Petition gibt Ilanzer Gemeindepräsident Marcus Beer den Rest
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«Es ist zum Davonlaufen!»:Petition gibt Gemeindepräsidenten den Rest

Leser zu Übergabe von Bargeld-Petition – Gemeindepräsident verlor die Fassung
«Ich bin schockiert über die Aussagen»

In Ilanz GR wurde eine Petition für den Erhalt von Parkuhren überreicht. Gemeindepräsident Marcus Beer verlor dabei kurzzeitig die Fassung. Die Meinung der Blick-Leser.
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Am Freitagmorgen fand die Übergabe der Petition für bargeldloses Parkieren statt.
Foto: Petitionäre bargeldloses Parkieren

Darum gehts

  • Ilanz GR führte QR-Codes für Parkgebühren ein, löste Protest aus
  • Gemeindepräsident kritisierte ältere Generation bei Petitionsübergabe mit 1600 Unterschriften
  • Petition sorgte für 600 Kommentare, Meinungen zu Bargeld-Abschaffung gespalten
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Robin WegmüllerRedaktor Wirtschaft

Das Thema bewegt wie kaum ein anders – die Bargeld-Abschaffung. Am Freitagmorgen kam es in Ilanz GR zu einem Eklat. Der Auslöser: Im Hauptort der Surselva setzt die Stadt aktuell ein neues Parkierungskonzept um. Sie liess gewisse Parkuhren entfernen, an denen Besucher bisher mit Münz bezahlen konnten. Ersetzt wurden die Parkuhren durch einfache Schilder mit QR-Codes. Heisst: Parkieren können da nur noch Personen, die digital via Twint oder Parkingpay zahlen. 

Dagegen haben mehr als 1600 Personen aus der Umgebung eine Petition unterschrieben. Sie fordern, dass auf allen öffentlichen Parkplätzen von Ilanz/Glion mit Bargeld bezahlt werden kann. Bei der Übergabe der Petition verlor Gemeindepräsident Marcus Beer (parteilos, 64) kurzzeitig die Fassung. Er sprach von einer «Schande der Alten gegenüber den Jungen». Das Ersetzen der Parkuhren würde viel Geld kosten. Beer regt sich darüber auf, das ältere «selbstsüchtige Generationen, keine Rücksicht auf finanzielle Belastungen der jungen Generation nehmen».

«Man muss mit Einschränkungen im Alltag rechnen»

Die Petition sorgt auch unter Blick-Leserinnen und -Leser mit über 600 Kommentaren für ordentlich Gesprächsstoff. Die Meinungen sind gespalten. «Klar, die Welt ist digital geworden, bezahlen auch. Aber Leute über 60 sind noch ohne Computer aufgewachsen», schreibt Andy Honegger. «Ältere Menschen, die im Beruf nicht oder kaum mit der digitalen Welt in Kontakt kamen, haben damit halt Mühe. Das ist durchaus verständlich.»

Auch Walo Besch ist auf der Seite der Petitionäre: «Wer andere zwingt, ihr Natel zu benutzen, fördert damit unweigerlich die Abhängigkeit davon. Zu was das führt, sehen wir tagtäglich. So langsam ist es genug.» Ähnlich sieht es Archibald Wolf: «Bargeld ist praktisch und ein legales Zahlungsmittel. Also hört auf, mit schrägen Argumenten den Leuten elektronisches Zahlen aufzuzwingen.»

Gleichzeitig stehen andere Leser aber auch für die Gemeinde ein. «Parkuhren sind einfach zu teuer für die zwei Personen, die dann mit Bargeld bezahlen», sagt Markus Horst. Thomas Häusler sieht das gleich: «Ich bin der Meinung, dass man gewisse Ausgaben in der heutigen Zeit nicht mehr machen muss. Zeiten ändern sich. Heute setzt man im Alltag einfach voraus, dass Menschen über Handy, Computer und Bankkarten verfügen. Wer das nicht möchte, muss mit Einschränkungen im Alltag rechnen.»

«Ich bin schockiert»

Nebst der Diskussion um die Bargeld-Abschaffung sorgt auch die Reaktion des Gemeindepräsidenten Marcus Beer für viele Kommentare. Einige Leser zeigen für sein emotionales Verhalten Verständnis. «Es ist seine Meinung, und auch als Gemeindepräsident darf man diese äussern», so Mathias Hueber. «Wir leben in einem freien Land, und manchmal wünsche ich mir mehr Emotionen von Politiker.» So sieht das auch Hans Gantenbein: «Der Gemeindepräsident hat absolut recht. Vielen Dank, dass sie die Wahrheit aussprechen.»

Ein Grossteil ist aber ob der Reaktion empört. «Ich bin etwas schockiert über die Aussagen von Marcus Beer. Von einem Gemeindepräsidenten sollte man etwas Sachlichkeit und Respekt erwarten dürfen», schreibt Claudia Schärer. Und Andi Müller argumentiert: «Über den Inhalt der Petition kann man durchaus geteilter Meinung sein, das Verhalten des Gemeindepräsidenten zeigt aber schon ein sehr spezielles Demokratieverständnis.»

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