Darum gehts
- Swiss-Crew wegen Explosion in Dubai evakuiert, sicher auf Weg nach Zürich
- Höchste Sicherheitsstufe verhängt, Crew durfte Hotel nicht verlassen
- Flüge nach Dubai bis 4. März gestrichen, Tel Aviv bis 8. März
Ein Swiss-Kapitän in Dubai macht dem Swiss-Management Vorwürfe. «Vor etwa einer Stunde gab es eine Explosion in etwa 5 Kilometern Entfernung. Als Verantwortlicher für meine Crew erhalte ich nur wenige Informationen und habe keine Möglichkeit zum direkten Austausch», kritisiert der Pilot in einer internen Nachricht, die Blick vorliegt. «Einige Crewmitglieder haben Angst vor den nächsten Stunden und zögern, in Zimmern im 62. Stock zu schlafen.»
Die Swiss hat umgehend reagiert und Piloten und Flugbegleiter auf dem Landweg nach Oman gebracht. Am Sonntagabend ging es in einer Sondermaschine nach Wien und von dort weiter nach Zürich. Und jetzt? Blick sprach mit Oliver Buchhofer (49), der bei der Swiss das operative Geschäft managt.
Blick: Herr Buchhofer, wie geht es Ihren Mitarbeitenden?
Oliver Buchhofer: Wir sind froh, dass niemand physisch verletzt wurde und die Crew aus Dubai sicher auf dem Weg nach Zürich ist. Man muss aber sehen, dass die Situation in Dubai für unsere Crew überraschend kam und mental sehr belastend war. Wir sind auch eng im Kontakt mit unseren Mechanikern in Tel Aviv, die ebenfalls ausreisen werden. Sie haben leider mehr Erfahrung mit Krisensituationen.
Ein Swiss-Pilot vermisste in Dubai Unterstützung von der Zentrale.
Der Kapitän trägt vor Ort die Verantwortung für seine Crew. Ich habe sehr viel Verständnis für die extreme Situation. Wenn man Detonationen hört und nicht genau weiss, was passiert, ist das sehr belastend und verunsichernd. Unsere Fachleute standen mit ihm in Kontakt. Man muss aber verstehen, dass die gesamte Organisation in solchen Situationen im Krisenmodus ist. Im Hintergrund läuft dann ganz viel, um die verschiedenen Crews zu unterstützen, den Flugbetrieb sicherzustellen, Flüge umzuleiten, Sicherheitsanalysen zu erstellen und so weiter. Ich kann verstehen, dass er das nicht alles unmittelbar mitbekam. Wir sind dankbar, dass er die Situation vor Ort gut gemanagt hat.
Wie sind Sie in Dubai Ihrer Fürsorgepflicht nachgekommen?
Wir haben im Lauf des Samstags in Dubai unsere höchste Sicherheitsstufe verhängt, Stufe drei. Das bedeutet: Die Crews durften das Hotel nicht mehr verlassen und sie müssen erreichbar sein, damit wir sie, wenn immer möglich, schnell evakuieren können. Unser Duty Manager in Zürich war im ständigen Austausch mit der Crew in Dubai und mit anderen Crews. Die Telefone laufen dann heiss, um allen Bedürfnissen und Fragen gerecht zu werden.
Oliver Buchhofer (49) ist seit Mai 2024 Betriebschef (COO) der Swiss. Seine Berufskarriere begann er als Journalist bei Radio Z und TeleZüri. Seit 2004 ist er Swiss-Pilot. Später übernahm er verschiedene Leitungsfunktionen. Buchhofer hat an der Universität Zürich Wirtschaft studiert und sitzt in den Führungsgremien von Lufthansa Aviation Training, Aerosuisse und Switzerland Tourism.
Oliver Buchhofer (49) ist seit Mai 2024 Betriebschef (COO) der Swiss. Seine Berufskarriere begann er als Journalist bei Radio Z und TeleZüri. Seit 2004 ist er Swiss-Pilot. Später übernahm er verschiedene Leitungsfunktionen. Buchhofer hat an der Universität Zürich Wirtschaft studiert und sitzt in den Führungsgremien von Lufthansa Aviation Training, Aerosuisse und Switzerland Tourism.
Warum haben Sie die Kollegen über den Landweg evakuiert?
Wir haben eine sorgfältige Sicherheitsanalyse erstellt. Da gilt es abzuwägen, was sicherer ist. Klar war schnell, dass der Luftweg aus Dubai keine Option darstellte. Der Luftraum und der Flughafen sind geschlossen. Also war der Weg nach Muscat die einzige Option. Aber auch da bestellt man sich nicht einfach mal schnell ein Taxi. Das ist viel komplexer und braucht Zeit. Erst als wir sicher waren, dass wir die Crew erfolgreich rausholen können, haben wir sie losgeschickt. Glücklicherweise können wir in der Lufthansa-Gruppe zusammenspannen, sodass ein Flugzeug der Austrian Airlines aus Wien verschiedene Crews im Oman abgeholt hat. Sie sind in der Nacht in Wien gelandet. Zwei Crewmitglieder sind mit Angehörigen in Muscat in einem Hotel untergebracht. Wir suchen für sie mit Hochdruck nach Ausreisemöglichkeiten.
Was, wenn Mitarbeiter jetzt psychologische Unterstützung brauchen?
Wir sind für unsere Crews da. Wir haben verschiedene Anlaufstellen und ein Care-Team für sie bereit. Wir wissen, dass die Situation für manche sehr belastend war. Jede und jeder geht damit unterschiedlich um, von daher werden wir individuelle Lösungen finden, um ihnen beizustehen.
Wann können Sie wieder Flüge nach Tel Aviv und Dubai aufnehmen?
Das ist völlig unklar. Bis einschliesslich 4. März sind alle Flüge nach Dubai gestrichen, nach Tel Aviv bis einschliesslich 8. März. Unsere Sicherheitsspezialisten beobachten die Lage sehr genau. Wir entscheiden je nach Entwicklung der Lage.
Viele Schweizer sind in Dubai gestrandet. Könnte die Swiss Schweizer Bürger repatriieren?
Die vergangenen Jahre zeigen, dass wir immer wieder Repatriierungen vorgenommen haben, sei es aus Krisengebieten oder während der Pandemie. Das haben wir beispielsweise in Tel Aviv gemacht und einmal in Usbekistan, als wir Schweizer aus Afghanistan evakuiert haben. Solche Missionen finden immer im Auftrag des Aussendepartements EDA statt. Es müsste also der Bund aktiv werden. Wir würden dann prüfen, ob die Lage für Flüge in das Gebiet sicher genug ist.
Unter welchen Bedingungen könnten Sie dem Bund helfen?
Wenn das EDA es will und unsere Analysen zeigen, dass es sicher und machbar ist, fliegen wir nach Dubai. Das geht aber nur, wenn das Risiko beurteilbar und kalkulierbar ist. Wenn ständig Raketen fliegen, können wir das nicht machen. Es müssen aber auch andere Dinge gegeben sein. Das Flugzeug muss zum Beispiel betankt und abgefertigt werden können. Solche Flüge brauchen eine längere Vorbereitung, man kann nicht einfach ein Flugzeug losschicken. Eine Alternative wäre, einen anderen Flughafen in der Nähe anzufliegen, zum Beispiel im Oman.
Stehen Sie im Kontakt mit dem EDA?
Ja, wir sind bei Krisen immer im Gespräch mit dem EDA. Etwas Konkretes ist im Moment nicht geplant.
US-Präsident Donald Trump sagte am Sonntagabend: «Der Krieg wird vier Wochen dauern – oder weniger.» Warum schaffen Sie nicht Klarheit für Ihre Kunden und canceln jetzt alle Flüge nach Tel Aviv und Dubai in den kommenden vier Wochen?
Wie Sie sagen: Es sind Menschen gestrandet, sie wollen nach Hause. Und wir möchten fliegen, sobald es die Lage wieder zulässt.
Sie sind selbst Pilot. Würden Sie es sich zutrauen, nach Dubai zu fliegen?
Wenn unsere Sicherheits- und Fachexperten grünes Licht geben: ja.
Rechnen Sie jetzt mit höheren Öl- und damit höheren Ticketpreisen?
Natürlich ist der Treibstoffpreis ein relevanter Kostenfaktor. Sollte der Krieg länger andauern, wird das Auswirkungen auf den Flugpreis haben. Es ist aber noch zu früh, um zu spekulieren.
Flüge nach Indien und Südostasien müssen Ausweichrouten fliegen. Dauern die Flüge länger?
Ja, aber nicht wesentlich. Wir hoffen, dass die aktuellen Ausweichkorridore frei bleiben.