«Sparen bescheidene 8 Franken pro Tag und Automat»
Ärzte kritisieren Bargeld-Aus an Berner Billett-Automaten

Die BLS-Bahnen sparen durch die Massnahme bloss 8 Franken pro Automat und Tag. Die Bargeld-Abschaffung sei deshalb «unnötig», motzen die Mediziner. Brisant: An den BLS-Automaten in Luzern und Neuenburg kann weiter mit Münz und Nötli bezahlt werden.
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Der Bargeldschlitz an den BLS-Billetautomaten im Kanton Bern wird dieses Jahr sukzessive abgeschafft.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Die BLS-Bahnen schaffen den Bargeldschlitz an ihren Billettautomaten ab
  • Eine Umweltorganisation kritisiert die Entscheidung scharf
  • Mehrere Schweizer wehren sich gegen die zunehmende Abschaffung von Bargeld in Geschäften und Unternehmen
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Die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahnen (BLS) verbannen Münz und Nötli bei seinen neuen Billettautomaten im Kanton Bern. Dort sind alle Automaten künftig bargeldlos, man kann nur noch mit Plastik oder Handy bezahlen. Dadurch will das Bahnunternehmen jährlich rund 400'000 Franken einsparen, erklärte der Betrieb im Oktober. Jetzt gibt es aber Kritik – und zwar von der Umweltorganisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU). Zuerst hat «20 Minuten» darüber berichtet.

Die Organisation ist bei den erklärten Einsparungen der BLS-Bahnen noch einmal über die Bücher gegangen. Und kommt zum Schluss: Mit der Massnahme spart das Bahnunternehmen «bescheidene» 7.96 Franken pro Tag und Automat. Dies entspreche in etwa dem Preis eines Billetts von Bern nach Belp BE, schreibt die Organisation in einer Mitteilung. Ein Sprecher der BLS bestätigt die Rechnung gegenüber der Nachrichtenplattform.

Organisation warnt vor Folgen für umweltfreundlichen Verkehr

Die AefU befürchtet durch die «unnötige» Massnahme eine Zunahme des Individualverkehrs: «Die Abschaffung des Bargelds stellt sich der Nutzung des öffentlichen Verkehrs unnötig in den Weg», so die Organisation. Heisst: Werden die Hürden für ein ÖV-Billett höher, nehmen einfach mehr Pendler das Auto. Dies schade dem Umwelt- und Klimaschutz. 

Prepaid-Karten, die Verkehrsbetriebe teils als Bargeld-Alternative anpreisen, seien zudem nur zu Schalterzeiten erhältlich. Spontane oder nächtliche Fahrten können damit also unter Umständen nicht gelöst werden. «Damit fördern die ÖV-Betriebe geradezu das Schwarzfahren», warnt die Organisation. Auch sei die Gültigkeit der Prepaid-Karten begrenzt, und nicht genutzte Restbeträge könnten nach Ablauf verloren gehen.

BLS-Bahnen verteidigen ihre Entscheidung

Die Ärztinnen und Ärzte fordern deshalb: «Bund, Kantone und Städte sollen ihre Verkehrsbetriebe verpflichten, an den Automaten weiterhin Bargeld zu akzeptieren.» Sonst würden jene ausgeschlossen, die die Digitalisierung nicht mitmachen wollten oder könnten – «während sie diese via Steuern massiv mitfinanzieren».

Die BLS-Bahnen verteidigen die Entscheidung. Die Einsparungen würden sich lohnen, da stets weniger Kundinnen und Kunden die Automaten nutzen, so ein Sprecher gegenüber «20 Minuten». 2025 sei der Umsatz an den Automaten im Vergleich zum Vorjahr um weitere 14 Prozent gesunken. Der grösste Teil der Passagiere reise mit Abo oder kaufe ein Ticket über eine App.

Brisant: An den BLS-Billetautomaten im Luzernischen oder in Neuenburg kann weiterhin mit Münzen bezahlt werden. Der Grund: Die beiden Kantone übernehmen für den Erhalt der Bargeld-Funktion die Mehrkosten.

Die AefU ist nicht die einzige, die sich gegen eine Bargeld-Abschaffung im ÖV wehrt: Im Bündnerland lancierte Berta Caminada (77) die Petition «Postauto ohne Bargeld NEIN!», damit das Billett im Postauto wieder mit Münz beim Chauffeur gelöst werden kann. Mit Erfolg: Innert weniger Tage haben mehr als 8000 Personen unterschrieben.

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