattung rund um den Gemeindepräsidenten sei «lächerlich».
Viele kritisieren Marcus Beer. «Er hätte einfach seinen Mund halten sollen», sagt eine Passantin. «In dieser Situation hatte er den Hut des Gemeindepräsidenten auf, seine persönliche Meinung hat dort nichts zu suchen.» Ein anderer Ilanzer ist deutlich undiplomatischer: «Von einem Juristen hätte ich mehr erwartet. Der soll verreisen!»
Dönermann beruhigt – Gemeindepräsident schweigt
Einer, der vor die Kamera tritt, ist Kadir Ayhan (36), der Dönermann im Dorf. «Wir wissen, dass der Herr Beer ein bisschen temperamentvoll ist. Es war ein Ausrutscher, den ich nicht so scharf verurteile.»
Die Bargeld-Petition unterstützt er, Unterschriftenbögen lagen bei ihm im Bistro auf. Von einem Rücktritt hält Ayhan nichts: «Herr Beer ist ein Lieber. Er soll weitermachen.» Lachend fügt er an: «Er soll einfach ein bisschen aufpassen, das Ganze ein bisschen geduldiger angehen.»
Blick bot dem Gemeindepräsidenten mehrmals das Gespräch an. Einmal schreibt er zurück, dass die Parkordnung aktuell überarbeitet werde. «Vor Abschluss dieser Arbeiten macht eine Stellungnahme daher keinen Sinn.»
Das sehen viele anders. Und spätestens heute Abend wird er wohl etwas zu seinem verunglückten Auftritt sagen müssen. Blick berichtet live von der Parlamentssitzung in der Schulaula in Ilanz.
Und dann – nichts
«Es steht uns nicht zu, über dieses Misstrauensvotum zu befinden oder uns dazu zu äussern», sagt der Parlamentspräsident. Denn in keinem Erlass, in keinem Gesetz, nirgends sei festgehalten, dass ein Parlament über ein solches Anliegen beraten oder gar abstimmen sollte – oder dürfte.
Aus diesem Grund werde also weder darüber gesprochen, noch darüber abgestimmt. «Und damit schliessen wir diese erste, mit Spannung erwartete Sitzung.» Knall auf Fall ist diese erste Parlamentssitzung des Ilanzer Gemeindeparlaments beendet. Die Besucherinnen und Besucher verlassen den Saal.
Kein Misstrauensvotum im Parlament!
«Die Zusammenarbeit mit euch ist mir wichtig», sagt Beer gegenüber dem Parlament. «Bin ich als Gemeindepräsident nicht mehr tragbar, bin ich unmöglich, muss ich zurücktreten?» Für ihn sei ein Abgang kein Problem. «Ich klebe nicht an diesem Amt.»
Er sei teilweise aufbrausend und mache manchmal Aussagen, die «nicht so gut» seien. Sein Ausraster auf Video erklärt er so: «Ich wollte damit sagen, dass auch wir Älteren ein bisschen bescheidener sein könnten.» Ein Satz von ihm sorgt für Schnauber im Publikum: «Es gibt unter den Älteren auch viele Vernünftige.»
Der Parlamentspräsident nimmt das zu Kenntnis – und erstickt die Debatte im Kern! Er werde keine Diskussion, keine Abstimmung im Parlament zulassen.
Jetzt gehts um die Vertrauensfrage
Die Sitzung ist schon fast am Ende angelangt. Der letzte Punkt auf der Traktandenliste heisst «Fragerunde». Und dort sind wir jetzt langsam aber sicher angelangt. Die Spannung steigt.
Gemeindepräsident Marcus Beer ergreift das Wort. «Ich nehme an, alle sind orientiert über diesen medialen Aufruhr», sagt er. «Mein verhalten war irrational, unreflektiert und unprofessionell.» Es sei aber nicht so, dass man in Ilanz nur digital bezahlen könne. Die Gemeinde wolle auch in Zukunft Bargeld-Möglichkeiten auf Parkplätzen anbieten.
«Wir haben die Petition entgegengenommen und verifizieren die Unterschriften», fährt der Gemeindepräsident fort. Danach werde die Petition im Gemeinevorstand beraten.
Kapo Graubünden: «Die Gemeindepolizei ist vor Ort»
Wie Blick weiter vernimmt, sitzen Polizisten sogar im Saal und sorgen dort für Sicherheit, falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Zusätzlich zum Wachtposten beim Haupteingang der Schulaula haben sich mindestens zwei weitere Beamte in Zivil auch unters Publikum gemischt. Es handelt sich vornehmlich um Gesetzeshüter der Gemeindepolizei. Aber nicht nur.
Blick fragt bei der Medienstelle der Kantonspolizei Graubünden nach. Dort heisst es, dass die Kantonspolizei im Vorfeld der Sitzung orientiert wurde. Man habe aufgrund der Situation nicht einschätzen können, ob eine konkrete Gefahr bestehen könnte. «Eine Patrouille wurde um 19 Uhr vor Ort geschickt, da aber alles ruhig verlief, ging sie kurz darauf wieder. Die Gemeindepolizei ist vor Ort.»
Sitzung findet unter Polizeischutz statt!
Wie Blick gerade in Erfahrung bringen konnte, wird die Sitzung des Parlaments geschützt – und zwar durch die Polizei! Beim Haupteingang zur Aula der Schule Ilanz ist ein Polizist in Zivil stationiert. Üblich ist das nicht.
Den Informationen zufolge hat das Gemeindeparlament bei der Gemeindepolizei um diese Sicherheitsvorkehrung gebeten. Ein Foto oder ein Interview lehnt der Polizist ab. Auch der Beweggrund für die Polizeipräsenz – etwa, ob es Drohungen oder dergleichen gegeben hat – ist unklar.
Was hingegen sehr klar wird: So heiter diese Parlamentssitzung zunächst schien, so ernst sind die Sicherheitsbestrebungen hinter den Kulissen in Ilanz GR. Hier wird nichts mehr dem Zufall überlassen.
Es dauert – Zeit für Lektüre
Noch wird es einige Zeit dauern, bis die Vertrauensfrage des Gemeindepräsidenten an der Reihe ist. Viele Journalisten, die sich in die Aula der Schule Ilanz begeben haben, warten eigentlich nur darauf. Die Vielzahl von RTR- und SRF-Mikrofonen hat Blick dazu bewogen, das Eigene auch noch auf den Tisch zu legen.
Während der Wartezeit auf die Vertrauensfrage empfehlen wir interessierten Leserinnen und Lesern unser Portrait über den vielkritisierten Marcus Beer. Wer der 64-Jährige ist, lesen Sie hier.
Auch der Dönermann ist da
Die Zuschauertribüne in der Aula der Schule Ilanz ist zum Bersten voll. An die 70 Besucherinnen und Besucher sind gekommen – die wenigsten wahrscheinlich wegen der Neukonstituierung des Gemeindeparlamentes. Sie wollen die Vertrauensfrage von Beer beobachten.
Auf einem zusätzlich eingerichteten Zuschauerbereich auf der Bühne der Aula hat sich auch ein alter Bekannter eingefunden. Es ist Kadir Ayhan (36), der Dönermann von Ilanz.
Der Chef des Bistros Ilanz sprach am Dienstag mit Blick und nahm den Gemeindepräsident nach dessen Ausraster teilweise in Schutz. «Wir wissen, dass der Herr Beer ein bisschen temperamentvoll ist. Es war ein Ausrutscher, den ich nicht so scharf verurteile.»
Aber, fügte er lachend an: «Er soll einfach ein bisschen aufpassen, das Ganze ein bisschen geduldiger angehen.»
Gemeindepräsident: «Kein Kommentar»
Blick versucht sein Glück noch einmal beim Gemeindepräsidenten. Zur Erinnerung: Im Vorfeld hatte Blick mehrmals versucht, mit Marcus Beer in Kontakt zu treten – per Mail und per Telefon.
Der Gemeindepräsi wirkt während einer Ratspause am Mittwochabend demonstrativ gelassen und lässt sich bereitwillig ablichten.
Aber bei einer Frage weicht das Lächeln einem ernsteren Gesichtsausdruck – die nach einem Interview vor der Kamera. «Kein Kommentar», heisst es von Marcus Beer freundlich – aber bestimmt.
Ein heiterer Auftakt
Der neue Parlamentspräsident Flavio Elvedi (FDP) löst Quinter ab. Mehrmals werden die Anwesenden darauf aufmerksam gemacht, dass «Bild- und Tonaufnahmen jederzeit durch das Parlamentspräsidium untersagt werden können».
Als es um die Wahl des Vizepräsidenten geht, ergreift ein Parlamentarier das Wort und nutzt sein Votum zur Beglückwünschung des neu gewählten Präsidenten: «Chapeau Flavio, so viel Besucher und so viel Medienpräsenz hatte ich bei meiner Wahl vor zwei Jahren nicht.» Gelächter erfüllt den Saal – es ist ein heiterer Auftakt.
Die Sitzung ist eröffnet
Der Alterspräsident Claudio Quinter (56, die Mitte), der 2022 als Kandidat für das Gemeindepräsidium antrat und gegen Marcus Beer verlor, eröffnet die Sitzung. Der grosse Andrang freut ihn. «Es heisst, dass in der Schweiz sich immer weniger Leute für die Ämter der Lokalpolitik bewerben. Bei uns stimmt das nicht!»
Die Sitzung beginnt mit der Wahl der Stimmenzähler. Die Traktanden sehen vor, dass danach unter anderem der Parlamentspräsident, der Vizepräsident, das Aktuariat, die Geschäftsprüfungskommission und der Schulrat gewählt.
Irgendwann danach wird sich das Parlament dann mit der Vertrauensfrage von Marcus Beer beschäftigen. Während Quinter spricht, lauscht Beer aufmerksam. Er wirkt konzentriert, von Nervosität keine Spur.