Darum gehts
- Schweizerinnen und Schweizer stecken im Mittleren Osten fest, keine weiteren Swiss-Sonderflüge geplant
- EDA beantragt keinen weiteren Flug
- Oman-Flugraum gesperrt, Landweg nach Oman bleibt kompliziert und teuer
Viele Schweizerinnen und Schweizer sitzen im Mittleren Osten fest: In Dubai, Abu Dhabi und Katar warten sie auf einen Platz im Flieger nach Hause. Am Donnerstag führte die Fluggesellschaft Swiss einen Sonderflug vom Oman nach Zürich durch, der sofort ausgebucht war. Zahlreiche Gestrandete gingen leer aus und hofften auf einen zweiten Flug. Die Airline signalisierte Bereitschaft und bot dem Aussendepartement einen weiteren Sonderflug an – doch daraus wurde nichts.
«Swiss wird vorerst keinen weiteren Sonderflug von Maskat (Oman) nach Zürich durchführen», sagt Swiss-Sprecher Michael Pelzer zu Blick. «Diesen Entscheid haben wir in enger Abstimmung mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) getroffen. Die Lage bleibt jedoch sehr volatil. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern und das EDA erneut Bedarf anmelden, werden wir prüfen, einen weiteren Sonderflug durchzuführen.»
Swiss ist vom EDA abhängig
Im Klartext: Das EDA hat keinen Bedarf angemeldet! Das Departement von Aussenminister Ignazio Cassis (64) betont, das Nein zu einem weiteren Sonderflug sei gemeinsam mit der Swiss getroffen worden – und zwar «nach eingehender Prüfung».
Allerdings ist die Swiss auf das Placet der Schweizer Diplomatie angewiesen und kann aktuell nicht eigenmächtig in den Oman reisen. Denn der omanische Flugraum ist für Linienflüge aktuell gesperrt; nur Sonderflüge sind zugelassen. Hierfür muss das EDA eigens Bewilligungen einholen. In einer Nachricht, die Blick vorliegt, schreibt eine EDA-Mitarbeiterin: «Auch andere Hürden sind uns begegnet: keine Überflugbewilligungen für Zusatzflüge und auch keine Landebewilligungen. Es ist also alles nicht ganz so einfach, das musste auch ich lernen, obwohl mein Background der einer Reisebürospezialistin ist.»
Edelweiss-Flieger mit 70 freien Plätzen
Möglicherweise hat das EDA keinen weiteren Sonderflug beantragt, weil zwei Edelweiss-Maschinen am Samstag vom Oman nach Zürich nicht voll besetzt waren. Auf dem A340 von Muskat nach Zürich wären 300 Plätze verfügbar gewesen, an Bord sassen 281 Passagiere – 19 Sitze blieben leer. Auf dem zweiten Flug mit dem A320 ab Salalah, der 174 Plätze bietet, blieben 51 Sitze frei. Es gab also zahlreiche No-Shows. Ob die Passagiere nicht rechtzeitig am Flughafen ankamen oder eine alternative Reiseverbindung wählten, ist unklar.
Sowohl der Swiss- als auch due Edelweiss-Sonderflüge erfolgten in Zusammenarbeit mit dem EDA. «Es handelte sich jedoch nicht um einen subventionierten Evakuationsflug, sondern um eine eigenständige Operation», betont die Swiss.
Gestrandete Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich vom EDA allein gelassen. Ein Schweizer Vater zu Blick: «Ich bin die ganze Nacht wach geblieben, um ein Ticket für unsere Tochter für einen Emirates-Flug am Samstag von Dubai nach Zürich zu kaufen. Wir waren total erleichtert, als es geklappt hat. Doch dann die Ernüchterung: Es gab eine Detonation, unsere Tochter musste das Gate verlassen. Der Flieger wurde erst von 9 Uhr auf 15 Uhr, dann auf 20 Uhr verschoben. Mittlerweile ist der Flug gecancelt. Unsere Tochter versucht nun, in einer sicheren Unterkunft zu übernachten und morgen in den Oman zu reisen.»
Vater kritisiert das EDA
Vom EDA vermisst der Vater praktische Unterstützung: «Es wäre gut, wenn das EDA einen Transport auf dem Landweg in den Oman organisieren würde. Die Kosten könnten unter den Reisenden aufgeteilt werden, aber für uns ist es schwierig, das selbst zu managen.»
Wer in den Oman will, muss die Reise dorthin selbst organisieren – etwa mit Taxis, die bis zur Grenze fahren. Die regulären Mietwagenanbieter verlangen fast immer die Rückgabe des Mietwagens im selben Land; One-Way-Fahrten von Dubai nach Oman sind oft nur als teure Sonderlösung möglich. Am Grenzübergang kam es teilweise zu Verzögerungen. Auf die Frage von Blick, warum kein Schweizer Diplomat an der Grenze vor Ort ist, um Schweizerinnen und Schweizern beim Grenzübertritt zu helfen, antwortet das EDA: «Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Schweizer Reisenden grundsätzlich in der Lage waren, die Grenze ohne Unterstützung zu passieren.»