Ali Chamenei (†86) herrschte 37 Jahre im Iran
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Ablehnung gegen den Westen:Ali Chamenei (†86) herrschte 37 Jahre im Iran

Bombenhagel im Nahen Osten, Terror-Warnung im Westen – und Angst vor Benzin-Krise
Flächenbrand im Nahen Osten – verändert dieser Krieg die Welt?

US- und Israel-Angriffe töten Irans Revolutionsführer Chamenei – und lösen eine globale Schockwelle aus. Droht nun ein Flächenbrand? Die Analyse zeigt die Folgen für die Weltmächte Russland und China sowie die Gefahren für Europa.
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Ein US-Kriegsschiff im Einsatz: Die amerikanische Militärmacht prägt die Eskalation im Nahen Osten entscheidend mit.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • US- und israelische Luftangriffe töten Irans Revolutionsführer Chamenei am 1. März
  • Russland verliert strategischen Partner, China ruft zur Deeskalation auf
  • 20 Prozent des globalen Ölhandels durch Strasse von Hormus gefährdet
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Ein Angriff mit Ansage – und weitreichenden Folgen. US- und israelische Bomber greifen gleichzeitig iranische Ziele an, wenige Stunden später ist Revolutionsführer Ali Chamenei (†86) tot. Teheran schwört Rache. Raketen schlagen in mehreren Ländern in der Golfregion ein – darunter Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Dubai. Flugräume schliessen, internationale Märkte zittern.

Was als gezielter Schlag begann, droht sich zu einem Flächenbrand im Nahen Osten auszuweiten. Sicherheitsbehörden in Europa und den USA erhöhen bereits die Terrorwarnstufen. Die zentrale Frage: Erleben wir gerade einen Krieg, der die Weltordnung verändert?

Denn getroffen wurde nicht nur der Iran. Der Angriff erschüttert ein geopolitisches Geflecht, das gerade Russland und China über Jahre als Gegengewicht zum Westen aufgebaut hatten.

Russland verliert Partner – mit Folgen für Ukraine-Krieg

Für Kremlchef Wladimir Putin (73) ist Chameneis Tod ein strategischer Rückschlag. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs war der Iran ein wichtiger militärischer Zulieferer, insbesondere für Shahed-Drohnen.

«Der Iran war ein wichtiger, aber auch problematischer Partner für Moskau», sagt Russland-Experte Ulrich Schmid von der Universität St. Gallen. Hinter den Kulissen habe es intensive Verhandlungen über Waffenlieferungen gegeben.

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Ali Chamenei (†89) prägte Irans Politik fast vier Jahrzehnte lang – sein Tod löst nun globale Folgen aus.
Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Doch die Beziehung sei nie mehr gewesen als «eine Zweckgemeinschaft», betont Schmid. Dass Russland seinem Partner nun nicht helfen kann, beschädigt Putins Anspruch als Schutzmacht autoritärer Regime.

Nach Syrien und Venezuela reiht sich der Iran in eine Serie geopolitischer Rückschläge ein. Sollte sich das Regime nur mit Gewalt halten können, wäre das für Moskau lediglich ein «Trostpreis». Gleichzeitig verliert Russland möglicherweise eine wichtige militärische Lieferkette – mit direkten Folgen für den Krieg in der Ukraine.

China bleibt ruhig – und spielt das lange Spiel

China reagiert auffallend zurückhaltend. Peking ruft zur Deeskalation auf und vermeidet jede militärische Positionierung. «Unter Chamenei war der Iran für Russland und China ein wichtiger, aber nicht entscheidender Partner», sagt Nahost-Experte Reinhard Schulze. Der Iran habe geholfen, westlichen Druck zu verwalten und Einflusszonen zu erweitern, ohne dass Moskau oder Peking grosse Risiken eingingen.

Chameneis Tod nehme zwar Stabilität, sei aber kein strategischer Bruch. Entscheidend bleibe für China, dass der Iran nicht dauerhaft ins westliche Lager kippt. «Die Regimeform ist zweitrangig», so Schulze. Ein geschwächter Iran könnte Pekings Einfluss sogar stärken: Die wirtschaftliche Abhängigkeit wächst, während die USA militärisch gebunden werden.

Europa reagiert – aber ohne Einfluss

Europa sieht der Eskalation weitgehend von der Seitenlinie aus zu. Viele Regierungen wurden offenbar überrascht, statt Unterstützung dominieren Appelle zur Zurückhaltung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) forderte «maximale Zurückhaltung» und Respekt vor internationalem Recht.

Der Konflikt offenbart einen wachsenden transatlantischen Graben: Während Europa politisch auf Russlands Krieg gegen die Ukraine fokussiert bleibt, handelt Washington im Nahen Osten zunehmend allein. Europa koordiniert Krisensitzungen – besitzt aber begrenzten Einfluss auf den Verlauf der Eskalation.

Öl-Schock und globale Risiken

Die wirtschaftlichen Folgen könnten weltweit spürbar werden. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren täglich die Strasse von Hormus – eine der sensibelsten Handelsrouten der Welt. Schon die Angst vor einer Blockade lässt Energiepreise schwanken und nährt die Sorge vor einem neuen Öl-Schock.

Gleichzeitig wächst die Sicherheitsangst im Westen. Geheimdienste warnen vor möglichen Vergeltungsaktionen iranischer Netzwerke oder verbündeter Milizen ausserhalb der Region.

Im Nahen Osten selbst zwingt der Konflikt Staaten wie Saudi-Arabien zu einer strategischen Neuorientierung. Ein geschwächter Iran könnte geopolitischen Spielraum eröffnen – gleichzeitig erhöht jeder weitere Angriff das Risiko einer regionalen Eskalationsspirale.

Eine Welt im Übergang

Kurzfristig profitieren vor allem die USA und Israel. Doch langfristig bleibt der Ausgang offen. Mittelfristig könnte sich China als stiller Profiteur sehen.

Chameneis Tod zeigt damit eine neue Realität: Die Welt zerfällt nicht in stabile Blöcke, sondern in fragile Zweckallianzen. Russland wirkt geschwächt, China kalkuliert geduldig, Europa ringt um Einfluss – während der Nahe Osten erneut zum geopolitischen Brennpunkt wird.

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