Darum gehts
Donald Trump (79) droht dem Iran mit Bomben – und fürchtet vor allem eins: einen Krieg ohne Ende. Hinter der martialischen Rhetorik aus dem Weissen Haus steht ein Präsident, der genau weiss, wie schnell ein «begrenzter Schlag» im Nahen Osten in einen jahrelangen Konflikt kippen kann. Und wie politisch giftig solche «ewigen Kriege» für einen US-Präsidenten sind, der sich stets als Gegner genau solcher Einsätze inszeniert hat.
Denn die USA stehen derzeit an einer Weggabelung. Washington baut militärisch Druck auf wie seit Jahren nicht mehr, verlegt Flugzeugträger und Kampfjets in Reichweite des Irans und prüft konkrete Angriffsoptionen. Gleichzeitig laufen ab Donnerstag in Genf letzte Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Trump will einen Deal – aber zu seinen Bedingungen. Scheitert er, könnte der nächste Schritt militärisch sein.
Der Eskalationsplan im Weissen Haus
Dabei denkt der Präsident intern nicht in einem simplen Ja oder Nein zum Krieg, sondern in Eskalationsstufen. Zunächst erwägt er gezielte Luftschläge gegen Nuklearanlagen, Raketenprogramme oder die Revolutionsgarden – als Warnsignal, um Teheran an den Verhandlungstisch zu zwingen und damit zu Konzessionen zu bewegen.
Sollte der Iran danach noch nicht einlenken, liegt bereits eine zweite Option auf dem Tisch: eine breitere Luftkampagne über mehrere Tage hinweg. Und wenn auch das nicht zum gewünschten Ergebnis führen sollte, ziehen Berater eine grössere Operation in Betracht, die das Regime ernsthaft destabilisieren könnte.
Genau diese Eskalationslogik sorgt im Pentagon aber für Nervosität. Trumps oberster General und andere Strategen warnen, dass selbst ein begrenzter Schlag schnell ausser Kontrolle geraten könnte. Der Iran verfügt über Raketen, Drohnen und ein Netzwerk an Milizen in der gesamten Region. US-Basen könnten ins Visier geraten ebenso Schiffe im Persischen Golf oder israelische Städte. Jeder Gegenschlag würde den Druck auf Washington erhöhen, weiter zu eskalieren, – bis aus einem «Signal» ein längerer Militäreinsatz wird.
Militärische Grenzen und strategische Risiken
Hinzu kommt die strategische Lage der USA. Die Streitkräfte sind durch andere Konflikte bereits stark beansprucht, wichtige Munitionsbestände sind nicht unbegrenzt verfügbar. Ein ausgedehnter Einsatz gegen den Iran würde Ressourcen binden und könnte die Streitkräfte überstrapazieren. Genau vor diesem Szenario warnen Militärplaner: vor einem Konflikt, der sich über Monate oder Jahre zieht und sich politisch nur schwer wieder beenden lässt.
Trump weiss, wie gefährlich dieses Szenario für ihn wäre. Innenpolitisch hat er sich als Präsident positioniert, der Amerika aus «endlosen Kriegen» heraushalten will. Ein neuer grosser Nahostkonflikt würde diesen Anspruch untergraben. Gleichzeitig kann er es sich kaum leisten, nach monatelangen Drohungen tatenlos zu bleiben. Genau darin liegt sein Dilemma: Um einen Krieg zu vermeiden, muss er glaubhaft mit Krieg drohen.
Letzte Hoffnung: Ein Deal in Genf
Deshalb lässt Trump die Diplomatie weiterlaufen. Seine Unterhändler in Genf versuchen, einen letzten Durchbruch zu erreichen, und im Weissen Haus hofft man noch immer auf ein Abkommen, das sich als klarer Sieg verkaufen lässt. Doch das Zeitfenster ist klein. Berater drängen darauf, der Diplomatie noch eine Chance zu geben – gleichzeitig laufen die militärischen Vorbereitungen weiter.
Am Ende steht eine Entscheidung, die weit über einen einzelnen Luftschlag hinausgeht. Ein begrenzter Angriff könnte schnell zur nächsten Eskalationsstufe führen – und schliesslich zu einem Konflikt, der sich nicht mehr einfach beenden lässt. Trump will Stärke zeigen, ohne in einen neuen Nahostkrieg hineingezogen zu werden. Doch je mehr Streitkräfte er in Stellung bringt und je konkreter die Angriffspläne werden, desto schwerer wird es, genau diesen «ewigen Krieg» noch zu vermeiden.