Sehnlichst erwartet landete am Donnerstag kurz nach 14.30 Uhr das Swiss-Flugzeug am Flughafen Zürich. Kapitän Manfred Simon (61) sitzt im Cockpit des Airbus A340, der auf der Landepiste 14 die letzten Meter zum Gate rollt. Die 14-köpfige Swiss-Crew hat 211 Passagiere aus dem Krisengebiet im Oman zurück nach Zürich geholt.
«Alles hat tadellos funktioniert», sagt Pilot Simon kurz nach der Landung zu Blick. «Das ist ein absolutes Highlight in meiner 37-jährigen Karriere bei Swiss gewesen. Ich bin enorm dankbar und stolz auf dieses Team.»
«Passagiere waren sehr dankbar»
Alle Crew-Mitglieder hätten sich freiwillig bereiterklärt, den Sonderflug zu machen. Auch Kabinenchefin Claudia Trowbridge (51) hat keine Sekunde gezögert: «Mein Herz hat mir gesagt, wenn ich Familie dort hätte, wären die auch froh, wenn jemand kommt und sie holt.»
Trotzdem habe sie ein mulmiges Gefühl in der Luft begleitet, als es in den Nahen Osten ging, wie sie sagt. Umso erleichterter ist die Kabinenchefin, dass alles gut gegangen ist. «Das werde ich nie wieder vergessen», so Trowbridge, die seit 27 Jahren bei der Airline arbeitet.
Die Stimmung an Board beschreibt sie als emotional. «Die Passagiere waren sehr dankbar, dass wir gekommen sind, um sie abzuholen. Das hat man die ganze Zeit gespürt.»
Ähnlich empfand es Kapitän Manfred Simon: «Ich stand beim Ein- und beim Aussteigen an der Tür und habe gefühlt 150 Hände von Passagieren geschüttelt, die sich bei mir bedankten.» Normalerweise sei dies nicht so. «Das war schön und hat uns viel zurückgegeben», so der 61-Jährige.
Stopp dauerte 90 Minuten
Unter den Passagieren seien zahlreiche Familien mit Kindern gewesen. «Viele waren müde und erschöpft, aber froh, endlich einsteigen zu können», erzählt die Kabinenchefin. Nach der Landung in Zürich habe sich bei den meisten Passagieren die Anspannung gelöst.
Müde sind auch die Crew-Mitglieder am späteren Donnerstagnachmittag. Sie haben einen langen Einsatz hinter sich. Das Team hat sich am Mittwochabend gegen 21 Uhr am Flughafen Zürich getroffen und ist anschliessend los in Richtung Oman geflogen. An Bord waren insgesamt vier Piloten, damit jeder mal Pause machen konnte.
Am Flughafen in Muskat sei alles schnell gegangen. «Wir waren nur ungefähr 1,5 Stunden am Boden. Alles war hervorragend vorbereitet», so Swiss-Pilot Simon. Die Crew habe den Flieger nicht verlassen. Sie hätten nur die Passagiere eingeladen und das Flugzeug aufgetankt.
Er selbst sei während des ganzen Einsatzes nicht überdurchschnittlich angespannt gewesen, berichtet der erfahrene Pilot. «Wir waren permanent in Kontakt mit Zürich und hätten notfalls auf Plan B umschwenken können.» Auf dem Hinflug hätten sie beispielsweise genügend Kraftstoff-Reserven dabei gehabt, um bis nach Kairo oder Mumbai zu fliegen, wenn sich die Sicherheitslage unterwegs verschlechtert hätte. Ausnahmsweise hatten sie zusätzlich auch ein mobiles Satellitentelefon dabei, um jederzeit mit Zürich in Kontakt treten zu können.
Von den kriegerischen Aktivitäten hätten sie im Cockpit nichts mitbekommen. «Wir flogen bei Tageslicht durch das Krisengebiet. Dort erkennt man aus dieser Distanz nichts», so Simon.
Angehörige empfangen ihre Liebsten
Sandra Strasser (58) aus Regensdorf ZH ist überglücklich, als Blick sie in der Ankunftshalle des Flughafens trifft. Ihr Sohn Nunu Mtiraoui (29) fuhr mit dem Taxi von Dubai in den Oman, um für 1100 Franken mit dem Sonderflug zurückzukommen.
Im Flugzeug sassen auch Daphna Granadus (38), ihr Mann und ihre zwei Kinder. Die Tickets hatte Granadus Mutter von der Schweiz aus gebucht, als sie vom Sonderflug erfahren hatte. «Ich habe einfach gehandelt», sagt diese.
Brigitte (60) aus Chiasso TI empfing ihren Sohn und dessen Frau, die aufgrund des Krieges früher als geplant von ihrem Oman-Aufenthalt zurückgekehrt sind. Sie sagen zu Blick: «Wir danken Swiss für die Organisation und den Flug!»
«Die Swiss hat diesen Flug auf eigene Initiative und auf eigene Kosten durchgeführt. Wir hatten keinen Auftrag vom EDA», betont Swiss-Sprecher Michael Pelzer. Die Organisation sei herausfordernd gewesen. Rund 40 Mitarbeiter hätten den Sonderflug in weniger als 48 Stunden organisiert. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine weiteren Sonderflüge der Swiss geplant.
Trotzdem steht für Kapitän Manfred Simon und Kabinenchefin Claudia Trowbridge fest: «Wir würden es wieder machen!»