Kein Münz mehr akzeptiert
Digitales Bezahlsystem macht Schaffhauser ÖV-Passagiere hässig

In Schaffhausen sorgt das neue bargeldlose Bezahlsystem in Bussen für Ärger. Fahrgäste sprechen von «Abzocke», weil ohne Auschecken automatisch 6.60 Franken abgezogen werden. Die Verkehrsbetriebe Schaffhausen verteidigen das neue System.
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In den Busen der Verkehrsbetriebe Schaffhausen kann man nicht mehr mit Münz bezahlen.
Foto: Facebook

Darum gehts

  • Schaffhausen und Graubünden streiten über Abschaffung von Bargeld im ÖV.
  • Neue digitale Bezahlsysteme sorgen für Kritik und Proteste.
  • BLS will durch bargeldlose Automaten jährlich 400'000 Franken einsparen.
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Irgendwie kommt es nie gut, wenn im öffentlichen Verkehr das Münz abgeschafft wird. Die Reaktionen der Reisenden fallen dann regelmässig heftig aus. So etwa im Bündnerland, wo man das Postauto-Ticket nicht mehr beim Chauffeur lösen kann – und die Fahrten digital bezahlen muss. Der Widerstand dagegen ist gross. Berta Caminada (77) aus Bonaduz GR ist der Kopf hinter den Protesten. Sie hat eine Petition mit dem Titel «Postauto ohne Bargeld NEIN!» lanciert. Innert weniger Wochen sind so 8078 Unterschriften zusammengekommen.

Jetzt gibts auch in Schaffhausen Theater, wie das Onlineportal Nau zuerst berichtet hat. Die Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH) haben die Ticketautomaten, an denen man das Billett noch mit Münz bezahlen konnte, abmontiert. Und durch ein neues, digitales Bezahlsystem ersetzt. Dafür kassieren sie aber heftige Kritik. Dabei ist das Prinzip an sich simpel. Beim Einsteigen eine Karte oder das Smartphone hinhalten, beim Aussteigen nochmals. Doch genau das sorgt für Ärger.

Ohne Auschecken wird teuer

Denn die neuen Mini-Automaten akzeptieren weder Münzen noch Twint. Bezahlt werden kann nur mit Kredit- oder Debitkarte. Wer bar zahlen will, muss ans Kundencenter oder an einen stationären Automaten. In der Facebook-Gruppe «Du bist ein Schaffhauser/in wenn du...» wird das System als «grösste Abzocke» bezeichnet. Über 500 Likes und 300 Kommentare zeigen: Der Frust ist gross. Besonders stört viele die Pauschalgebühr, wenn man das Auschecken vergisst.

Wer nämlich beim Verlassen des Busses nicht erneut die Karte hinhält, der zahlt automatisch 6.60 Franken. Auch wenn das eigentliche Billett nur 3.30 Franken gekostet hätte. Da sehnt sich so mancher die Automaten zurück, die Münz geschluckt haben. Die VBSH verteidigen das System aber vehement. Weniger als drei Prozent der Fahrgäste würden ihr Ticket direkt im Bus lösen, sagt ein Sprecher gegenüber Nau.ch. Das neue Gerät sei nur als «Restverkaufssystem» gedacht – vor allem für Gelegenheitsfahrer und Touristen. Zudem seien ohne Bargeld die Kosten tiefer.

400'000 Franken eingespart

Ums Geld ist es auch den Bern-Lötschberg-Simplon-Bahnen (BLS) gegangen. Dort sind alle Automaten künftig bargeldlos, man kann nur noch mit Plastik oder Handy bezahlen. Dadurch will das Bahnunternehmen jährlich rund 400'000 Franken einsparen. Kritik gab es nicht nur von Passagieren, sondern auch von der Umweltorganisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU). Sie befürchtet durch die «unnötige» Massnahme eine Zunahme des Individualverkehrs. Die Ärztinnen und Ärzte fordern deshalb: «Bund, Kantone und Städte sollen ihre Verkehrsbetriebe verpflichten, an den Automaten weiterhin Bargeld zu akzeptieren.» 

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