Chef Vranckx sahnt ab
Gewaltige Lohnsprünge für Lufthansa-Chefs

Die Swiss muss sparen, Passagiere müssen leiden – die Konzernmanager Carsten Spohr und Dieter Vranckx jedoch kassierten jährlich mehr.
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Der Lufthansa-Boss Carsten Spohr kriegt den Hals nicht voll: Sein Salär ist seit 2021 um 388 Prozent explodiert auf über 8 Millionen Euro.
Foto: imago/Sven Simon

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swiss muss 2026 rund zehn Prozent sparen, Irankrieg verstärkt den Druck zusätzlich
  • Lufthansa-Chef Spohr erhöhte sein Gehalt seit 2021 um 388 Prozent auf 8,3 Mio.
  • Swiss ähnelt Billig-Airlines
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Der Swiss steht ein harter Geschäftsverlauf bevor. Schon vor dem Irankrieg war klar: Die Airline muss rund zehn Prozent sparen. Die militärische Lage im Nahen Osten erhöht den Druck massiv. Die Schweizer Konzerntochter ist die Cashcow von Lufthansa – deren Ergebnis hängt von Zürich ab.

Gespart wird überall – ausser an der Spitze. Lufthansa-Chef Carsten Spohr (59) steigerte sein Salär laut Geschäftsbericht um fast 58 Prozent auf 8,3 Millionen Euro. Seit 2021 entspricht das einem Plus von 388 Prozent. Auch Ex-Swiss-Chef Dieter Vranckx (53) profitierte massiv: Für 2025 weist der Bericht über 2,1 Millionen Euro aus, nach gut 500’000 Euro für ein halbes Jahr 2024. 

Swiss auf Kurzstrecke: Fast wie eine Billig-Airline

Für Passagiere und Belegschaft wäre es ein Gewinn, wenn Service und Löhne in vergleichbarem Umfang wachsen würden. Swiss-Piloten verdienen kaufkraftbereinigt weniger als bei der Lufthansa, Flugbegleiter klagen über schlechte Arbeitsbedingungen, Passagiere verzweifeln an dem, was unter Vielfliegern Cha-Cha-Cha-Programm heisst: Der Service gehe vor und zurück – viele Schritte rückwärts, um dann einen Minischritt nach vorne zu machen, was dann als grosse «Qualitätsoffensive» verkauft werde.

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Beispiel Langstrecke: Sitzplätze in der Businessclass kosten neu extra. Beim «Amenity Kit» mit Ohrstöpseln, Zahnbürste und Zahnpasta wird gespart, Extras wie Schlafbrillen gibt es nur auf ausdrückliche Nachfrage. Ein Kabinenchef klagt: «Wir nennen uns Premium-Airline, benehmen uns aber wie das Gegenteil.» Auch kulinarisch hapert es – statt Sbrinz wird häufig billiger US-Cheddarkäse serviert. Auf Kurzstrecken unterscheidet sich die Economy kaum noch von Billig-Airlines, nicht einmal Stammkunden werden noch persönlich begrüsst. 

Zu Löhnen und Service verweist die Lufthansa-Gruppe auf den Geschäftsbericht und betont, dass sich die Kundenzufriedenheit erhöht habe.

Ferienflieger Edelweiss ist ein Boys-Club

Probleme gibt es auch bei Edelweiss: Die Geschäftsleitung ist ein reiner Boys-Club. In 30 Jahren ist es dem Management nicht gelungen, Teil des Meilenprogramms Miles & More zu werden. Edelweiss wirkt altbacken: Flugbegleiterinnen müssen roten Lippenstift tragen, ihre Blazer sorgen seit Jahren für Beschwerden, weil sie viel zu warm sind. Der Uniform-Schnitt von Piloten und männlichen Flugbegleitern wirkt aus der Zeit gefallen.

Swiss-CEO Jens Fehlinger (45) dürfte rund 800’000 Franken verdienen. Bislang ist er ein Ankündigungs-Geschäftsführer. Statt die Wet-Lease-Partnerschaft, also die Anmietung von Flugzeugen, mit Air Baltic zu beenden, baut er sie aus. Zwar flog er letztes Jahr mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (62) nach Washington, doch der Lufthansa-Konzern importiert die Flugzeuge weiterhin via Malta – und nicht wie angekündigt über die Schweiz. Statt den Pilotenmangel nach dem Beispiel von Turkish Airlines mit Rekrutierungen in Brasilien zu entschärfen, hat Fehlinger den Deutschzwang im Cockpit noch immer nicht abgeschafft. Und einen internen Bericht zum Tod eines 23 Jahre jungen Flugbegleiters hält er unter Verschluss.

Weniger Frankfurt, mehr Zürich

Mit der neuen Konzernstruktur «Matrix Next Level» hätte Fehlinger die Chance, die Swiss stärker von der Lufthansa-Führung zu emanzipieren. Fehlinger muss sich entscheiden: Will er weiter als Spohrs Ziehsohn auftreten oder als echter Swiss-Chef, der Frankfurt klarmacht, dass die Swiss am besten funktioniert, wenn sich Deutschland nicht einmischt.

Spohrs Tage an der Spitze in Frankfurt sind gezählt – mit zwölf Dienstjahren ist er ungewöhnlich lange im Amt. Gelingt es Fehlinger, die Swiss profitabler zu machen, ohne die Stammkunden weiter zu verärgern, wäre der nächste Karrieresprung für ihn mehr als verdient.

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